Das vergangene Jahr war für die Landestalsperrenverwaltung (LTV) völlig anders als 2024, als es mehrere Hochwasser im Dresdner Elbtal gab. „2025 war hingegen sehr trocken. Zwar hat es im Juli öfter geregnet. Doch das hat wenig gebracht“, erklärt Maren Wittig, die den LTV-Betrieb Oberes Elbtal leitet. Er ist mit seinen 142 Beschäftigten in Dresden für den Flutschutz an Elbe, Weißeritz und Lockwitzbach zuständig.
„Wir haben jetzt noch einen niedrigen Pegel in den Flüssen und an unseren Talsperren. Dort liegt er deutlich unter dem Normalwert“, sagt sie. Wegen angekündigter und auch extremer Starkregen musste die LTV 2024 mehrfach Alarmbereitschaft ausrufen. Gleich zum Jahreswechsel 2023/2024 mussten die rund fünf Kilometer langen Flutschutzanlagen mit ihren drei kleinen und zwei große Pumpwerken zwischen Stetzsch und Cossebaude ihre erste große Bewährungsprobe nach der Fertigstellung bestehen. Im vergangenen Jahr war es hingegen nicht nötig, eine Alarmbereitschaft auszurufen.
Flutschutz für Elbe und Weißeritz
In den vergangenen Jahren ist viel für den Flutschutz und zur Beseitigung von Hochwasserschäden getan worden. Seit 2002 hat die Landestalsperrenverwaltung (LTV) dafür knapp 124 Millionen Euro investiert. Damit war Dresden auch sehr gut vorbereitet, als die Elbe um den Jahreswechsel 2023/24 erstmals seit der Juniflut 2013 so stark angestiegen war.
Über zwölf Kilometer des Elbufers sind in Dresden bereits durch drei Großprojekte geschützt. Bis 2011 wurde im Zentrum der Hochwasserschutz zwischen Hasenberg und Alberthafen fertiggestellt. Vier Stadtteile schützt die rund vier Kilometer lange Anlage aus Flutschutzwänden und Deichen zwischen dem Ballhaus Watzke und Kaditz seit 2013, die noch mit mobilen Elementen erhöht werden können. Zuletzt wurde 2018 der Flutschutz für Stetzsch, Gohlis und Cossebaude übergeben.

Auf fünf Kilometern schützen diese Wand und Deiche Stetzsch, Gohlis und Cossebaude.
Von 2009 bis Mai 2020 hat die LTV die Weißeritz als Dresdens gefährlichsten Fluss zwischen Altplauen und der Mündung in die Elbe auf einer Länge von 4,7 Kilometern so ausgebaut, dass sie selbst eine 500-jährliche Flut, wie es sie 2002 gab, sicher ableiten kann.
Im Frühjahr Baustart am Klärwerk
Vorbereitet wird derzeit der Flutschutz für die Übigauer Insel. Entlang der Elbe soll der Teil zwischen Autobahn und Flügelwegbrücke geschützt werden. Dort befindet sich die wichtige Kaditzer Kläranlage. Vorgesehen ist, dass der 1,4 Kilometer lange Deich um rund einen Meter erhöht wird. Der schützt das Klärwerk dann vor einer besonders großen Flut wie 2002. Im Deich wird eine Innendichtung eingebaut, die zwischen 13 und 15 Meter in den Untergrund reicht. Sie soll für die Gewährleistung der Grundwasserbewegung nötige hydraulische Fenster haben.
„So soll auch die geplante Erweiterungsfläche des Klärwerks in Richtung Flügelwegbrücke geschützt werden“, erklärt die LTV-Betriebschefin. Eigentlich sollte der Deichbau schon im vergangenen Jahr beginnen. Doch da die zusätzliche Erweiterungsfläche aufgenommen wurde, musste die Planung geändert und geprüft werden, sodass sich der Baustart etwas verzögert hat.
Der Auftrag soll in den nächsten Wochen öffentlich ausgeschrieben werden. „Die Arbeiten werden im Frühjahr im Bereich der Autobahnbrücke beginnen“, kündigt Maren Wittig an. Bereits jetzt werden noch vor Beginn der Wachstumsperiode Büsche und kleine Bäume im Bereich des Baufelds beseitigt. Der Deichbau soll bis zu anderthalb Jahre dauern. Für die Arbeiten am Klärwerk sind rund vier Millionen Euro vorgesehen. Der Großteil kommt aus EU-Fördertöpfen.
