Nervosität in Schaltzentrale? Charakterfrage für RB Leipzig
Nach dem Bayern-Trauma muss RB Leipzig ausgerechnet bei Real Madrid eine Antwort geben. Das Team von Trainer Martín Demichelis steht nach dem 1:6 gegen in München beim Champions-League-Gastspiel vor einer gewaltigen Charakterprüfung im Estadio Santiago Bernabéu. «Die Bosse in Salzburg in der Schaltzentrale sind schon ein bisschen nervös», meinte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Eine weitere Niederlage wäre in der Ligaphase in Europas Fußball-Königsklasse gegen die Star-Truppe von Trainer José Mourinho am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) für RB durchaus zu verkraften. Ein weiterer desaströser Auftritt ohne erkennbare Gegenwehr wohl kaum. Die Gesichter von Club-Chefin Tatjana Haenni und Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sprachen in München Bände. Die RB-Profis hätten sich «in keiner Phase des Spiels auch nur ansatzweise gewehrt», monierte Sport-Vorstand Marcel Schäfer. Und jetzt auch noch Real. In Madrids Fußball-Tempel hat RB noch nie gewonnen. 2022/2023 in der Gruppenphase gab es ein 0:2, zu Hause ein 3:2. Eine Saison später kam das Aus, als RB im Achtelfinale 0:1 daheim unterlag und ein achtbares 1:1 in Madrid holte. In Madrid kommt es diesmal zum Wiedersehen mit RB-Königstransfer Yan Diomande. Der für 125 Millionen Euro Ablöse verkaufte Ivorer kommt immer besser in Fahrt, erzielte beim 1:0 gegen FC Villarreal das Siegtor und traf auch beim 4:1 gegen den FC Sevilla. In der Startelf wird er gegen seinen Ex-Club aber womöglich nicht stehen. Denn der in der Liga gesperrte Vinicius Junior soll ins Team rücken. «Ich mache das ungern, aber ich tue es, weil es eine unvermeidliche Situation ist. Er spielt am Mittwoch von Anfang an, und die Champions ist eine Möglichkeit, ihn zu motivieren und zu verhindern, dass er trainiert, ohne zu spielen», sagte Mourinho. Aber vielleicht dürfen auch beide zusammen stürmen. Für Diomande sieht Mourinho in jedem Fall weiter Lernbedarf. «Er ist jung, naiv und ein unfertiges Produkt.» Die hohe Ablöse sei auch ein Rucksack. «Anstatt mit der Nummer 25 auf dem Rücken zu spielen, spielt er mit der 125, die für ihn bezahlt wurde», sagte Mourinho. Egal, wer spielt: Wie will Leipzigs Abwehr das königliche Tempo um Vinicius Junior und Kylian Mbappé verteidigen? Der von Demichelis in die Startelf beorderte Außenverteidiger Lukas Klostermann war gegen die Bayern völlig überfordert. Nationalspieler David Raum leistete sich auf der linken Seite ebenfalls reihenweise Patzer. Und der von Demichelis geholte Maxime Estève zündet bislang nicht. Ridle Baku dürfte für Klostermann wieder in die Startelf rücken. Auch der zuletzt von Demichelis oft gelobte Romulo wäre ein Kandidat. Viel Hoffnung setzt RB auf das Comeback von Christoph Baumgartner. Der österreichische Nationalspieler absolvierte beim Abschlusstraining in Leipzig bei winterlichen 4 Grad Celsius das volle Programm. Der 27 Jahre alte Offensivspieler hatte sich Anfang Juni bei der Nationalmannschaft eine Verletzung der Muskulatur im rechten Oberschenkel zugezogen, was auch das WM-Aus bedeutete. In der vergangenen Saison galt Baumgartner als Taktgeber und Stabilitätsfaktor bei RB. Er war in der Liga der fünftbeste Scorer und mit 13 Toren und 10 Assists statistisch noch besser als der nach Madrid gewechselte Diomande. Nun könnte er dem gebeutelten Team von Demichelis Stabilität verleihen. Die sechs Gegentore vom Wochenende in München müssen in Leipzig Sorgen bereiten, zumal das Team in der Bundesliga auswärts ohne Punkt ist. Auswärts in der Königsklasse beim 1:4 in Como präsentierte sich RB auch desaströs. «Aber es bringt nichts, sich jetzt selbst zu zerreißen. Wir müssen daraus lernen und weitermachen», sagte Mittelfeldspieler Nicolas Seiwald. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenMourinho zu Diomande: «Unfertiges Produkt»
Sorgen in der Abwehr
Baumgartner besser als Diomande
Seiwald: Nicht selbst zerreißen