Gediegen geht es zu im Restaurant Das Palais im Kempinski Taschenbergpalais. Formvollendeter Service gehört dazu, auch wenn der manchmal ein wenig altbacken-steif wirkt: die Bedienung könnte einen ja schlicht mit „Sie“ anreden und dabei ansehen, oder gar (wie weiland im Adlon, auch ein Kempinski) mit Namen ansprechen – haben doch alle reserviert, wäre also kein Hexenwerk. Aber statt dessen bevorzugt man „Der Herr! Die Dame!“ und fragt, nicht mehr ganz so distanziert und schon etwas vereinnahmend: „Wollen wir den Wein jetzt probieren?“ Um Himmels Willen nein, nicht wir! Ich will den allein probieren! War ja auch nicht so gemeint mit dem „wir“ – aber wer weiß, vielleicht antworte ich beim nächsten Mal einfach: „Gerne, setz Dich doch zu mir!“
Der kulinarische Start in den Abend beginnt mit einer neckischen Spielerei. Auf einem quadratischen, massiv wirkenden Holzkasten steht ein grüner Shot, daneben steht ein stylisches Schälchen mit einer Kleinigkeit als Küchengruß obendrauf – ein Hauch von Vorfrühling, denn mit Flusskrebs und Kohlrabi wird ja schon ein Leipziger Allerlei zitiert, auf das wir aber noch zwei, drei Monate warten müssen (wenn denn alles frisch sein soll). Aber dann! Der Service schiebt den Deckel zur Seite, holt unten eine Schublade heraus und auch im geöffneten Deckel versteckt sich noch ein Geheimfach – et voilá: Aufstrich, Brot und Salz stehen zur Verfügung. Sehr schön und eine feine Idee, auch wenn das eine Salz offensichtlich lange nicht bewegt wurde: es stopfte im Röhrchen. Pro-Tipp: ab und zu mal mit der Nadel reinpieksen und es lockern! Brot und Aufstrich waren von der Sorte „leider sooo gut„, dass da nichts von übrig blieb. Der Service bot an, nachzulegen – aber die Vernunft meldete sich und raunte: Schau mal, da kommt doch noch was. Muss das sein?