Holger Kalbe, Abteilungsleiter Brücken- und Ingenieurbauwerke bei der Stadt Dresden, äußerte die Vermutung, dass der Einsturz eines Teils der Carola-Brücke möglicherweise auf Korrosion zurückzuführen ist. Während der DDR-Zeiten sei es zu einem massiven Eintrag von Chloriden gekommen, erklärte Kalbe. An der Stelle, an der das Brückenteil einbrach, stand zuvor ein Mast der Verkehrsbetriebe. Es sei möglich, dass in diesem Bereich große Mengen Chloride eingedrungen seien und zu Korrosionen der Bewehrung im Inneren der Brücke geführt hätten. Die Carolabrücke, eine Spannbetonbrücke bestehend aus drei Zügen, wurde bereits teilweise saniert. Der eingestürzte dritte Teil sollte im nächsten Jahr saniert werden.
Die heutige Brücke wurde von 1967 bis 1971 durch den VEB Brückenbau Dresden errichtet und bildet seitdem die wichtige Nord-Süd-Verbindung im Dresdner Straßenverkehr und verbindet die Albertstraße im Norden mit der St. Petersburger Straße im Süden. Sie verfügt über vier Fahrstreifen für den motorisierten Verkehr sowie einen getrennten Gleiskörper für die Straßenbahn. Zusätzlich zu den Fahrspuren gibt es auch Geh- und Radwege auf beiden Seiten der Brücke.<br><br>Die Carolabrücke ist 32 Meter breit und besteht aus drei Überbauten (Brückenzug A bis C), die als Spannbetonhohlkastenbrücken mit Gerberträger ausgeführt sind. Die Stützweiten variieren und erreichen im südlichen Randfeld 44 Meter und im ersten Innenfeld 58 Meter. Die Brücke überbrückt die Elbe mit 120 Metern und 95 Metern, während das nördliche Endfeld eine Spannweite von 58 Metern aufweist. Die Carolabrücke war in der DDR die Spannbetonbrücke mit der größten Stützweite und verfügt über eine Mindestdurchfahrtshöhe von 6,61 Metern.
Aufgrund ihrer geschichtlichen und technischen Bedeutung wurde die Carolabrücke im Jahr 2022 unter Denkmalschutz gestellt. Ab 2019 wurden verschiedene Erhaltungsmaßnahmen an der Brücke durchgeführt, darunter auch die Verbreiterung der Geh- und Radwege. Hierfür kam erstmals im Großbrückenbau Carbonbeton zum Einsatz, um mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen. Die Sanierungsarbeiten an den einzelnen Brückenzügen A, B und C erfolgten in Phasen und wurden bis 2024 abgeschlossen.
Leider ereignete sich am 11. September 2024 ein schwerwiegender Zwischenfall, als der westliche Brückenzug C mit den Straßenbahngleisen und dem Geh- und Radweg über der Elbe auf einer Länge von etwa 100 Metern einstürzte. Zum Glück gab es keine Verletzten, aber es entstand beträchtlicher Sachschaden, und die Fernwärmeversorgung wurde zeitweise unterbrochen.
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