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Stromkostenbremse Marke Eigenbau: Warum sich private Solaranlagen in Sachsen jetzt lohnen

Ein Balkonkraftwerk senkt den Strombezug aus dem Netz und erhöht die Unabhängigkeit vom Energieversorger. / Foto: Yuma Solar auf Unsplash.com
Ein Balkonkraftwerk senkt den Strombezug aus dem Netz und erhöht die Unabhängigkeit vom Energieversorger. / Foto: Yuma Solar auf Unsplash.com

Steigende Strompreise belasten sächsische Haushalte. Ein Blick darauf, wie leistungsstarke Stecker-Solaranlagen mit Speicher die Fixkosten effektiv senken.

Der Blick auf die letzte Jahresabrechnung des Stromversorgers sorgt bei vielen Mietern und Eigenheimbesitzern in Sachsen für Ernüchterung. Trotz leichter Entspannung an den Börsen bleiben die Endverbraucherpreise auf einem hohen Niveau. Netzgebühren und Abgaben verhindern eine spürbare Entlastung. Diese Situation führt zu einem Umdenken: Strom wird nicht mehr nur als gegeben hingenommen, sondern zunehmend selbst produziert. Die Hürden dafür sind so niedrig wie nie zuvor, doch die Technik entwickelt sich rasant weiter. Während vor zwei Jahren noch einfache Paneele am Geländer hingen, dominieren heute intelligente Systeme mit Speicher den Markt. In diesem Artikel soll diese Entwicklung näher betrachtet werden.

Unabhängigkeit vom Energieversorger gewinnt an Bedeutung

Der Wunsch nach Autarkie treibt die Nachfrage an. Es geht nicht mehr primär um den ökologischen Fußabdruck, sondern um wirtschaftliche Notwendigkeit. Ein eigenes Kraftwerk am Balkon oder auf dem Garagendach reduziert den Strombezug aus dem Netz genau dann, wenn Haushaltsgeräte laufen. Doch hier liegt ein technisches Detail begraben, das oft übersehen wird: Die Nennleistung der Solarmodule.

Viele Einsteiger-Sets sind so konzipiert, dass sie bei optimalem Sonnenschein funktionieren. Sachsen ist jedoch nicht Kalifornien. Um auch bei diffusem Licht, Bewölkung oder im Winterhalbjahr nennenswerte Strommengen zu produzieren, braucht es mehr Modulfläche. Wer auch bei weniger Sonnenschein hohe Erträge erzielen möchte, sollte ein 2000 Watt Balkonkraftwerk nutzen, um dank leistungsstärkerer Module und Speicher auch an bewölkten Tagen den Eigenbedarf effizient zu decken. Diese Überdimensionierung der Module bei gleichzeitiger Begrenzung der Einspeisung (wie gesetzlich vorgeschrieben) sorgt dafür, dass die Anlage früher am Tag anspringt und abends länger liefert.

Leistungsreserven bei Bewölkung und Schwachlicht

Das physikalische Prinzip ist simpel, aber effektiv: Ein Solarmodul liefert selten seine maximale Spitzenleistung. Ein 400-Watt-Modul erreicht diesen Wert nur im Labor oder an einem perfekten Sommertag mittags um zwölf Uhr. Hängt der Himmel voller Wolken, bricht die Leistung bei Standard-Anlagen drastisch ein. Hier spielen Systeme mit einer Eingangsleistung von bis zu 2000 Watt ihre Stärken aus.

Auch wenn der Wechselrichter gesetzeskonform nur 800 Watt in das Hausnetz einspeist, ist die hohe Modulleistung entscheidend. Bei bedecktem Himmel liefern vier Module à 500 Watt (gesamt 2000 Watt) noch immer genug Energie, um den Grundbedarf eines Haushalts – Kühlschrank, Router, Standby-Geräte – zu decken. Eine kleinere Anlage würde unter denselben Bedingungen kaum noch messbaren Strom liefern. Man erkauft sich mit der höheren Wattleistung also vor allem eines: Versorgungssicherheit bei schlechtem Wetter.

