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Diese drei Gründe könnten Temu und Shein bald teurer machen

Billigpakete
Pakete im DHL Luftfrachtzentrum in Leipzig-Schkeuditz (Bild: Thomas Wolf)
Von: Thomas Wolf

Wer regelmäßig bei Temu, Shein oder AliExpress bestellt, hat es gemerkt: Die Preise sind oft kaum zu schlagen. Ein T-Shirt für zwei Euro, eine Handyhülle für einen Euro – versandkostenfrei bis vor die Haustür. Doch diese Ära könnte sich ihrem Ende nähern. Gleich drei politische Weichenstellungen dürften Chinas Billigplattformen künftig deutlich teurer machen.

1. Das Ende des Versand-Schlupflochs: Die UPU-Reform

Jahrzehntelang half dem günstigen China-Versand ein scheinbar trockenes bürokratisches Konstrukt auf die Sprünge: der Weltpostverein (UPU), eine UN-Sonderorganisation mit Sitz in Bern. Chinesische Händler konnten Produkte zu extrem niedrigen Kosten ins Ausland verschicken, weil China Post für den Versand von Päckchen nach Deutschland sehr niedrige Endvergütungen zahlte – also die Gebühren, die Absenderländer an die Postgesellschaften der Empfängerländer zahlen. Ein Päckchen von Shanghai nach Sachsen war dadurch oft günstiger als ein Paket von München nach Hamburg.

Die USA drängten auf Sofortmaßnahmen und drohten sogar mit einem Austritt aus dem Weltpostverein. Ab 2020 durften empfangende Länder ihre Gebühren selbst anheben, was die Kosten für chinesische Versender deutlich steigen ließ. Seit 2022 zahlen chinesische Händler die gleichen Gebühren wie andere große Exportländer.

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Doch damit nicht genug: Ab dem 1. Januar 2026 traten weltweit verbindliche UPU-Vorgaben in Kraft, die Dokumentensendungen klar von Warensendungen trennen. Der Einschreib-Service darf seitdem ausschließlich für den Dokumentenversand genutzt werden – ein Kanal, den manche Versender bislang für billigen Warenversand nutzten, ist damit geschlossen.

2. Die 150-Euro-Freigrenze fällt

Bisher galt in der EU eine großzügige Regelung: Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro kamen zollfrei ins Land. Das machte Bestellungen bei Temu und Shein besonders attraktiv, weil die allermeisten Sendungen dieser Plattformen unter dieser Grenze lagen.

Der Europäische Rat billigte am 11. Februar 2026 formell neue Zollvorschriften für Waren in kleinen Paketen. Die Vereinbarung hebt die schwellenwertbasierte Zollbefreiung für Pakete mit einem Wert von weniger als 150 Euro auf. Zolltarife werden ab dem 1. Juli 2026 für alle Waren gelten, die in die EU eingeführt werden. Von den betroffenen Importpaketen kamen 91 Prozent aus China, insbesondere über Plattformen wie Temu und Shein. Täglich gelangen rund 400.000 Pakete allein aus China nach Deutschland.

Die vollständige Umsetzung ist für 2028 geplant, wenn der neue EU-Zolldatenhub in Betrieb geht. Bis dahin gilt eine Übergangslösung.

3. Drei Euro pro Paket – spätestens ab November

Als Übergangsmaßnahme haben sich die EU-Finanzminister am 12. Dezember 2025 darauf geeinigt, eine pauschale Gebühr von drei Euro auf Pakete aus Drittländern mit einem Warenwert unter 150 Euro zu erheben. Wann genau die Regelung in Kraft tritt, ist noch Gegenstand von EU-internen Abstimmungen – spätestens im November soll sie jedoch gelten.

Wer mehrere Produkte aus derselben Kategorie bestellt, zahlt nur einmal drei Euro. Befinden sich jedoch Artikel aus unterschiedlichen Kategorien im Paket, wird die Gebühr mehrfach berechnet – eine Lieferung mit einer Hose und einem Kugelschreiber würde demnach sechs Euro Zoll kosten.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil brachte es beim Besuch des DHL-Luftfrachtzentrums in Leipzig-Schkeuditz auf den Punkt: Man wolle die Märkte vor einer Flut an Ramschware schützen, die keinerlei Qualitätsstandards genüge und dem heimischen Einzelhandel schade. Branchenkenner beziffern den Wertschöpfungsverlust durch chinesische Plattformen in Deutschland auf bis zu 2,4 Milliarden Euro – die darauf entfallende Umsatzsteuer allein auf rund 456 Millionen Euro. Mit der neuen Paketpauschale könnten bis zu 500 Millionen Euro pro Jahr (eigene Überschlagsrechnung) eingenommen werden.

Das Ende der Billig-Ära aus Fernost kommt also nicht mit einem großen Knall, sondern in drei Schritten – aber es kommt.

Fazit: Teurer oder trotzdem billig?

Ob die drei Gründe tatsächlich dazu führen, dass Temu und Shein für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland spürbar teurer werden, bleibt offen. Denn die Plattformen sitzen nicht tatenlos da.

Statt sich zurückzuziehen, baut Temu europäische Fulfillment-Center auf und will bis zu 80 Prozent aller Bestellungen aus lokalen Lagern bedienen. Produkte, die aus EU-Lagern verschickt werden, fallen nicht unter die Nicht-EU-Import-Gebühr. Die neue Paketpauschale würde damit schlicht umgangen.

Analysten schätzen die Verluste von Temu auf bis zu 30 US-Dollar pro Bestellung – und dennoch wächst die Plattform weiter. Der finanzstarke Mutterkonzern PDD Holdings hatte Mitte 2024 eine Marktkapitalisierung von über 200 Milliarden Dollar. Mit diesem Rückenwind könnte Temu neue Abgaben schlicht aus der eigenen Kasse subventionieren, um Marktanteile zu verteidigen.

Chinesische Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress wuchsen 2025 mit 27,2 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland – deutlich schneller als der gesamte E-Commerce-Markt. Bereits jede 15. Onlinebestellung wird bei einer der großen asiatischen Plattformen gemacht.

Für Plattformen wie Temu und Shein sind die neuen Regeln zweischneidig: Einerseits müssen sie strengere Qualitätskontrollen einhalten und Zölle zahlen, was die Margen drückt. Andererseits versucht China, seine Plattformen mit neuen staatlichen Richtlinien fit für die internationalen Märkte zu machen.

Kurz gesagt: Die Politik hat die Regeln verändert. Ob Temu und Shein die Mehrkosten an ihre Kunden weitergeben oder sie als Preis für die weitere Expansion in Europa einfach selbst schlucken, werden die kommenden Monate zeigen. Eines ist sicher: Verschwinden werden die beiden Plattformen nicht.

Thomas Wolf
Artikel von

Thomas Wolf

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