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VCD befragt Dresdner Fahrgäste: Wie gut ist der ÖPNV wirklich?

Eine gelbe Straßenbahn der DVB fährt über den Dresdner Altmarkt in Richtung Postplatz, im Hintergrund sind die Kreuzkirche und historische Gebäude unter blauem Himmel zu sehen.
Trotz Rekordnachfrage blicken die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) auf neue Sparrunden für das Jahr 2027. Während das Fahrgastaufkommen 2025 auf 186,5 Millionen stieg, führen Haushaltsdefizite der Stadt zu Diskussionen über Taktanpassungen und Linienkürzungen. Der Verkehrsclub VCD ruft deshalb bis Ende Juni zum „Mobilitätscheck ÖPNV“ auf, um die Erlebnisse der Fahrgäste als politisches Argument in die Haushaltsdebatte einzubringen. Archivsbild: pixabay/JoeBreuer
Von: Cornelius de Haas
Rekordfahrgastzahlen, zweiter Platz im bundesweiten Kundenbarometer – und schon wieder Spardiskussionen für 2027. Der VCD startet jetzt eine Umfrage, deren Ergebnisse in die nächste Runde der Debatte fließen sollen.

Dresden. Fährt der Bus zu selten? Ist die Verbindung zur Arbeit umständlich? Klappt der Weg zum Arzt mit dem ÖPNV? Der ökologische Verkehrsclub VCD will es wissen – und ruft Dresdner Fahrgäste zur Teilnahme am "Mobilitätscheck ÖPNV" auf. Die anonyme Umfrage dauert laut VCD drei Minuten.

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Dresden steckt in einer ÖPNV-Debatte, die an Schärfe kaum zu überbieten ist - und die nächste Runde kündigt sich bereits an.

Rekordnachfrage – und die nächsten Sparrunden

186,5 Millionen Fahrgäste haben die DVB 2025 in Bus, Bahn, Fähre und Bergbahnen befördert – ein neuer Rekord, die vierte Steigerung in Folge. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um zwei Prozent. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung nutzt den ÖPNV mindestens einmal pro Woche. Im bundesweiten ÖPNV-Kundenbarometer erreichten die DVB den zweiten Platz.

Das klingt nach Erfolg. Ist es auch - aber es löst das Finanzierungsproblem nicht. Der laufende Betrieb verursacht jährliche Kosten von rund 300 Millionen Euro. Zusätzlich zu Ticketerlösen und Ausgleichszahlungen von Bund und Land fließen 25 Millionen Euro direkt aus dem städtischen Haushalt sowie weitere 55 Millionen über die Technischen Werke Dresden. Für 2027 wird bereits ein Sparkonzept vorbereitet. Geprüft werden Anpassungen am 10-Minuten-Takt und Kürzungen auf weniger genutzten Linien. 

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Die DVB gehen davon aus, dass sie neben den 80 Millionen Euro, die sie von der Landeshauptstadt und den Technischen Werken erhalten, weitere 10 Millionen Euro künftig zusätzlich finanziert bekommen müssen. Die 144 Stellen, die als Spargröße im Raum stehen, sollen "möglichst ohne Kündigungen" abgebaut werden.

Und das vor dem Hintergrund, dass die Stadt Dresden im März 2026 einen Nachtragshaushalt auf den Weg brachte, der einen Fehlbetrag von 123,9 Millionen Euro ausweist – strukturelle Konsolidierung wird also auch den nächsten DVB-Haushalt prägen.

Was die Daten über Dresdens Mobilität sagen

Die Grundlage für jede ÖPNV-Debatte liefert die SrV-Studie der TU Dresden, die alle fünf Jahre das Mobilitätsverhalten der Stadtbevölkerung erfasst. Für 2023 zeigt sie: Die Fahrgastzahlen sind seit 2004 deutlich stärker gewachsen als die Einwohnerzahl und das DVB-Leistungsangebot. Im Städtevergleich hat Dresden die zweithöchste Fahrzeugauslastung und dritthöchste Marktausschöpfung. Kurzum: Die DVB arbeiten bereits heute an der Kapazitätsgrenze.

Gleichzeitig verliert das Auto in Dresden an Boden. Der MIV-Anteil an den zurückgelegten Kilometern sank von 61 Prozent (2013) auf 50 Prozent (2023). Im Gegenzug stiegen die Anteile von Fuß-, Rad- und ÖPNV-Verkehr. Wer heute in Dresden mobil ist, tut das häufiger ohne eigenes Auto als noch vor zehn Jahren.

Was der VCD mit den Ergebnissen vorhat

Die Dresdner VCD-Ortsgruppe will mit den lokalen Umfragedaten anschließend das Gespräch suchen - mit dem Zweckverband ZVVO, der DVB sowie mit Stadtspitze und Stadtratsfraktionen. Verkehrsingenieur Tobias Piotrowski bringt das Ziel auf den Punkt: "Mit dem Mobicheck wollen wir herausfinden, wie Fahrgäste den ÖPNV erleben – und wo Verbesserungen nötig sind." Ortsgruppensprecher Karsten Imbrock formuliert den Anspruch dahinter: "In Zukunft soll niemand mehr auf ein eigenes Auto angewiesen sein, unabhängig vom Wohnort."

Das klingt ambitioniert. Angesichts eines Dresdner Nahverkehrs, der Rekordnachfrage verzeichnet und gleichzeitig schon wieder auf Sparpläne für 2027 blickt, ist die Umfrage mehr als ein Stimmungsbild - sie ist politisches Material für die nächste Haushaltsrunde.

Die Umfrage läuft bis Ende Juni.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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