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Kuriose Studiengänge: Von Yoga zum «Chaos der Gegenwart»

Kuriose Studiengänge: Von Yoga zum «Chaos der Gegenwart»
An der Universität Leipzig können sich Studenten mit Yoga und Meditation beschäftigen. (Symbolbild) / Foto: Bernhard Krieger/dpa-tmn
Від: Sachsen News
Für Tausende Studierende beginnt mit dem Semesterstart an Sachsens Hochschulen ein neues Abenteuer. Neben BWL, Jura und Medizin gibt es auch einige außergewöhnliche Studiengänge.

Wer sich im Studium nicht in überfüllte Hörsäle quetschen will, muss auf die Uni nicht unbedingt verzichten. Denn neben Klassikern wie Jura, BWL oder Medizin gibt es an Sachsens Hochschulen viele kleinere Studiengänge. Und die sind teils richtig exotisch. Ein Überblick über die außergewöhnlichsten Angebote zum Semesterstart. 

Musikinstrumentenbau: Lernen bis sich die Balken biegen 

An der Westsächsischen Hochschule Zwickau beschäftigen sich die Studenten im Studiengang Musikinstrumentenbau nicht nur mit Oberflächenästhetik, wie ein Modul des Studiengangs heißt. Sie achten auch genau auf die Akustik. In der Vergangenheit gab es im Rahmen des Studiums schon ein Projekt, bei dem die Bassbalken verbogen wurden, um den Klang einer Geige zu verändern. 

Zu den neueren Vorhaben gehört der Bau einer Geige mit Carbondecke. Das ist zwar nur ein Prototyp, wie die wissenschaftliche Mitarbeiterin Hannah Weidauer erläutert. Grundsätzlich sei aber Ziel, dass die Seminarteilnehmer am Ende Produkte entwickelten, die «marktreif» seien. Ein Student baut je Semester ein eigenes Instrument. Insgesamt sind derzeit 27 Personen über alle Semester hinweg eingeschrieben. 

Viele hätten zuvor eine Ausbildung absolviert, zum Beispiel zum Geigenbauer, sagt Weidauer. Mit dem Studium am Standort Markneukirchen vertiefen sie dann ihr Wissen und wählen zwischen den Fachrichtungen Zupf- und Streichinstrumentenbau. Etwa 80 Prozent der Absolventen wagen Weidauer zufolge den Schritt in die Selbstständigkeit. 

In Leipzig Yoga und Meditation erforschen 

Die 16 neuen Studenten des Studiengangs «Kulturen Südasiens und Tibets», können sich schon mal auf die Yoga-Vorlesung im zweiten oder vierten Semester freuen. Dort lernen sie laut Modulkatalog «verschiedene brahmanische und buddhistische Yoga- und Meditationstraditionen» kennen. In der Vorlesung wird zudem das «Zusammenspiel zwischen konzentrativer Ruhe» und «analytischer Einsicht» behandelt. Auf die Frage, ob die Studenten im Seminar selbst meditieren, sagt Institutsleiterin Jowita Kramer, dass «achtsamkeitsbasierte und dyadische Übungen» in die Lehrveranstaltungen integriert würden. Damit sollen «zentrale Konzepte erfahrungsorientiert» erschlossen werden. 

Mit dem Institut für Sorabistik gibt es in Leipzig einen weiteren regionalen Schwerpunkt, der nach Darstellung der Universität auf eine mehr als 300-jährige Geschichte zurückblickt. Heute studieren in Leipzig insgesamt 39 Personen die sorbische Sprache, 27 davon sind Frauen, wie ein Sprecher mitteilt. Die Sorben sind eine anerkannte slawische Minderheit in Deutschland, die seit rund 1.500 Jahren in der Lausitz ansässig ist. 

In Dresden Kunstwerke aus der DDR erforschen 

Wer in Dresden «Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut» studieren möchte, braucht Ausdauer. Voraussetzung für die Aufnahme des zehnsemestrigen Diplomstudiengangs ist ein zehnmonatiges Praktikum, dazu kommt eine Eignungsprüfung. 

Einen Schwerpunkt setzt die Hochschule für Bildende Künste Dresden auf Wandmalerei und Architekturoberflächen. Dazu gehört die Erforschung und Restaurierung von Kunstwerken aus der DDR, wie zum Beispiel Wandbilder an Gebäuden. Auch an der Restaurierung von gläsernen Figuren aus dem Deutschen Hygiene-Museum waren Studierende der Hochschule beteiligt. Die Arbeiten beschränken sich dabei nicht auf jahrhundertealte Werke wie die Restaurierung eines Rokoko-Beichtstuhls in einer Kirche. Auch ein fünf Jahre altes Kunstwerk habe man schon restauriert, sagt eine Sprecherin. 

In Mittweida zum Experten für Bitcoin und Blockchain werden 

Der Studiengang «Blockchain and Distributed Ledger Technologies» ist derzeit noch eine Männerdomäne. Alle 23 Studenten sind Männer, mehr als die Hälfte ist älter als 30 Jahre, wie Andreas Ittner mitteilt, der Leiter des Blockchain Competence Centers Mittweida. 

Blockchain ist eine fälschungssichere Datenbank, die Informationen in einer Kette von Datenblöcken speichert. Die Studenten in Mittweida lernen, solche dezentralen Systeme zu entwickeln und zu steuern. Auch die Kryptowährung Bitcoin basiert darauf. Mittlerweile beschäftigten sich die Studenten viel mit der Sicherheit und Nachverfolgung von Transaktionen, sagt Ittner. Absolventen kämen später zum Beispiel als Projektleiter in Start-ups oder Großunternehmen unter. 

In Freiberg das «Chaos der Gegenwart» verstehen 

Die 1765 gegründete TU Bergakademie Freiberg ist eigenen Angaben zufolge die älteste bergbauwissenschaftliche Universität der Welt. Alexander von Humboldt hat hier studiert. Heute gehören moderne Studiengänge wie Weltraumtechnologien zum Angebot. 

Aber auch historische Forschung ist in Freiberg verankert. Im Studiengang Industriearchäologie lernt man, das «Chaos der Gegenwart» zu verstehen, wie die Universität ihr Angebot bewirbt. Hierbei steht die neuere Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte im Vordergrund. Rohstoffströme, soziale Bewegungen und «kulturelle Deutungshorizonte» würden erforscht, teilt eine Sprecherin mit. Die Berufsperspektiven sind ihr zufolge vielfältig. Industriearchäologen könnten in Museen und Archiven arbeiten, aber auch «darstellende Berufe in Social Media» seien eine Option.

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