Mit dem Ukraine-Krieg hat sich für den in der DDR aufgewachsenen Maler Norbert Bisky die Perspektive auf die eigene Entwicklung deutlich verschoben. «Der Krieg wird unsere Zukunft verändern. Und in meinem Fall verändert er auch meine Vergangenheit, weil er meinen Blick auf meine Kindheit und Teenagerjahre in der DDR verändert», sagte der 52-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor dem Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine (24. Februar). «Der Krieg verändert unsere Gegenwart, egal, was irgendjemand dazu sagt. Berlin ist näher an Osteuropa dran als an Düsseldorf. Wir können gar nicht so tun, als ginge uns das nichts an.»
Bisky erinnert sich: «Offensichtlich ist das Sowjetreich doch nicht unblutig zusammengebrochen. Es bricht mit brutal blutigen Kriegen zusammen. Das habe ich Anfang der 90er noch verdrängt.» Tschetschenien oder Georgien seien weit weg. «Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich das nicht klarer wahrgenommen habe», sagt Bisky. «Jetzt aber ist es unübersehbar offensichtlich, was für monströse Auswüchse aus diesem Kommunismus hervorgegangen sind. Die führen ohne Skrupel Krieg gegen die eigenen Leute.»