DDR-Müllberg unter Strom: Warum Dresdens Deponie jetzt 1.000 Haushalte versorgt
Dresden. Wo einst Abfall lagerte, erzeugt jetzt Sonne Strom. An der Radeburger Straße hat SachsenEnergie seinen bislang größten Solarpark im Dresdner Stadtgebiet in Betrieb genommen – auf dem Gelände einer ehemaligen Deponie aus DDR-Zeiten.
SunStrom, eine Tochter von SachsenEnergie, hat dort für 1,5 Millionen Euro rund 9.100 Quadratmeter Solarmodule installiert. Mit 2,05 Megawatt Spitzenleistung reicht die Anlage rechnerisch aus, um etwa 1.000 Haushalte zu versorgen und jährlich rund 770 Tonnen CO₂ einzusparen.
Ein Ort mit Geschichte
Dass ausgerechnet eine alte Deponie zum Standort wurde, hat einen einfachen Grund: Solche Flächen taugen für kaum etwas anderes. Zu aufwendig zu sanieren, zu riskant zu bebauen – aber groß genug, gut erschlossen, und oft mit direktem Anschluss ans Stromnetz. Jens Hirtz, Bereichsleiter Erneuerbare Energien bei SachsenEnergie, brachte es auf den Punkt: „Gerade in der Stadt ist es wichtig, Flächen optimal zu nutzen und Standorte mit gutem Netzanschluss zu finden. Beides ist hier gegeben."

Experiment unter den Modulen: Warum hier Eidechsen wichtiger sind als Kilowattstunden
Was den Standort über das rein Energetische hinaus interessant macht, ist ein Versuchsaufbau, den die Stadt Dresden eingebettet hat. Im Schatten der Module soll eine Wildwiese entstehen – als Lebensraum für Insekten und Zauneidechsen. Zusätzlich wurden halbtransparente Solarmodule verbaut, um zu untersuchen, ob und wie unter ihnen Artenvielfalt gefördert werden kann. Die Ergebnisse werden über fünf Jahre ausgewertet.
Eva Jähnigen, Beigeordnete für Umwelt und Klima, sprach bei der Eröffnung von einem Projekt, das zeige, „was im Rahmen der Energiewende möglich ist". Neben dem Strom rechnet die Stadt mit einer Einsparung von 770 Tonnen CO₂ pro Jahr. Und sie erwähnte, was den Ort langfristig noch interessanter macht: Das Gelände hat Ausbaupotenzial – wann es genutzt werden kann, ist allerdings offen. Das Areal senkt sich noch – weil es sich um eine wilde Hausmülldeponie aus DDR-Zeiten handelt, die ohne geregelte Bauvorschriften betrieben wurde. Was genau darunter liegt und wie es sich im Laufe der Jahre verhält, lässt sich kaum vorhersagen. Seit Mitte der 1990er-Jahre wird hier kein Abfall mehr gekippt, aber der Untergrund gibt seinen eigenen Takt vor.
Strom ist nicht das eigentliche Ziel
Das klingt nach einem lokalen Energieprojekt. Es ist aber auch eine Antwort auf einen Vorwurf, den SachsenEnergie-Vorstand Dr. Axel Cunow offenbar regelmäßig hört: dass die Energiewende Landessache sei – nichts für Städte. „Wir bekommen immer wieder zu hören, dass das Land die Energiewende für die Großstädte umsetzt", sagte Cunow. „Hier haben wir nun ein Beispiel, das die Vereinbarkeit einer Metropole und erneuerbarer Energien zeigt."
Dabei gibt er selbst zu, dass Solarstrom in dicht bebauten Städten nie die Hauptrolle spielen wird. Der Platz ist knapp, die Dichte hoch. Was den Unterschied macht, ist die Fernwärme – und deren Dekarbonisierung. Cunow nannte Elektrodenheizkessel und Wärmepumpen als nächste Schritte. Weitere Deponien und Gewerbedächer sollen für Photovoltaik hinzukommen – aber das ist, wie er deutlich machte, Mittel zum Zweck, nicht das eigentliche Ziel.
.