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Zoff um neue Carolabrücke! In Dresden eskaliert der Streit über Anzahl der Fahrspuren

Zoff um neue Carolabrücke! In Dresden eskaliert der Streit über Anzahl der Fahrspuren
Beim Bürgerdialog stellte die Arbeitsgemeinschaft FHECOR+TSSB nicht nur den am weitesten fortgeschrittenen Entwurf vor, sondern auch Ideen für zwei und vier Autospuren. Visualisierung: FHECOR+TSSB/Foto: CdH
Von: Cornelius de Haas
Vier Büros haben ihre Ideen für den Neubau präsentiert. Alle arbeiten auch an Varianten mit weniger als vier Autospuren – obwohl der Stadtrat das eigentlich schon entschieden hatte.

Am Mittwoch haben die vier beauftragten Planungsbüros im Dresdner Stadtforum erstmals ihre Ideen für die neue Carolabrücke der Öffentlichkeit präsentiert. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse – und sorgte prompt für neuen politischen Zündstoff: Alle vier Teams machten deutlich, dass sie flexibel planen und auf Wunsch auch Varianten mit nur zwei Autospuren vorlegen könnten. Ein Büro zeigte sogar eine Simulation, wie der Verkehr mit zwei Spuren fließen würde.

Das Problem: Der Stadtrat hatte im Juni 2025 mit breiter Mehrheit beschlossen, dass die neue Brücke vier Fahrspuren für den motorisierten Individualverkehr erhalten soll – wie das eingestürzte Bauwerk.

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Nicht nur die CDU pocht auf den Beschluss

Für die CDU-Fraktion ist die Sache klar. Fraktionschefin Heike Ahnert begrüßt zwar den Wettbewerb der Ideen, zieht aber eine deutliche Linie: Wer jetzt darüber hinausgehende Forderungen stelle, riskiere eine Verzögerung des Neubaus um mehrere Jahre – mit entsprechend höheren Planungs- und Baukosten. „Wenn Planer Varianten mit zwei Spuren untersuchen möchten, steht ihnen das unentgeltlich frei – maßgeblich sind jedoch Entwürfe mit vier Spuren. Nur diese entsprechen dem klaren Auftrag des Stadtrates und nur das kann honoriert werden", stellt Ahnert klar.

Stadträtin Bettina Kempe-Gebert, baupolitische Sprecherin der CDU, verweist auf die langfristige Perspektive: „Wir wollen eine Brücke für die nächsten 120 oder 130 Jahre. Deshalb muss sie variabel sein." Wenn sich das Verkehrsaufkommen künftig anders entwickle, könnten Fahrspuren später auch anders genutzt werden – etwa als Fahrradtrasse. Auch Team-Zastrow-Fraktionschef Holger Zastrow lässt keine Zweideutigkeit zu: „Es gibt eine demokratische Entscheidung für vier Spuren und die haben die Planer umzusetzen. Wer den Beschluss ignoriert, riskiert den Zuschlag."

Grüne sehen die Diskussion als berechtigt

Anders sieht das Susanne Krause, baupolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Sie zeigte sich „beeindruckt" davon, dass alle Planungsteams die Vierspurvorgabe mehr oder weniger offen infrage stellen. „Das Geld, das in überflüssige Fahrspuren versenkt wird, fehlt bei den Elementen, die aus einem technischen Bauwerk eine schöne Brücke machen." Kompromisse bei der Gestaltung aufgrund „ideologischer Verkehrsvorstellungen" lehne ihre Fraktion ab. Für eine Vorfestlegung auf einen der vier Entwürfe sei es noch zu früh – dafür seien die Vorschläge in ihrer Bearbeitungstiefe noch zu unterschiedlich.

Auch bei der Bürgerbeteiligung hatten mehrere Teilnehmer auf Klebezetteln den Wunsch nach einer zweispurigen Lösung notiert. SPD-Stadtrat Stefan Engel schließt eine Kursänderung nicht grundsätzlich aus: „Es wäre nicht das erste Mal, dass der Stadtrat seine Meinung ändert."

Wie geht es weiter?

Die vier Planungsteams haben bis Ende Mai Zeit, ihre Entwürfe weiterzuentwickeln. Am 26. Mai tagt erstmals wieder das Begleitgremium. Ob die Debatte über die Spuranzahl bis dahin verstummt, darf bezweifelt werden – sie hat gerade erst wieder Fahrt aufgenommen.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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