Dresden. Irgendwann in den 1990er Jahren muss jemand in einem Dresdner Planungsamt gedacht haben: Lieber zu viel als zu wenig. Breite Straßen, große Kreuzungen, Kapazitäten für eine Stadt, die wächst und wächst. Das Ergebnis steht heute noch – in Beton, in Fördermittelbescheiden, in Sanierungskosten.
Nun soll eine neue Brücke gebaut werden. Und die alte Frage stellt sich neu: Wie viel Straße braucht Dresden wirklich?
Die Grünen-Fraktion im Dresdner Stadtrat hat einen Antrag eingebracht, der eine der zentralen Entscheidungen zum Neubau der Carolabrücke wieder aufschnüren soll: die Vorgabe, vier Fahrstreifen für den Autoverkehr zu planen. Der Antrag ist ein direkter Angriff auf einen Stadtratsbeschluss vom Juni 2025 – und er trifft auf eine Debatte, die ohnehin längst in Bewegung geraten ist.
Susanne Krause, Sprecherin für Stadtentwicklung der Grünen-Fraktion, nennt konkrete Zahlen, um zu zeigen, was überdimensionierte Verkehrsplanung kostet: Der Tunnel am Wiener Platz müsse für rund 20 Millionen Euro saniert werden, die Waldschlößchenbrücke verursache jährlich 1,5 Millionen Euro Unterhaltungskosten. „Die Ergebnisse dessen müssen wir heute noch teuer bezahlen", sagt Krause – und meint damit das Planungsprinzip der 1990er Jahre, das auf möglichst großzügige Verkehrskapazitäten setzte. Als weitere Beispiele überdimensionierter Projekte nennt sie die vierspurige Waltherstraßenbrücke über den Güterbahnhof Friedrichstadt und die Weiterführung der Coventrystraße nach dem Autobahnanschluss.