Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Dresden News

DDR-Müllberg unter Strom: Warum Dresdens Deponie jetzt 1.000 Haushalte versorgt

Drohnenaufnahme des weitläufigen Solarparks an der Radeburger Straße in Dresden, der auf dem grünen Gelände einer ehemaligen Deponie errichtet wurde.
Vom Abfall zum Ökostrom: Die Luftaufnahme zeigt die beeindruckende Dimension der 9.100 Quadratmeter Solarmodule auf der ehemaligen Deponie an der Radeburger Straße. Mit einer Spitzenleistung von 2,05 Megawatt ist die Anlage ein zentraler Baustein in SachsenEnergies Plan, bis 2030 rund 700 Gigawattstunden grünen Strom aus eigenen Anlagen zu gewinnen. Foto: Oliver Killig/Sachsenenergie
Von: Cornelius de Haas
Dresden zapft den Müllberg an: Jahrzehntelang war das Gelände an der Radeburger Straße eine tote Fläche - eine „wilde“ Altlast aus DDR-Zeiten, auf der nichts wachsen und erst recht nichts gebaut werden konnte. Doch jetzt glänzen dort über 9.000 Quadratmeter Solarmodule in der Sonne. Es ist der bislang größte Solarpark im Dresdner Stadtgebiet. Warum der Untergrund immer noch „tanzt“, wie Eidechsen davon profitieren und warum dieser Park eine klare Ansage an die Politik ist.

Dresden. Wo einst Abfall lagerte, erzeugt jetzt Sonne Strom. An der Radeburger Straße hat SachsenEnergie seinen bislang größten Solarpark im Dresdner Stadtgebiet in Betrieb genommen – auf dem Gelände einer ehemaligen Deponie aus DDR-Zeiten.

SunStrom, eine Tochter von SachsenEnergie, hat dort für 1,5 Millionen Euro rund 9.100 Quadratmeter Solarmodule installiert – die Gesamtfläche der Anlage inklusive Reihenabständen, Wegen und Technikflächen ist deutlich größer. Mit 2,05 Megawatt Spitzenleistung reicht die Anlage rechnerisch aus, um etwa 1.000 Haushalte zu versorgen.

Mehr aus dieser Kategorie

Ein Ort mit Geschichte

Dass ausgerechnet eine alte Deponie zum Standort wurde, hat einen einfachen Grund: Solche Flächen taugen für kaum etwas anderes. Zu aufwendig zu sanieren, zu riskant zu bebauen - aber groß genug, gut erschlossen, und oft mit direktem Anschluss ans Stromnetz. Jens Hirtz, Bereichsleiter Erneuerbare Energien bei SachsenEnergie, brachte es auf den Punkt: „Gerade in der Stadt ist es wichtig, Flächen optimal zu nutzen und Standorte mit gutem Netzanschluss zu finden. Beides ist hier gegeben."

Strom, Eidechsen und ein Experiment

Was den Standort über das rein Energetische hinaus interessant macht, ist ein Versuchsaufbau, den die Stadt Dresden eingebettet hat. Im Schatten der Module soll eine Wildwiese entstehen - als Lebensraum für Insekten und Zauneidechsen. Zusätzlich wurden halbtransparente Solarmodule verbaut, um zu untersuchen, ob und wie unter ihnen Artenvielfalt gefördert werden kann. Die Ergebnisse werden über fünf Jahre ausgewertet.

