Es klingt wie aus einer anderen Welt. Der Dresdner dpa-Redakteur Jörg Schurig kam von einer Dienstreise und wurde im ICE von Frankfurt/M. nach Dresden ausgerufen. Er möge bereits in Erfurt aussteigen. Sein Arbeitgeber hatte über die Bahn AG so Kontakt zu ihm aufgenommen, weil wohl das Mobilfunknetz damals noch schlechter war als heute. Es war April 2002. Im Erfurter Gutenberg-Gymnasium hatte der 19-jährige ehemalige Schüler Robert Steinhäuser gerade elf Lehrer, eine Referendarin, eine Sekretärin, zwei Schüler, einen Polizeibeamten sowie sich selbst erschossen. Die zuständige Erfurter dpa-Kollegin war gerade auf Dienstreise in China. Schurig sollte und musste einspringen.
Heute sind die Dienstreisen bei der ersten und letzten deutsche Presseagentur vermutlich weniger geworden. Im Dresdner Presseclub stellten sich am Montagabend Jörg Schurig, seit im heute dreiköpfigen Team der dpa in Dresden (früher waren es fünf), und Christiane Raatz, Copilotin oder übersetzt: Chefin vom Dienst für Ostdeutschland, vor. Die Deutsche Presseagentur hat 170 Medienunternehmen als Kunden, die zugleich Gesellschafter sind. Das Unternehmen nimmt keine Subventionen vom Staat in Anspruch und legt großen Wert auf Verlässlichkeit. Schurig betonte im Gespräch, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehe und Fehler immer korrigiert werden, selbst wenn es sich nur um vergessenen Genitiv handelt. Wirtschaftlich sind die Zeiten nicht einfach, weil es immer weniger Zeitungen gibt und deren Reichweite sinkt. Der Umsatz der dpa GmbH beläuft sich auf 103 Millionen Euro, der Gewinn liegt bei 1,4 Millionen (2023). Die gesamte Gruppe setzt 163 Millionen Euro um und hat über 1.300 Beschäftigte. Die zwölf dpa-Landesdienste werden von sechs Landesbüros gesteuert. Für Sachsen arbeiten sieben Redakteure.