Nach 130 Jahren hat Chemnitz Schluss gemacht mit der besonders klimaschädlichen Strom- und Wärmegewinnung aus Kohle. Zum Klang des «Steigerlieds» wurde am Donnerstagvormittag der rote Knopf in der Leitwarte des Heizkraftwerks Nord gedrückt und so das Verfeuern von Braunkohle beendet. Damit versiegt auch der gut 300 Meter hohe, farbenfroh gestaltete Schlot. Er bleibt aber als weithin sichtbares Kunstwerk erhalten.
Von einem historischen Tag sprach Roland Warner, Geschäftsführer des Energieversorgers Eins. Seinen Worten zufolge war 1894 in der Stadt das erste Elektrizitätswerk in Betrieb gegangen, das mit Steinkohle arbeitete. Seither wurde der Wärme- und Strombedarf zu großen Teilen aus Kohle gedeckt. In Zeiten der Klimaveränderung müsse die Energieversorgung neu gedacht werden, betonte Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD). Laut Stadtratsbeschluss solle die 250 000 Einwohner zählende Stadt bis 2045 klimaneutral sein. «Dieser Ausstieg heute ist ein wichtiger Schritt dazu», sagte Schulze.
Ende Dezember hatte letztmalig ein Zug Braunkohle aus der Region Leipzig geliefert. Seither wurden die Lagerbestände verfeuert. Der Ausstieg aus der Braunkohle kommt früher als geplant. Einer der beiden Blöcke sollte eigentlich bis Ende 2029 laufen. Sie stammten aus den 80er Jahren und erzeugten Strom und Wärme, bliesen dabei aber jährlich knapp eine Million Tonnen CO2 in die Luft. Das Kraftwerk war größter Emittent des klimaschädlichen Gases in der Region.