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Neue Carolabrücke Dresden: Experten-Jury hat klaren Favoriten

Eine helle Architektur-Visualisierung der neuen Carolabrücke in Dresden von der Neustädter Elbseite aus gesehen. Im Vordergrund sitzen Menschen auf einer grünen Wiese voller Wildblumen. Unter der schlanken, modernen Betonkonstruktion der Brücke befindet sich ein Freizeitbereich mit Stufen und einem
So schön soll Dresdens neue Carolabrücke werden: Der erstplatzierte Entwurf von LAP und Knight Architects verwandelt die Neustädter Unterseite in eine grüne Oase zum Entspannen – inklusive des neuen Treffpunkts „Carola“. Visualisierung: Planergemeinschaft LAP / Knight Architects
Von: Cornelius de Haas
Vier Entwürfe, ein einstimmiges Votum - und eine deutliche Warnung. Das Fachgremium hat seinen Favoriten für die neue Carolabrücke in Dresden benannt, mahnt aber bei den Kosten zur Vorsicht. Das letzte Wort hat im September der Stadtrat.

Dresden. Für den Ersatzneubau der Dresdner Carolabrücke hat ein Expertengremium den Entwurf der Planergemeinschaft Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) mit Knight Architects auf den ersten Platz gesetzt, wie der Vorsitzende Steffen Marx von der TU Dresden am Mittwoch im Bauausschuss vorstellte. Das Gremium aus Architekten und Bauingenieuren mehrerer Hochschulen und Institutionen verständigte sich einstimmig auf eine Reihenfolge der vier eingereichten Arbeiten, die bis zum 26. Mai vorlagen.

Die empfohlene Rangfolge lautet:

  1. LAP und Knight Architects
  2. ARGE FHECOR und TSSB
  3. Schüßler-Plan und DKFS
  4. Ingenieurbüro GRASSL und gmp Architekten

Grundlage war eine Vorprüfung durch ein externes Ingenieurbüro, die Fachämter der Stadt sowie die Partner der Auftraggebergemeinschaft, die Dresdner Verkehrsbetriebe und die SachsenEnergie. Alle vier Entwürfe erfüllten die Anforderungen der Ausschreibung und seien risikoarm umsetzbar, hielt das Gremium fest; auch der geforderte maximale Ausnutzungsgrad der Belastbarkeit von 80 Prozent werde eingehalten oder sei mit kleinen Korrekturen erreichbar. Bewertet wurden unter anderem Städtebau, Denkmalschutz, Verkehr, Tragwerk, Bauzeit, Kosten und Genehmigungsfähigkeit.

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Warum LAP vorn liegt

Den Siegerentwurf bewertete das Gremium dennoch klar als besten. Die schlanke, transparente Konstruktion füge sich zurückhaltend in die Altstadt ein und setze zugleich eigene Akzente; die gitterförmig aufgelösten Voutenbereiche verliehen der Brücke eine eigenständige Identität als „die neue Dresdner Carolabrücke". Durch die Auflösung der breiten Pfeilerachsen in jeweils drei Einzelstützen entstehe Transparenz unter der Brücke, die wichtigen Blickbeziehungen von den Elbauen blieben nicht nur erhalten, sondern würden verbessert. Auch die Konflikte querender Radwege seien gelöst, der Entwurf bleibe im Budget. Marx nannte die von der Stadt gewählte Mehrfachbeauftragung einen „gelungenen Weg", der eine frühe Bürgerbeteiligung ermögliche.

Die übrigen drei Entwürfe

Den zweitplatzierten Entwurf von FHECOR und TSSB lobte das Gremium für seine Bogenreihe, die die Tradition der Dresdner Elbbrücken in eine moderne Form übersetze. Allerdings sei die Gestaltung etwas zu dominant und trete in Konkurrenz zum historischen Stadtbild; auch das Tragwerkskonzept als Sprengwerk sei für die Stützweiten nicht ganz stimmig.

Der Entwurf von Schüßler-Plan und DKFS orientiere sich am stärksten am Vorgängerbau der 1970er Jahre und bleibe dadurch im damaligen Moderne-Konzept verhaftet. Er zeige zu wenig städtischen Charakter und füge sich typologisch nicht in das Zentrum ein; die drei festen, aufgefächerten Brückenzüge erlaubten zudem nur bedingt eine Weiterentwicklung des Verkehrskonzepts. Zugleich sei er die wirtschaftlichste Lösung mit einem instandhaltungsarmen Tragwerk.

Auf dem vierten Platz sieht das Gremium die Arbeit von GRASSL und gmp. Ihr Tragwerk ähnele dem Zweitplatzierten, sei gestalterisch aber weniger gelungen: Die übergroßen Pfeiler mit Aussichtsbastionen reduzierten die Sichtbeziehungen von den Elbufern auf die Stadt stark und wirkten wie eine nahezu durchgehende Mauer. Technisch sei die Brücke gut durchdacht, städtebaulich jedoch nicht überzeugend.

Warnung vor steigenden Kosten

Deutlich fiel der Hinweis zu den Finanzen aus. Alle Entwürfe bewegten sich bereits jetzt nahe der Kostenobergrenze; durch Inflation und die weitere Detailplanung drohten höhere tatsächliche Kosten, so das Gremium. Ein scheinbar deutlich günstigerer Entwurf beruhe auf unrealistisch niedrig angesetzten Einheitspreisen. Hinzu kämen über Jahrzehnte hohe Unterhaltskosten, die nahezu linear von der Brückenfläche abhingen. Die Fachleute empfahlen deshalb, die Brücke schmaler zu bauen - das senke Bau- und Unterhaltskosten erheblich, ohne die Entwürfe grundsätzlich zu verändern. Die nötige Leistungsfähigkeit lasse sich auch über die Umgestaltung der angrenzenden Kreuzungen erreichen.

Entscheidung erst im Herbst

Bindend ist die Empfehlung nicht. Sie dient dem Begleitgremium zum Wiederaufbau und dem Stadtrat neben dem Ergebnis des Bürgervotums als fachliche Orientierung. Über die Weiterbeauftragung eines Planungsteams entscheidet der Stadtrat am 3. September 2026. Teile der Carolabrücke waren am 11. September 2024 eingestürzt; seither fehlt im Zentrum eine wichtige Elbquerung für Straßenbahn, Rad- und Fußverkehr.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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