Wer regelmäßig bei Temu, Shein oder AliExpress bestellt, hat es gemerkt: Die Preise sind oft kaum zu schlagen. Ein T-Shirt für zwei Euro, eine Handyhülle für einen Euro – versandkostenfrei bis vor die Haustür. Doch diese Ära könnte sich ihrem Ende nähern. Gleich drei politische Weichenstellungen dürften Chinas Billigplattformen künftig deutlich teurer machen.
1. Das Ende des Versand-Schlupflochs: Die UPU-Reform
Jahrzehntelang half dem günstigen China-Versand ein scheinbar trockenes bürokratisches Konstrukt auf die Sprünge: der Weltpostverein (UPU), eine UN-Sonderorganisation mit Sitz in Bern. Chinesische Händler konnten Produkte zu extrem niedrigen Kosten ins Ausland verschicken, weil China Post für den Versand von Päckchen nach Deutschland sehr niedrige Endvergütungen zahlte – also die Gebühren, die Absenderländer an die Postgesellschaften der Empfängerländer zahlen. Ein Päckchen von Shanghai nach Sachsen war dadurch oft günstiger als ein Paket von München nach Hamburg.
Die USA drängten auf Sofortmaßnahmen und drohten sogar mit einem Austritt aus dem Weltpostverein. Ab 2020 durften empfangende Länder ihre Gebühren selbst anheben, was die Kosten für chinesische Versender deutlich steigen ließ. Seit 2022 zahlen chinesische Händler die gleichen Gebühren wie andere große Exportländer.