Der Speicher als wirtschaftlicher Hebel

Ein weiterer Aspekt hat die Rentabilitätsrechnung grundlegend verschoben: Die Verfügbarkeit von bezahlbaren Batteriespeichern. Früher floss der wertvolle Solarstrom zur Mittagszeit ungenutzt ins öffentliche Netz, weil die Bewohner bei der Arbeit waren. Für die Einspeisung gibt es bei Stecker-Geräten keine Vergütung – ein Geschenk an den Netzbetreiber.

Moderne Systeme mit Speicher fangen diesen Überschuss auf. Die tagsüber von den leistungsstarken Modulen geerntete Energie wird in den Abendstunden abgegeben, wenn der Fernseher läuft, gekocht wird oder die Beleuchtung eingeschaltet ist. Das erhöht den Eigenverbrauchsanteil massiv. Statt nur 30 bis 40 Prozent des eigenen Stroms zu nutzen, sind mit einem Speicher Quoten von über 80 Prozent realistisch. Das System amortisiert sich dadurch schneller, da jede selbst genutzte Kilowattstunde den Zukauf von teurem Netzstroms erspart.

Vereinfachte Bürokratie für Mieter und Eigentümer

Lange Zeit bremste die deutsche Bürokratie den Ausbau. Meldepflichten beim Netzbetreiber, Zählertausch und die Zustimmungspflicht des Vermieters schreckten Interessenten ab. Mit dem Solarpaket I hat der Gesetzgeber hier kräftig aufgeräumt. Die Anmeldung erfolgt nun simpel über das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur.

Besonders für Mieter hat sich die Rechtslage verbessert. Die Stromerzeugung auf dem Balkon wurde in den Katalog der privilegierten Maßnahmen aufgenommen. Das bedeutet, Vermieter und Wohneigentumsgemeinschaften können die Installation nicht mehr ohne triftigen Grund verbieten. Zwar bleiben Fragen zur Optik oder zur fachgerechten Befestigung bestehen, das grundsätzliche "Ob" ist jedoch geklärt. Dies öffnet den Markt für Millionen von Stadtwohnungen in Dresden, Leipzig und Chemnitz, die bislang außen vor waren.

Amortisation

Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit lässt sich heute präziser beantworten als noch vor wenigen Jahren. Die Preise für Solarmodule und Speicher sind durch globale Überkapazitäten in der Produktion stark gesunken. Ein Komplettsystem mit Speicher kostet heute oft weniger als ein einfaches System ohne Batterie vor drei Jahren.

Legt man einen durchschnittlichen Strompreis von 35 bis 40 Cent pro Kilowattstunde zugrunde, spart ein Haushalt mit einer leistungsfähigen Anlage und Speicher jährlich mehrere hundert Euro. Je nach Standort und Nutzungsverhalten hat sich die Investition oft nach drei bis fünf Jahren bezahlt gemacht. Da die Lebensdauer der Module auf 20 bis 25 Jahre ausgelegt ist, erwirtschaftet die Anlage den Großteil ihrer Laufzeit reinen Gewinn. Es handelt sich somit um eine der wenigen Investitionen im Haushalt, die inflationsgeschützt Rendite abwirft.

Ein Baustein der regionalen Energiewende

Der Wandel hin zu dezentralen Lösungen stellt im Energiesektor keinen Bruch dar, sondern eine Evolution. Wenn Tausende Haushalte ihren Grundbedarf selbst decken, entlastet dies mittelfristig auch die Verteilnetze. Die Energie wird dort verbraucht, wo sie entsteht. Transportverluste entfallen.

Das Balkonkraftwerk ist sicher kein Allheilmittel für die großen energiepolitischen Fragen der Industrie. Für den privaten Verbraucher ist es jedoch das wirksamste Werkzeug, um die eigene Stromrechnung aktiv zu gestalten und sich ein Stück weit von Preisschwankungen am Weltmarkt abzukoppeln. Wer dabei auf leistungsfähige Komponenten setzt, stellt sicher, dass die Rechnung auch an trüben Novembertagen aufgeht.

● Lesen Sie auch: Sachsen-CDU will Solaranlagen im Wald verbieten.

Text: Hannes Graubohm