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Warum Dresdens Brunnen auch nach der Haushaltssperre trocken bleiben

Ein historischer Brunnen mit dunklen Figurenskulpturen ist mit einer grauen Metallabdeckung verschlossen. Dahinter erstreckt sich ein Platz mit grünen Bäumen, auf dem ein gelb-rot gestreifter Rettungswagen der Feuerwehr mit Blaulichtaufbau steht.
Notruf für Dresdens Brunnen: Während im Hintergrund ein Rettungswagen steht, bräuchten die abgedeckten „Stillen Wasser“ am Albertplatz dringend erste Hilfe. Doch der Haushaltsengpass Dresdens legt die Wasserspiele der Stadt weiter lahm. Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Vor dem nächsten warmen Wochenende bleiben viele Dresdner Springbrunnen trocken - und im Rathaus tobt der Streit um die Schuld. Die Fraktion Team Zastrow spricht von einem Skandal, die Verwaltung verweist auf ein gekürztes Budget. Ein Blick auf die Zahlen - und die Vorgeschichte.

Dresden. Prager Straße, Altmarkt, Postplatz, Albertplatz: An vielen prominenten Stellen der Innenstadt stehen die Springbrunnen still oder plätschern nur unregelmäßig - ausgerechnet vor dem nächsten hochsommerlichen Wochenende. Über die Gründe ist im Rathaus ein handfester Streit entbrannt.

Die Fraktion Team Zastrow sieht die Verantwortung klar bei der grünen Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen. Seit die Haushaltssperre vor zwei Wochen aufgehoben sei, gebe es „keine Ausrede" mehr; die Brunnen könnten längst laufen, so Fraktionschef Holger Zastrow. Er verweist auf ein trotz Sperre verfügbares Budget von rund 2,66 Millionen Euro im zuständigen Amt und auf Betriebskosten von nur etwa 330.000 Euro im Jahr 2024. Seine Forderung, bereits als Stadtratsantrag gestellt: Jähnigen solle die Zuständigkeit entzogen und die Brunnen zur Chefsache des Oberbürgermeisters gemacht werden. In der Wortwahl wird Zastrow drastisch - er spricht von einem „Skandal" und davon, dass im Amt „etwas faul" sei.

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Was die Verwaltung entgegnet

Das Fachamt widerspricht in mehreren Punkten. Der Kern: Der Nachtragshaushalt bedeute über alle Ämter hinweg starke Einschnitte; allein das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft spare fast zwei Millionen Euro, wovon auch der Brunnenbetrieb betroffen sei. Entscheidend ist laut Amt eine konkrete Kürzung beim Strom: Vom geplanten Budget von 120.750 Euro seien 85.580 Euro gestrichen worden. Für die gesamte Saison 2026 blieben damit nur 35.170 Euro - bei Stromkosten von über 110.000 Euro im Vorjahr. Es klaffe also eine Lücke von rund 90.000 Euro; eine reguläre Brunnensaison sei „auch mit Nachtragsbeschluss nicht durchführbar".

Die von Zastrow genannten 2,66 Millionen Euro umfassten zudem viele weitere Aufgaben des Amtes, nicht nur die Brunnen. Und dass Mittel formal freigegeben seien, heiße nicht, dass sie schon flössen: Bis der Nachtrag greife, müsse auch der Freistaat ihn freigeben, was weitere Wochen dauern könne. Erst danach ließen sich Reparaturen beauftragen.

Ein Streit mit Vorgeschichte

Neu ist der Konflikt nicht - er kehrt verlässlich mit jedem Sommer wieder. 2025 wollte die Stadt aus Kostengründen zunächst nur 8 von 99 Brunnen anstellen und erntete dafür stadtweiten Protest und eine Petition. Auch die Rollen sind eingespielt: Holger Zastrow, seit 2004 im Stadtrat und lange FDP-Landeschef, heute mit eigener Fraktion, ist der beständigste Kritiker; Jähnigen die Adressatin. 

Zwei Details verkomplizieren das Bild allerdings und gehören zur fairen Einordnung: Das Team Zastrow stimmte selbst gegen den Nachtragshaushalt, der die Mittel freigeben soll. Und die Fraktionsvertreterin im Neustädter Stadtbezirksbeirat votierte für jene Nebeldusche, die Zastrow heute als Fehlplanung geißelt.

Postplatz, Albertplatz und die Nebelduschen

Für einzelne Anlagen nennt das Amt eigene Gründe. Der Wasservorhang am Postplatz - von vielen Dresdnern „Panzerwaschanlage" genannt - wurde demnach auf Bitte des Riesenrad-Betreibers wegen der Nähe zum Eingang abgestellt. An den abgedeckten „Stillen Wassern" am Albertplatz kann eine Schadensanalyse erst beginnen, wenn die Mittel tatsächlich beim Amt angekommen sind.

Ein großer, eckiger Rahmen aus rotem Metall steht auf einem gepflasterten Platz. Direkt dahinter ragt das weiße Gerüst eines riesigen Riesenrads in den leicht bewölkten blauen Himmel.
Stillgelegt am Postplatz: Der Wasservorhang neben dem Riesenrad plätschert derzeit nicht. Laut Stadtverwaltung wurde die Anlage auf Wunsch des Betreibers abgeschaltet, da sie sich direkt vot dem Eingang befindet. Foto: CdH

Die von Zastrow kritisierten Nebelduschen wiederum - zwei mobile Trinkbrunnen mit Nebeldüsen an Seestraße und Jorge-Gomondai-Platz - verteidigt Jähnigen ausdrücklich. Sie kosteten rund 29.000 Euro, würden aber aus anderen Töpfen finanziert, unter anderem über Stadtbezirksmittel und EU-Förderung, und seien anders als die Brunnen keine dauerhafte Pflichtaufgabe. Zastrows Behauptung, sie habe im März einen „Normalbetrieb" der Brunnen zugesagt, entspreche „nicht der Wahrheit".

Wie viele Brunnen laufen - und wie es weitergeht

Die Lage bessert sich langsam. Von 71 städtischen Springbrunnen liefen laut Verwaltung am Montag 46, hinzu kommen elf Trinkbrunnen; vergangenen Donnerstag waren es erst zehn gewesen. Zum Vergleich: Anfang Juni hatte die Stadt bereits 52 in Betrieb gemeldet - die Zahlen schwanken also je nach Stichtag und Reparaturstand.

Zastrows Forderung nach einem Zuständigkeitswechsel weist die Verwaltung zurück. Weil die Einschränkungen auf die Haushaltslage zurückgingen, ändere ein anderer Geschäftsbereich nichts, so Jähnigen: Dem Vorschlag fehle der „Realitätsbezug". Der Antrag von Team Zastrow wird nach den Sommerferien im Stadtrat behandelt.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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