Großes Wanderfest: Erzgebirge lockt Wanderer aus ganz Europa
Das Erzgebirge wird in den nächsten Tagen Ziel für Tausende Wanderer aus Deutschland und Europa. Beim europäischen Wanderfest Eurorando stehen nächste Woche rund 50 Touren auf sächsischer und tschechischer Seite auf dem Programm, die die Teilnehmer auf eigene Faust oder mit einem Führer wandern können. Die Eurorando wird alle fünf Jahre ausgerichtet - nun erstmals grenzüberschreitend. Parallel dazu startet in Oberwiesenthal am Donnerstag (24. September) der Deutsche Wandertag, zu dem viele weitere Wanderfans in das Erzgebirge strömen werden. «Wandern ist in der Region sehr präsent und hat an Bedeutung gewonnen», sagt die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge, Ines Hanisch-Lupaschko. Die Wanderer kämen nicht nur hierher, um die Natur zu genießen. Sie schätzten auch die enge Verknüpfung mit anderen Freizeit- und Kulturangeboten. Ein Alleinstellungsmerkmal sei dabei die Bergbaugeschichte, die hier mit vielen lebendigen Traditionen verknüpft sei. Dazu gehören etwa die Bergparaden und das erzgebirgische Kunsthandwerk, aber auch zahlreiche Besucherbergwerke. Seit 2019 ist die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt. Dazu locken zahlreiche Zeugnisse der jahrhundertelangen Bergbaugeschichte: von alten Hammer- und Pochwerken über Hüttenkomplexe und ehemalige Förderanlagen bis hin zu eindrucksvollen Bergkirchen und historischen Altstädten. Zu dem Wanderfest wird zugleich ein neues Angebot gestartet, das sich an sportlich orientierte Wanderer richtet. Nach dem Stoneman Miriquidi, bei dem Mountainbiker auf einer gut 160 Kilometer langen Strecke neun Gipfel an drei, zwei oder nur einem Tag bezwingen, fällt am 22. September der Startschuss für den Ableger «Hike + Trailrun». Nach demselben Prinzip kann dann eine Tour von 62 oder 86 Kilometern gewandert oder gelaufen werden. Sie reicht vom Fichtelberg im Osten bis nach Johanngeorgenstadt im Westen und durchquert dabei auf tschechischer Seite das Torfmoor in Gottesgab und das wilde Rolava-Tal. Die Strecke verbinde sportliche Herausforderung mit intensiven Naturerlebnissen, erläutert Projektleiter Ronny Schwarz. Die Premiere wird zusammen mit einem «Hike-Testival» im Sportpark Rabenberg gefeiert. Dabei können Interessierte verschiedene Angebote rund um das Wandern kennenlernen und ausprobieren. Wer zu den ersten auf der neuen Stoneman-Strecke gehören will, hat dazu beim «Premieren-Walk» die Möglichkeit. Der startet am Morgen am 1.043 Meter hohen Plattenberg (Blatenský vrch) in Tschechien und führt über gut 13 Kilometer bis nach Rabenberg zur offiziellen Eröffnungsfeier. Wandern ist bei vielen Menschen in Deutschland als Freizeitaktivität beliebt. Befragungen zufolge wandern zwei von drei Deutschen ab 16 Jahren regelmäßig, wie Bernd Hartmann, Geschäftsführer des Deutschen Wanderverbandes mit Sitz in Kassel sagt. Die Bandbreite sei groß: Während die einen Ruhe in der Natur suchten oder sich auf eine spirituelle Pilgertour begäben, gehe es anderen um die sportliche Herausforderung beim Trailrunning oder einem Wandermarathon. Bundesweit gibt es den Angaben zufolge ein Wanderwegenetz von etwa 300.000 Kilometern Länge, das überwiegend durch ehrenamtliches Engagement gepflegt wird. Eine ganze Reihe davon sind als Qualitätswege zertifiziert. Dazu gehören etwa der Panoramaweg im Altmühltal, der Druidensteig im Westerwald und der Harzer Hexen Stieg, aber auch der Oberlausitzer Bergweg und der Kammweg Erzgebirge-Vogtland. Das Wanderfest Eurorando wird vom Europäischen Wanderverband organisiert. Die Premiere war 2001 in Frankreich, zuletzt war Rumänien Gastgeber. In Deutschland findet es zum ersten Mal statt. Das Treffen soll helfen, den natürlichen und kulturellen Reichtum Europas zu fördern und Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenbringen. Neben den Wanderungen stehen Ausstellungen, Führungen und Konzerte auf dem Programm. Und eine öffentliche Pflanzaktion, bei der 2.500 Bäume - vorrangig Weißtannen - in die Erde gebraucht werden sollen. Ziel sei es, den Umbau des Waldes zu unterstützen, damit er robuster gegen Klimaveränderungen werde, heißt es. Zugleich sind alle Wanderer aufgerufen, Steine aus ihren Heimatregionen mitzubringen. Daraus wird an der ehemaligen Zollstation zwischen Boží Dar (Gottesgab) und Oberwiesenthal ein «Steinernes Herz Europas» entstehen als bleibendes Zeichen der europäischen Verbundenheit. Im Anschluss an die Enthüllung am 26. September ist ein Festumzug nach Oberwiesenthal geplant. Der überregional bekannte Wintersport- und Erholungsort am Fuße des Fichtelbergs ist die höchstgelegene Stadt Deutschlands. Dort erwartet die Besucher zum Finale nicht nur eine traditionelle Bergparade, sondern auch ein Musikprogramm, eine Feuershow und eine vierstündige Mondscheinfahrt mit der Fichtelbergbahn. Die Eurorando und der Deutsche Wandertag seien eine gute Gelegenheit, Menschen zu erreichen, die das Erzgebirge bisher nicht kennen, erklärt Hanisch-Lupaschko. Sie baue darauf, dass die Teilnehmer danach wiederkämen und die Region bei Gleichgesinnten weiterempfehlten. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenStartschuss für neue Trailrunning-Strecke
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