Gleich im Anschluss wird der Deich in dem Zuge kurz vor der Flügelwegbrücke für ein Hochwasser ertüchtigt, das statistische gesehen alle 100 Jahre kommt. Dort sollen die Zuleitungen fürs geplante Flusswasserwerk der Sachsen-Energie verlaufen.
2027 Baustart an Flutrinne
Bei den folgenden Projekten sollen ebenfalls Anlagen errichtet werden, die vor einer 100-jährlichen Elbeflut schützen. Gearbeitet wird derzeit an der Ausführungsplanung für den Schutz der Südseite der Kaditzer Flutrinne zwischen Autobahnbrücke und Böcklinstraße am anderen Ende der Übigauer Insel. Zwischen der Washington- und der Sternstraße soll eine rund 863 Meter lange und bis zu 1,20 Meter hohe Hochwasserschutzwand entstehen. Die soll teilweise eine Untergrundabdichtung erhalten.
„Der Bau soll spätestens im Mai 2027 beginnen und etwa anderthalb Jahre dauern“, sagt die LTV-Betriebschefin. Geplant ist, dafür rund 3,8 Millionen Euro zu investieren. Ein Teil davon kommt aus EU-Fördertöpfen.
Mobile Aufsätze für Altmickten
Für Altmickten ist ein Schutz vorgesehen, der sich an die Südwand der Flutrinne anschließt. Geplant ist eine etwa 225 Meter lange Flutschutzwand an der Elbe, die von der Böcklinstraße bis kurz hinter die Lindenschänke reicht und zwei im Hochwasserfall mobil zu verschließende Scharten hat. Das längste Stück soll bis zu 1,10 Meter hoch werden. Auf der Mauer sind mobile Aufsätze für den Flutfall vorgesehen, sodass das Ortsbild nicht zu stark beeinträchtigt wird.
2020 erfolgten dazu Abstimmungen mit den vom Projekt Betroffenen. Seit 6. Januar liegen die Pläne im Zuge des Planfestellungsverfahrens sowohl im Internet als auch bei der Stadt bis Anfang Februar öffentlich aus. „Wir hoffen, dass wir mit den Arbeiten 2030 beginnen können“, erklärt Wittig. Vorgesehen ist eine Bauzeit von rund anderthalb Jahren.
Altübigauer Schutzpläne werden öffentlich ausgelegt
Geprüft wird auch, Altübigau vor Hochwasser zu schützen. Für diesen Abschnitt gibt es zunächst eine Vorplanung. Diese sieht auf 175 Metern Länge Flutschutzwände mit einer Höhe zwischen 2 und 4,80 Metern vor. Zudem sollen die vorhandenen Uferwände ertüchtigt werden. In der Mitte ist wie in Altmickten ein mobiler Verschluss aus Aluminium-Elementen geplant, der den Weg zum Ortskern bei Hochwasser verschließt.
Die Erarbeitung des Hochwasserschutzkonzepts sei in den letzten Zügen. „Darin werden wir auch eine Aussage treffen, ob die Umsetzung dort sinnvoll ist oder nicht.“ Danach sollen die Unterlagen in den nächsten Wochen öffentlich ausgelegt werden.
Flutschutz für Laubegast
Geschützt werden sollen auch andere Stadtteile, so Laubegast. Im August 2002 stieg der Elbpegel so hoch, dass sich der Altelbarm füllte und Laubegast zur Insel wurde. Seitdem wird nach Lösungen gesucht. Sollen nur mobile Wände zum Einsatz kommen oder eine Kombination aus fester Mauer und mobilen Wänden? Anfang Januar hatte die Stadt eine Machbarkeitsstudie vorgestellt.
Vorgesehen ist ein Deich, der vom Altelbarm an der Berchtesgadener Straße weiter zur Elbe um den Stadtteil herumgezogen werden soll. Dieser feste Schutz soll um ein sogenanntes Dammbalkensystem wie am Terrassenufer ergänzt werden. Im Hochwasserfall könnten zwischen den Balken mobile Schutzwände eingezogen werden.
Text: Peter Hilbert