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Der Fernbus-Bahnhof bekommt einen neuen Eigner

Der Fernbus-Bahnhof bekommt einen neuen Eigner
So sieht der Entwurf der Dresdner Architekturbüros Knerer und Lang für das Fernusterminal aus - mit begrüntem Hochhaus und Fahrradparkhaus. Visualisierung: Knerer und Lang/S&G Development GmbH
Von: Dresden News

Dresden. Sieben Jahre nach dem ersten Stadtratsbeschluss, vier nach dem geplatzten Erstbaustart und einem gescheiterten Finanzierungsversuch wechselt das Fernbusterminal am Wiener Platz den Investor. Die S&G Development GmbH aus Leipzig und Frankfurt gibt das Projekt ab. Käufer ist die Simmel Holding – also jener Peter Simmel, der auf der anderen Seite des Platzes schon das Simmel-Center mit 65 Millionen Euro hingezogen hat.

Die Gespräche laufen noch, der Kaufvertrag ist laut Stadtpressemitteilung noch nicht unterschrieben. Aber die Richtung ist klar.

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Was dort gebaut werden soll

Vier miteinander verbundene Baukörper auf einer rund 250 Meter langen Brachfläche an der Westseite des Wiener Platzes. Ein 43 Meter hohes Hochhaus direkt am Platz, ein überdachtes Fernbusterminal mit zehn Steigen, ein Fahrradparkhaus mit 800 Plätzen, dazu Gastronomie, ein Boardinghouse und Büroflächen. Den Entwurf hat das Dresdner Büro Knerer und Lang geliefert. Baukosten: rund 100 Millionen Euro, aus ursprünglich mal 80 angewachsen.

Die DVB plant dazu eine neue Straßenbahnhaltestelle direkt am Terminal. Das bisherige Provisorium an der Bayerischen Straße – ein zugiger Haltepunkt ohne nennenswerte Infrastruktur – würde dann wegfallen.

Warum S&G nicht mehr kann

S&G hat das Projekt 2018 gewonnen, 2021 den Grundstückskaufvertrag unterschrieben, 2023 das Baurecht erhalten. Gebaut hat sie nie. Die Baukostenentwicklung seit 2020, gestiegene Finanzierungskosten und ein Büromarkt, der nach der Pandemie nicht mehr das ist, was er mal war – das alles hat das Vorhaben immer teurer und die Finanzierung immer fragiler gemacht. Im Herbst 2025 war laut Radio Dresden noch unklar, ob der Investor die Finanzierung überhaupt gesichert bekommt. Jetzt ist die Antwort da: Er gibt das Projekt weiter.

S&G-Chef Dr. Ingo Seidemann sagt dazu, man habe „einen starken Partner gefunden, um das Vorhaben zu Ende zu führen." Das klingt nach einer geordneten Übergabe – ist aber de facto ein Verkauf nach Jahren ohne Baufortschritt.

Warum ausgerechnet Simmel

Peter Simmel kennt den Wiener Platz. Er hat auf der Ostseite gebaut, als noch kaum jemand an den Standort glaubte. Das Simmel-Center steht, das Hotel Meininger auch. Sein Unternehmen finanziert Projekte nicht über externe Kapitalmärkte, sondern aus eigenerwirtschafteten Rücklagen – ein Modell, das in der aktuellen Baukrise tatsächlich ein Vorteil ist. „Da unsere Gewinne immer im Unternehmen bleiben, haben wir im Laufe der Jahrzehnte die Kraft erreicht, auch in schwierigen Zeiten solche Projekte in die Tat umzusetzen", hat Simmel bei früheren Projekten selbst erklärt. Ob das für ein 100-Millionen-Vorhaben dieser Komplexität reicht, bleibt abzuwarten.

Die Stadt erhöht den Zuschuss

Parallel zur Investorenübergabe will Dresden den Zuschuss für das Fahrradparkhaus von 1,5 auf 2,5 Millionen Euro erhöhen. Begründung: Die Baukosten sind seit Planungsbeginn 2020 deutlich gestiegen, was sich auch auf das Parkhaus auswirkt. Im Gegenzug soll der Investor das Fahrradparkhaus mindestens 20 Jahre lang privat betreiben – so steht es in den geschlossenen Verträgen. Das Geld soll aus Einnahmen der Stellplatzablöse kommen. Eine Stadtratsvorlage ist in Vorbereitung.

Baubürgermeister Stephan Kühn hat an der Bayerischen Straße wohl selbst schon gewartet. „Das unzulängliche Provisorium südlich des Hauptbahnhofs", nennt er den heutigen Haltepunkt – ein Satz, der vor allem zeigt, wie lange die Stadt schon auf den Nachfolger wartet.

Wie glaubwürdig ist der neue Zeitplan?

Bisher galt: Baustart Ende 2024/Anfang 2025, Fertigstellung Mitte 2027. Diese Daten sind hinfällig – noch laufen die Verkaufsgespräche. Ein realistischer Baustart liegt frühestens 2026, eher 2027. Fertig wäre der Komplex dann kaum vor 2030.

Das klingt ernüchternd. Ist es aber nur, wenn man vergisst, dass das Provisorium an der Bayerischen Straße bereits seit mindestens 2017 als unhaltbar gilt - und noch immer in Betrieb ist.

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