Jan Böhmermann, Deutschlands bekanntester TV-Satiriker und Podcaster, ist Medienprofi durch und durch. Mit seinem investigativ-satirischen Format „ZDF Magazin Royal“ geht er regelmäßig auf Missstände in der Gesellschaft ein und unterhält sein Publikum damit. So auch in seiner Sendung vom 3. November 2023, in der es um Borkenkäfer und Bienen ging und auch darum, dass Imker Unternehmen dabei helfen, mit Beewashing, eine Wortkreation aus Greenwashing und dem englischen Wort für Biene (engl. bee), ihr Image aufzupolieren. In dieser Sendung wurde auch ein Video von Rico Heinzig, einem Imker Meißen bei Dresden, gezeigt. Im Kontext der Sendung wurde ihm Geschäftemacherei mit der Erzählung vom Aussterben von Bienen vorgeworfen. Heinzig sah sich hier zu Unrecht an den Pranger gestellt und reagierte auf satirische Art und Weise.
Böhmermann erkennt Heinzig als Satiriker und damit als Künstler an, reklamiert aber gleichzeitig, dass Heinzig seine Persönlichkeitsrechte verletzen würde, weil Heinzig mit dem streitbaren Plakat (ein Kunstwerk) Böhmermann als Werbefigur für seinen Honig einsetzen würde, um damit Geld zu verdienen, ohne dass Böhmermann dafür sein Einverständnis gegeben hätte. Man muss in diesem Zusammenhang aber auch erwähnen, dass es Böhmermann auch nicht für angebracht hielt, Heinzig vor der Veröffentlichung seines Videos in der investigativ-satirischen Sendung zu fragen. Damit dürfte Böhmermann zumindest in Kauf genommen haben, dass das Geschäft von Rico Heinzig geschädigt wird.
Wenn man sich die Arbeitsweise von Jan Böhmermann etwas genauer anschaut und sich das obige Zitat noch einmal durchliest, könnte man auf die Idee kommen, dass hier ein argumentatives Ungleichgewicht vorliegen könnte.
Auf der einen Seite wirft er Heinzig vor, dass er Persönlichkeitsrechte verletze, um damit Geld zu verdienen und auf der anderen Seite macht Böhmermann auf Spotify mit seinen Songs über Claus Weselsky oder Rainer Wendt zumindest vergleichbares. Er zieht dabei mutmaßlich in Erwägung, dass er mit den Songs Geld verdienen kann.
Auf Spotify bekommen Künstlerinnen und Künstler 0,3 Cent pro abgespieltem Stream. Bei den beiden erwähnten Songs kommt Böhmermann in Summe auf rund 900.000 Wiedergaben – rechnerisch wären das dann 2.700 Euro. Mit all seinen Songs auf Spotify dürfte er schon rund 34.500 Euro verdient haben.
Souveräne Menschen hätten die Aktion von Heinzig wahrscheinlich mit einem Lächeln anerkannt und dann wäre es gut gewesen. Doch Böhmermann möchte den Rechtsstreit unbedingt: „Ich würde das gern für mich wissen. Dann spare ich mir die ganze Arbeit mit der Sendung und werde anderweitig reich“, erklärte er im Podcast. Denkt Böhmermann hier, dass Heinzig mit einem einzigen Plakat und 150 Gläsern Honig reich geworden sei?
Dass sich Böhmermann weiterbilden möchte, ist lobenswert. Ob er seinen Wissensaufbau dabei auf Kosten des sächsischen Imkers und des Steuerzahlers betreiben muss, ist allerdings fraglich. Laut Böhmermann zahle er die Kosten für den Rechtsstreit aus seinen Einnahmen bei Spotify und will damit wahrscheinlich auch das ZDF nicht mit reinziehen.