«Es war gespenstisch und ich bin zehntausende Tode gestorben». So schildert die Musikerin Carolin Widmann ihr Erlebnis bei einem Flug von Helsinki nach Leipzig. Am Check-in-Schalter der Lufthansa wird ihr nicht erlaubt, ihre 244 Jahre alte Geige samt Geigenkasten und Bögen als Handgepäck in den Flieger mitzunehmen. Sie packt das wertvolle Instrument von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1782 aus und hegt es auf dem Flug wie ein Baby auf ihrem Schoß.
Die Geige gehört ihr nicht, wird ihr von einer Londoner Stiftung zur Verfügung gestellt. «Die Versicherung verlangt von mir, dass ich die Geige niemals aus den Augen oder gar in fremde Hände überlasse. Schon gar nicht, dass sie wie herkömmliche Koffer in den Gepäckraum eines Fliegers geworfen wird», erläutert Widmann. Der Marktwert liegt ihren Angaben zufolge bei zwei Millionen Euro, als Kulturschatz sei sie jedoch unbezahlbar.
Musikerin: Einige Male gab auch der Pilot seine Zustimmung
Hunderte Male sei sie auf ihren unzähligen Konzertreisen mit dem Geigenkasten als Handgepäck geflogen. «Es gab zwar ab und zu Diskussionen am Schalter und einige Male hat dann auch der Flugkapitän sein O.K. gegeben. Aber dieses eine Mal hat es nicht geklappt.»
Offener Brief an Lufthansa-Chef brachte Erfolg
Nach dem Flug beschwert sie sich, bekommt aber nur eine unzureichende Antwort. Sie schildert ihr Problem in den sozialen Medien und schreibt schließlich einen offenen Brief an Carsten Spohr, den Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa. «Ich erhielt dann einen Anruf von einer sehr verständnisvollen Managerin der Lufthansa. Sie sagte, dass das Problem bisher nicht so bewusst war und sie dankbar für den Hinweis sei», so Widmann. Und sie hat Erfolg.