Noch einmal ist Frank Männig zum Jahresauftakt neben der Schinkelwache am Theaterplatz hinabgestiegen – und steht in Dresdens ältestem noch in Betrieb befindlichen Kanal. Mit seinem Sandsteingewölbe sieht die knapp zwei Meter hohe Sandsteinröhre wie ein alter Burggang aus. „Schließlich hat sie auch sehr viel mit dem Dresdner Residenzschloss zu tun“, erklärt der 65-jährige Abwasserexperte. Über 20 Jahre hat er als Kanalnetzchef den Ausbau zum modernen System erheblich mit vorangetrieben, aber sich auch mit der Geschichte befasst.
Bei seinen Forschungen hat Männig herausgefunden, dass dieser Kanal vor der Schinkelwache aus der Renaissance stammen muss und das benachbarte Kanalnetz unterm Theaterplatz aus dem Barock. Von diesem Teil der Unterwelt war auch der langjährige Chef der Sächsischen Staatskapelle, Christian Thielemann, fasziniert. Anfang 2024 erfuhr er aus einem Bericht der Sächsischen Zeitung, dass die Stadtentwässerung Dresdens ältesten Kanal entdeckt hat, der vor knapp 500 Jahren gebaut wurde. Den wollte Thielemann erkunden, was er auch kurz vor seinem Abschied von Dresden im Juli 2024 während einer besonderen Tour tat. „Das war ein Wahnsinnserlebnis“, zeigte sich Thielmann damals begeistert. „Es hat mich besonders fasziniert, dass hier eine Unterwelt existiert, die man auf dem Platz vor der Schinkelwache darunter gar nicht vermutet.“