Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Dresden News

Kosten-Streit in Dresden: Experten empfehlen Spur-Reduzierung bei neuer Carolabücke

Weiter Blick über die Elbe auf die historische Silhouette Dresdens mit der Frauenkirche. Im Vordergrund fließt der Fluss an der Stelle der ehemaligen Carolabrücke. Links liegen Schiffe am Ufer, rechts erstrecken sich grüne Wiesen unter einem bewölkten Himmel.
Standort der Carolabrücke: Beim geplanten Wiederaufbau drohen die Entwürfe das Budget der Stadt Dresden zu sprengen. Das Expertengremium um Prof. Steffen Marx mahnt zur Versachlichung und schlägt weniger Fahrspuren vor, um Millionen zu sparen. Foto: CdH
Von: Dresden News
Drei von vier Entwürfen kratzen am finanziellen Limit. Das Expertengremium um TU-Professor Steffen Marx warnt vor einer bösen Überraschung und fordert jetzt ein sofortiges Umdenken.

Dresden. Rund einen Monat nach der entscheidenden Jurysitzung am 5. Juni 2026, bei der die vier eingereichten Entwürfe für den Wiederaufbau bewertet wurden, zieht das zuständige Expertengremium eine gemischte Bilanz. Die zeitgleich veröffentlichten Kostenschätzungen der beteiligten Planungsbüros stießen in der Dresdner Öffentlichkeit auf heftige Diskussionen. Das Gremium um den Institutsdirektor für Massivbau der TU Dresden, Prof. Dr.-Ing. Steffen Marx, bemüht sich nun in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Dirk Hilbert und die Stadtratsfraktionen um eine Versachlichung der Debatte.

Die Fachleute stellen klar, dass die vorliegenden Zahlen der Planerteams aufgrund unterschiedlicher Methoden und geringer Planungstiefe kaum direkt miteinander vergleichbar sind. Da sich das Projekt derzeit in der sogenannten Vorplanung befindet, ist eine Abweichung von den tatsächlichen Kosten von rund 30 Prozent völlig normal. Jedes Team habe den daraus resultierenden, recht großen Toleranzkorridor individuell anders ausgeschöpft.

Mehr aus dieser Kategorie

Drei von vier Entwürfen am finanziellen Limit

Mithilfe von standardisierten Kostenkennwerten ist es den Brückenbauingenieuren dennoch gelungen, die Entwürfe vergleichbar zu machen. Das Ergebnis zeigt deutliche Unterschiede: Während der Entwurf von GRASSL GmbH/gmp Architekten rechnerisch bei etwa 5.500 Euro pro Quadratmeter Brückenfläche liegt, bewegen sich die Entwürfe der Teams um FHECOR und Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) bei 8.000 bis 8.500 Euro. Die Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft bildet mit rund 6.500 Euro das Mittelfeld.

Das Expertengremium kommt zu dem Schluss, dass die Entwürfe von LAP, FHECOR und GRASSL trotz unterschiedlicher Angaben im Kern ähnlich aufwendig sind. Grund für die optisch niedrigen Zahlen bei GRASSL seien extrem niedrig angesetzte Kosten in Nebengewerken wie dem Gleisbau. Letztlich werden alle drei Entwürfe die von der Stadt Dresden vorgegebene Preisobergrenze nahezu vollständig ausschöpfen. Lediglich die einfachere Bauweise von Schüßler-Plan verspricht eine spürbare Ersparnis von etwa 15 bis 20 Millionen Euro.

Weniger Fahrspuren als finanzielle Rettung?

Das Gremium warnt eindringlich vor der Gefahr, dass zukünftige Preissteigerungen durch die Inflation und die fortschreitende Detailplanung das Budget sprengen könnten. Zudem binde eine größere Brückenfläche die Stadt über Jahrzehnte hinweg an linear steigende Instandhaltungskosten.

Um diesen finanziellen Risiken proaktiv zu begegnen, schlagen die Experten eine konkrete planerische Änderung vor: Eine Reduzierung der Fahrspuren könnte die Baukosten sofort um etwa 25 bis 30 Millionen Euro senken. Gleichzeitig würden damit auch die langfristigen Unterhaltungskosten für die Landeshauptstadt sinken. Nach Einschätzung der Fachleute ist diese Reduzierung bei allen vier eingereichten Entwürfen problemlos möglich, ohne dass die architektonischen Grundkonzepte dafür grundlegend verändert werden müssten.

Dresden News
Artikel von

Dresden News

Dresden News ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.