Vom Sanierungsfall zum modernen Campus: 35 Jahre Studentenwerk Dresden
Dresden. Als Sybille S. im Juni nach 47 Jahren und acht Monaten in den Ruhestand ging, hatte sie fast die gesamte Geschichte des modernen Studentenwerks Dresden am eigenen Herd miterlebt. 1978 begann sie ihre Ausbildung, 1991 wurde sie Mitarbeiterin des Studentenwerks - und sah von da an Sanierungen, ein Hochwasser und unzählige Generationen von Studierenden kommen und gehen. Eines aber, erzählt sie schmunzelnd, blieb über all die Jahre gleich: Pommes, Schnitzel und Nudeln stehen bis heute ganz oben auf der Beliebtheitsskala.
Ihre Berufsbiografie fällt fast genau mit einem Jubiläum zusammen: Am 1. Juli 1991 nahm das Studentenwerk Dresden nach der Wiedervereinigung seine Arbeit als eigenständige Anstalt des öffentlichen Rechts wieder auf - vor 35 Jahren. Was damals mit Improvisation und Aufbruch begann, ist heute ein Betrieb mit rund 500 Beschäftigten, der über 39.000 Studierende an acht Hochschulen in Dresden, Zittau, Görlitz, Riesa und Bautzen betreut.
Vom Sanierungsfall zum modernen Zuhause
Kaum ein Bereich hat sich so stark gewandelt wie das studentische Wohnen. 1991 waren viele Wohnheime abgewohnt, die Technik verschlissen, Mehrbettzimmer die Regel. Daraus moderne Einzelapartments zu machen, bedeutete jahrelange Sanierungen - ein Meilenstein war der Komplex an der Wundtstraße, der zwischen 2001 und 2013 erneuert wurde, zuletzt kam das Wohnheim auf der Gerokstraße hinzu. Heute stehen mehr als 6.600 Wohnheimplätze bereit, deutlich weniger als Anfang der 1990er - weil aus vielen Betten zeitgemäßer Wohnraum wurde. Zugleich ist bezahlbares studentisches Wohnen wieder zu einer der drängendsten Fragen geworden.
Mensen im Wandel - und ein Corona-Einbruch
Auch die Mensen erfanden sich neu: aus standardisierter Gemeinschaftsverpflegung wurde ein Angebot mit Wahlgerichten, Salatbars sowie vegetarischen und veganen Speisen. Heute betreibt das Studentenwerk 15 Mensen und vier Cafeterien. Wie tief die Corona-Pandemie einschnitt, zeigt eine Zahl: 2019 gab das Studentenwerk noch 3,31 Millionen Mahlzeiten aus, 2021 waren es nur noch 0,94 Millionen. Seither steigen die Zahlen wieder – mit 2,16 Millionen im Jahr 2025 aber längst nicht auf altem Niveau. Das Nutzungsverhalten hat sich dauerhaft verändert.
Was bleibt
Bei allem Wandel sieht sich das Studentenwerk unverändert als Dienstleister für Studierende und Partner der Hochschulen. Es seien die Menschen und ihre Geschichten - wie die von Sybille S. -, die den Betrieb ausmachten, sagt Geschäftsführer Michael Rollberg. Über Jahrzehnte Freude daran zu haben, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, „steckt an und motiviert zum Nachmachen".