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Carolabrücke unter 100 Millionen? Dresden prüft vier Neubau-Konzepte

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Baubürgermeister Stephan Kühn während eines Pressegesprächs vor Mikrofonen zum Neubau der Carolabrücke.
Wegweisende Entscheidung: Baubürgermeister Stephan Kühn (rechts) und Oberbürgermeister Dirk Hilbert informieren über die Präsentationen der vier Entwürfe für den Neubau der Carolabrücke. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Vier Entwürfe, ein deutlicher Preisunterschied: Eine Arbeit unterbietet sogar die Marke von 100 Millionen Euro. Ob die Kalkulation trägt, soll nun die Prüfung zeigen.

Dresden. Eine neue Carolabrücke für unter 100 Millionen Euro – ein Planungsbüro hält das für machbar und bleibt damit deutlich unter dem gesetzten Rahmen von 142 Millionen Euro. Welcher der vier Entwürfe der günstigste ist, verriet Baubürgermeister Stephan Kühn am Dienstag bei einem Pressegespräch allerdings nicht. Sicher ist nur: Zwei der vier Arbeiten lägen um einen zweistelligen Millionenbetrag unter dem Budget, sagte Kühn, nachdem die Büros ihre Konzepte erstmals dem Begleitgremium vorgestellt hatten. Ob die Schätzungen tragfähig seien, müsse aber erst die fachliche Vorprüfung zeigen.

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Vier Handschriften, ein gemeinsames Motiv

So unterschiedlich die Entwürfe ausfallen, eines eint sie: Alle vier Büros greifen die Bogenform auf. Die Arbeitsgemeinschaft FHECOR und TSSB nennt ihren Vorschlag „Carolabrücke 3.0“ und knüpft an die Bögen der ersten Brücke an. Das Büro Grassl übersetzt deren sechs Bogenebenen in eine semi-integrale Konstruktion und plant offene „Brückenaugen“ über den Pfeilern sowie „Stadtbalkone“ als Aussichtsplätze. Schüßler-Plan und DKFS setzen auf ein Bauwerk aus Spannbeton und Stahl mit einer „Carola-Promenade“ und einem „Elbbalkon“. Leonhardt, Andrä und Partner mit Knight Architects sehen einen der Altstadt zugewandten Promenadenweg vor, der erstmals die Elbufer beider Seiten direkt verbinden soll.

Dass alle auf flache Bögen statt auf hohe Konstruktionen setzen, hat einen sachlichen Grund: Der Denkmalschutz verlangt eine schlanke Bauweise, die den Blick von der Brühlschen Terrasse über die Elbe freihält. Zugleich lässt die Elbschifffahrt am Standort nur einen einzigen Strompfeiler zu. Bei den Materialien reiche die Bandbreite von Stahl und Beton bis zu Sandsteinverkleidungen, erläuterte Kühn. Einige Büros hätten sich zudem Gedanken gemacht, wie sich die Pferdeköpfe auf der Altstädter Seite künftig in Szene setzen ließen.

Vier Spuren - und Platz für die Bahn von morgen

Weil all diese Funktionen Platz brauchen, hatten manche eine ausufernde Brücke befürchtet - ein Bauwerk von über 40 Metern schien denkbar. Tatsächlich bleiben die Entwürfe nah am Vorgänger, der 33 Meter maß. Ein Entwurf falle sogar etwas schmaler aus, die übrigen lägen etwa gleich breit oder leicht darüber, erläuterte Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Wie breit ein Entwurf wird, hänge auch von der Zahl der Brückenzüge ab: Die Bandbreite reiche von einer einzügigen Variante bis zu einer dreizügigen, wie sie die alte Carolabrücke besaß. Hinzu kommen Unterschiede bei der Aufenthaltsqualität - mal ein breiter Boulevard als Fußweg, mal balkonartige Ausbuchtungen über der Elbe.

Dass der Radverkehr eine Rolle spielt, hat einen Hintergrund. Während die Zahl der Autos nach Angaben der Stadt von 46.800 pro Tag im Jahr 2009 auf 31.300 im Jahr 2022 sank, stieg der Radverkehr auf rund 4.150 Fahrten täglich - ein Plus von 270 Prozent gegenüber 2012. Regelkonforme Radwege fehlten auf der alten Brücke bislang; das soll der Neubau lösen. Der schmalste Entwurf falle daher schmaler aus als die heutige Brücke, der breiteste liege leicht darüber.

Beim Bauablauf setzten einige Teams auf eine frühe Teilfreigabe: Straßenbahn und Fernwärme könnten demnach bereits im Herbst 2029 wieder über die Elbe führen, die vollständige Inbetriebnahme sei für 2031 vorgesehen.

Vom Einsturz zum Wettbewerb

Vorausgegangen war der Teileinsturz der Brücke im September 2024. Dem folgte schließlich der Abriss des gesamten Bauwerks. Den Ersatzneubau beschloss der Stadtrat im Juni 2025 – und schlug einen ungewöhnlichen Weg ein: Statt eines einzelnen Auftrags wurden vier Büros parallel mit Entwürfen betraut. Aus zwölf Bewerbungen waren sie Ende 2025 ausgewählt worden.

So geht es weiter

Auf einen Favoriten wollten sich Kühn und Oberbürgermeister Dirk Hilbert nicht festlegen. Zunächst prüfen die Fachämter Standsicherheit, Kosten und Hochwasserschutz; am Freitag, 5. Juni, tagt das Gremium externer Fachleute, dessen Votum am 10. Juni im Bauausschuss vorgestellt wird. Öffentlich zu sehen sind die Entwürfe ab Sonnabend, 13. Juni, zum Tag des offenen Rathauses. Am 17. Juni folgt eine Bürgerveranstaltung mit Livestream. Bis 17. Juli läuft anschließend die Ausstellung in der AGORA des Stadtforums, montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr; parallel kann online über die Plattform carolaVOTE abgestimmt werden. Den Beschluss fasst der Stadtrat am 3. September.

Die Visualisierungen aller vier Entwürfe stehen unter dresden.de/carolabruecke bereit.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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