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Ministerin: Lehrer müssen mehr über Antisemitismus wissen

Ministerin: Lehrer müssen mehr über Antisemitismus wissen
Prien sieht Handlungsbedarf bei der Lehrerausbildung. / Foto: Sebastian Willnow/ dpa/dpa
Was wirkt bei der Bekämpfung von Antisemitismus? Darüber haben Politiker aus Bund und Land am Standort der künftigen Yad-Vashem-Außenstelle in Leipzig diskutiert.

Im Kampf gegen Antisemitismus muss aus Sicht von Bundesbildungsministerin Karin Prien auch die Lehrerausbildung verbessert werden. Es sei bis heute bundesweit nicht geschafft worden, in der Hochschulausbildung Antisemitismus als Gegenstand zu etablieren, sagte die CDU-Politikerin in einer Diskussionsrunde am Standort der künftigen Yad-Vashem-Außenstelle in Leipzig. 

Antisemitische Chiffren oft nicht erkannt

Pädagogen müssten aber geschult werden, um in Auseinandersetzungen mit jungen Extremisten von rechts oder von links gehen zu können. Das Gleiche gelte auch für die Bildung von Kommunalbeamten, Polizisten oder Richterinnen und Richtern. «Oft werden antisemitische Chiffren und Stereotype von Gerichten gar nicht erkannt», sagte Prien. «Deshalb ist es wichtig, zum Beispiel Schwerpunktstaatsanwaltschaften zu haben, die genau wissen, was Antisemitismus ist.»

Außenstelle von Yad Vashem in Leipzig geplant

Die Bundesministerin informierte sich im Leipziger Ariowitsch-Haus über die künftige Außenstelle der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Die Bildungsstätte solle im nächsten Jahr ihren Betrieb aufnehmen, sagte der sächsische Kultusminister Conrad Clemens (CDU). Der Freistaat arbeite derzeit mit Yad Vashem an einem Vertrag. Sachsen plane die Bildungsarbeit mit fünf Millionen Euro pro Jahr zu unterstützen.

Yad Vashem hatte im Mai bekanntgegeben, ihren ersten Ableger außerhalb Israels in Deutschland einzurichten. In München soll ein Bildungszentrum entstehen. Leipzig bekommt eine Außenstelle davon. Es sollen interaktive Lernräume für junge Menschen, aber auch für Lehrkräfte und andere Multiplikatoren entstehen.

Prien: Jüdisches Leben nicht selbstverständlich

Bei einer anschließenden Diskussionsrunde zur Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland betonte Prien ebenso wie Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) die Notwendigkeit von Bildungsarbeit. «Ich glaube, man muss sich ehrlich machen: Selbstverständliches jüdisches Leben hat es in Deutschland nach 1945 nicht gegeben», sagte die CDU-Politikerin. Auch jetzt würden jüdische Menschen marginalisiert - und dies zunehmend. Dem müsse mit Bildung und Demokratieförderung entgegengewirkt werden.

«Natürlich haben wir seit Jahren einen starken Antisemitismus auch in Sachsen», sagte Köpping. Die Landesregierung versuche das Thema deswegen in ihren Demokratieförderprogrammen nach vorn zu stellen. Es gebe in Sachsen mehr als 100 Vereine, die sich mit dem Thema beschäftigten, sagte Köpping.

Kritik an Beschluss zu Stolpersteinen in Heidenau

Laut Prien gibt es in der Gesellschaft auch eine Gleichgültigkeit beim Thema Antisemitismus. Das zeigten Vorfälle wie in Heidenau, wo man entschieden habe, die Erinnerungskultur aus der Stadt zu verbannen. Diese Erinnerungskultur müsse aber mitten in der Gesellschaft stattfinden - auch wenn sie oft schmerzhaft sei. 

Der Stadtrat von Heidenau hatte auf einen Antrag von AfD und CDU hin beschlossen, keine Stolpersteine mehr im öffentlichen Raum zu verlegen. Die Steine sollen die Erinnerung an die Vertreibung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten sowie der Homosexuellen und anderer Gruppen im Nationalsozialismus lebendig halten. 

Kultusminister Clemens nannte den Beschluss von Heidenau unsäglich. «Es ist nicht zu erklären.» Die Politiker legten demonstrativ Blumen an acht Stolpersteinen unweit der geplanten Außenstelle von Yad Vashem nieder.

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