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Ex-Innenminister Eggert: Es ist immer noch eine Freundschaft

Samuel Meffire, Protagonist (v.l.n.r.), Heinz Eggert, ehemaliger sächsischer Staatsminister für Innern und die Schauspieler Martin Brambach und Malick Bauer auf der Deutschlandpremiere der Serie «Sam, ein Sachse» im Kino International. / Foto: Hannes P. Albert/dpa/Archivbild
Samuel Meffire, Protagonist (v.l.n.r.), Heinz Eggert, ehemaliger sächsischer Staatsminister für Innern und die Schauspieler Martin Brambach und Malick Bauer auf der Deutschlandpremiere der Serie «Sam, ein Sachse» im Kino International. / Foto: Hannes P. Albert/dpa/Archivbild

Als Sachsens erster schwarzer Ordnungshüter warb Sam Meffire einst für Toleranz an der Seite des damaligen Innenministers. Als der Vorzeigepolizist kriminell wird, zerbricht die ungewöhnliche Freundschaft - nach Jahrzehnten treffen sie sich wieder.

Die Lebensbeichte des einst ersten schwarzen Vorzeige-Polizisten Sachsens und deren Verfilmung haben Sam Meffire und den damaligen Innenminister Heinz Eggert nach 30 Jahren wieder zusammengeführt. «Vor einem Monat habe ich ihn das erste Mal wieder gesehen, in Dresden», sagte der 75-Jährige nach der Weltpremiere der deutschen Serie «Sam - Ein Sachse» des Streamingdienstes Disney+ in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben über all das gesprochen, was passiert ist.» Die Serie erzählt von Meffires Aufstieg nach der Wende, dessen Absturz in die Kriminalität und Weg hinaus.

Wenn man jemanden immer auf die Fehler der Vergangenheit festlege, «kann man ja auch schuldig werden, weil man ihm keine Chance mehr zur Veränderung gibt», begründete Eggert seine Offenheit. Meffire habe diese schon vor Jahren ergriffen - und «diesen Schwenk hinbekommen».

Nach den schweren rassistischen Ausschreitungen gegen ein Asylbewerberheim in Hoyerswerda 1991 und rechten Umtrieben in Sachsen habe er die Chance gesehen, «ihn auch in meiner Nähe zu zeigen und den Leuten klar zu machen, er ist einer von uns», sagte Eggert. Es sei interessant gewesen, dass sich Sam, früher Streetworker, ausgerechnet mit Jugendlichen, die in der rechten Szene waren, auseinandergesetzt habe. «Das ging auch sehr gut, weil die ihn als Autorität akzeptiert haben.»

Als Sam Meffire ankündigte, bei der Polizei aufzuhören und «mit Felix» zusammenzuarbeiten, war der Theologe und CDU-Politiker entsetzt. «Das war der berühmte Zuhälter und Drogendealer in Dresden», habe er zu ihm gesagt, und: «Das bedeutet ja, dass du die Seiten wechselst, der Felix ist ein Verbrecher.» Und dann habe Meffire den Satz gesagt, auf dem Eggert glaubt, dass darauf auch die Serie beruht: «Ja, aber Felix ist schwarz, das is mein Bruder.» Er habe erwidert: «Das tut mir leid, aber dann bist du für mich ein Rassist.»

Meffire wurde kriminell. Eggert fand es «sehr abscheulich», dass er bei einem Überfall ein Rentnerehepaar zusammenschlug - da war eine Grenze überschritten, er brach den Kontakt ab. Die Enttäuschung darüber «saß bei mir doch ziemlich tief». In der rechten Szene sei Meffires Absturz gefeiert worden nach dem Motto: da sieht man, was das für Leute sind, die Schwarzen. Er habe damals nicht nur sich geschadet, «sondern eigentlich auch der Gesellschaft».

Eggerts Interesse an Meffire wurde erst wieder geweckt mit dem Film, der ab dem 26. April gestreamt werden kann. «Wir sind in Verbindung, es ist eigentlich immer noch eine Freundschaft.» Meffire habe auf der Bühne für seinen Geschmack etwas zu dramatisch bekannt: «Ich verdanke diesem viel gescholtenen weißen alten Mann mein Leben», erzählte er, nicht ganz ohne Stolz. Er glaubt, dass er für Meffire damals Beschützer und Vaterfigur war. «Wenn ich damals noch Pfarrer gewesen wäre, hätte ich mehr für ihn tun können; als Minister ging das einfach nicht.» Über die Rückkehr von Meffire auf den Weg der Tugend freut sich Eggert, er setze sich seit Jahren mit gefährdeten Menschen auseinander und helfe ihnen. «Er hat eine Mission gefunden, die ihm liegt.»

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