Jens Hirtz, Eva Jähnigen und Dr. Axel Cunow stehen in Sicherheitswesten vor den Solarmodulen des neuen Solarparks an der Radeburger Straße.
Ein starkes Signal für die urbane Energiewende: Jens Hirtz (SachsenEnergie), Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen und Dr. Axel Cunow (Vorstand SachsenEnergie) bei der Inbetriebnahme des größten Solarparks im Dresdner Stadtgebiet. Das 1,5 Millionen Euro teure Projekt auf einer ehemaligen DDR-Deponie spart jährlich rund 770 Tonnen CO₂ ein. Foto: Oliver Killig/Sachsenenergie

Eva Jähnigen, Beigeordnete für Umwelt und Klima, sprach bei der Eröffnung von einem Projekt, das zeige, „was im Rahmen der Energiewende möglich ist". Neben dem Strom rechnet die Stadt mit einer Einsparung von 770 Tonnen CO₂ pro Jahr. Und sie erwähnte, was den Ort langfristig noch interessanter macht: Das Gelände hat Ausbaupotenzial - wann es genutzt werden kann, ist allerdings offen. Das Areal senkt sich noch - weil es sich um eine wilde Hausmülldeponie aus DDR-Zeiten handelt, die ohne geregelte Bauvorschriften betrieben wurde. Was genau darunter liegt und wie es sich im Laufe der Jahre verhält, lässt sich kaum vorhersagen. Seit Mitte der 1990er-Jahre wird hier kein Abfall mehr gekippt, aber der Untergrund gibt seinen eigenen Takt vor.

Strom ist nicht das eigentliche Ziel

Das klingt nach einem lokalen Energieprojekt. Es ist aber auch eine Antwort auf einen Vorwurf, den SachsenEnergie-Vorstand Dr. Axel Cunow offenbar regelmäßig hört: dass die Energiewende Landessache sei - nichts für Städte. „Wir bekommen immer wieder zu hören, dass das Land die Energiewende für die Großstädte umsetzt", sagte Cunow. „Hier haben wir nun ein Beispiel, das die Vereinbarkeit einer Metropole und erneuerbarer Energien zeigt."

Dabei gibt er selbst zu, dass Solarstrom in dicht bebauten Städten nie die Hauptrolle spielen wird. Der Platz ist knapp, die Dichte hoch. Was den Unterschied macht, ist die Fernwärme - und deren Dekarbonisierung. Cunow nannte Elektrodenheizkessel und Wärmepumpen als nächste Schritte. Weitere Deponien und Gewerbedächer sollen für Photovoltaik hinzukommen - aber das ist, wie er deutlich machte, Mittel zum Zweck, nicht das eigentliche Ziel.

Teil eines größeren Plans

Für SachsenEnergie ist der Solarpark an der Radeburger Straße ein Baustein in einem weitaus größeren Vorhaben: Bis Ende des Jahrzehnts will das Unternehmen rund 700 Gigawattstunden Ökostrom aus eigenen Anlagen erzeugen. Der neue Park liefert bei einem typischen sächsischen Jahresertrag von rund zwei Gigawattstunden - das entspricht knapp 0,3 Prozent des angestrebten Gesamtziels. Der Weg dorthin ist also tatsächlich noch weit.

Nahaufnahme von zwei langen Reihen moderner Photovoltaik-Module auf einer grünen Wiese unter bewölktem Himmel im Solarpark Radeburger Straße.
Zwischen High-Tech und Wildwiese: Auf dem neuen Solarpark an der Radeburger Straße in Dresden wird nicht nur Strom für 1.000 Haushalte erzeugt. In einem fünfjährigen Experiment wird unter den Modulen erforscht, wie halbdurchlässige Paneele den Lebensraum für Insekten und Zauneidechsen fördern können. Foto: Oliver Killig/Sachsenenergie

Im Stadtgebiet betreibt SachsenEnergie bereits weitere Anlagen, darunter eine auf dem Dach des Heinz-Steyer-Stadions mit 0,3 Megawatt, die einen Großteil des dortigen Bedarfs deckt und den umliegenden Sportpark Ostra mitversorgt.

Der Solarpark an der Radeburger Straße ist, für sich genommen, ein überschaubares Projekt. Als Argument in einer Debatte, die Städte bisher vor allem als Konsumenten der Energiewende sah - nicht als Akteure -, wiegt er mehr.

Cornelius de Haas
Artikel von

Cornelius de Haas

Cornelius de Haas ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.