Südtirol by the Glass: High Wine im Bülow Palais
Südtirol ist von Dresden aus gesehen eine willkommene Urlaubsregion. Aber was ist, wenn man gerade nicht die Zeit hat, gen Süden zu fahren (oder zu fliegen, dazu später mehr)? Dann kommt Südtirol eben nach Dresden! Die Bar des Bülow Palais ist nämlich eine der 17 Stationen der ersten „Südtirol by the Glass“-Tour quer durch Deutschland. Vom 23. Oktober bis 8. November 2026 werden bundesweit 17 Restaurants, Hotels und Weinbars Südtiroler Weine glasweise ausschenken – eine großartige Gelegenheit, Neues zu entdecken.
Das Bülow Palais bietet schon seit geraumer Zeit das Afterwork-Vergnügen High Wine an – eine spannende Alternative zur sehr englischen Sitte des High Tea. Der neue Direktor des Bülow Palais, Robbert van Rijsbergen, der vom Fünfsternehotel The Dylan in Amsterdam nach Dresden kam, bringt das bei einem Pressetermin mit schon fast britischem Humor so auf den Punkt: "Statt Tee und Scones machen wir etwas, was vielleicht mehr Spaß macht!" Nämlich ein spannendes Pairing von vier Weinen mit vier kleinen Gerichten – zum Festpreis von 45 Euro. Im besagten Zeitraum Ende Oktober/Anfang November wird der High Wine Tirol gewidmet sein. Wie immer bei diesem Format mit vier Weinen, zu denen es jeweils passende kleine Gerichte gibt.

Dass Südtirol weit mehr kann als einfache Vernatsch oder Pinot Grigio (die am meisten angebaute Rebsorte in Südtirol), hat sich herumgesprochen. Beispielsweise gute Vertreter dieser Sorten, etwa ein gereifter Vernatsch! Selbst aus der Allerweltsrebsorte Müller-Thurgau vermag ein Winzer wie Tiefenbrunner eine erinnerungswürdige Geschmacksgranate zu keltern: wer jemals den Feldmarschall von Fenner vom traditionsreichen Familienweingut Tiefenbrunner auf der Karte sieht, sollte bedenkenlos bestellen (auch wenn das Glas sicher ein wenig preisintensiver ist, als man es bei einem Müller-Thurgau erwartet. Aber womit? Mit Recht!).
Vier Weine, vier Gänge
Wie so ein HighWine aussehen könnte, erfuhr ich zum offiziellen Ende eines langen Südtirol-Tages nach dem Podcast mit Eduard Bernhart, dem Direktor des Konsortiums Südtirol Wein. Im Podcast (sowie im begleitenden Beitrag) gibt es jede Menge Grundinformationen zu Südtirol, kann man da also nachlesen oder es sich anhören.

Küchenchef Torsten Bubolz hatte gar nicht mal so kleine Probierteller zu einem Vier-Gang-Menü zusammengestellt, deren einzelne Gänge die ebenfalls aus Amsterdam kommende neue Restaurantleiterin Babette Lambers am Tisch präsentierte und erklärte, während Eduard Bernhart die trefflich passenden Weine dazu vorstellte. Und weil es HighWineTime war, gab es natürlich das passende Essen zum Wein und nicht umgekehrt ;-)
Erster Wein unseres flotten Vierers: ein Spätburgunder, den man in Südtirol meistens Blauburgunder nennt – oder eben international Pinot Noir. Der Riserva aus dem Jahrgang 2023. Riserva heißt in Südtirol, dass der Wein mindestens zwei Jahre gelagert wird – unabhängig davon, ob das jetzt im Fass oder in der Flasche passiert. Die Kellerei Girlan ist eine der führenden Genossenschaften Südtirols, der Pinot Noir ist eine ihrer Stärken. Die Küche schickte zum Wein Rindertartar mit Eigelbcreme und Enoki-Pilzen – "Der Pinot Noir hat nicht so viel Tannine, daher geht das sehr gut mit dem rohen Fleisch zusammen", erfuhren wir von Babette Lambers. Auch die (aufgrund des Südtiroler Klimas) natürliche Säure passe sehr gut zusammen mit dem Essen. Sie sagt's, wir hören und ahnen: Ach so geht das mit dem Pairing von Wein und Essen!
Der 2024 Lafóa Chardonnay der Kellerei Schreckbichl stammt aus ausgewählten Weinbergen, Lafóa ist die hochwertige Weinlinie der Kellerei. Die Höhenlagen und das alpine Klima Südtirols begünstigen eine ausgeprägte Frische, während die sorgfältige Vinifikation für Fülle und Komplexität sorgt. Kein Zufall war es, dass dies bereits die zweite Genossenschaft im Angebot war: Südtirol ist stark genossenschaftlich geprägt – im Durchschnitt bewirtschaftet ein Weinbauer in Südtirol etwa einen Hektar, da lohnt sich der Zusammenschluss.Die zwölf Kellereigenossenschaften keltern etwa 70 Prozent der Weine (rund 25 Prozent kommen von Weingütern, etwa fünf Prozent von den sogenannten freien Weinbauern). Schreckbichl ist übrigens die jüngste der zwölf Genossenschaften. Zum Wein gab's eine Suppe (Getrüffelte Kartoffel-Lauchsuppe) – und was mich überraschte: während ich normalerweise bei Suppe und Wein Trennkost betreibe – also erst Wein, dann Suppe, dann wieder Wein –, harmonierte dieser Chardonnay ideal mit der Suppe. Lag vielleicht am Trüffel-Anteil ;-)

Die Kellerei Sankt Pauls in Eppan hat mit dem Schliff einen Sauvignon Blanc geschaffen, dessen Charakter typisch Südtirol ist – anders, als die Sauvignons aus anderen Anbaugebieten. Wir hatten ein Glas vom 2023er Jahrgang, der am Gaumen eine seidig-elegante Textur zeigte, gepaart mit der klaren alpinen Säure und mineralischen Noten. Die Trauben stammen aus ausgewählten Parzellen oberhalb von St. Pauls. Die Weinberge liegen auf 420 bis 490 Metern Höhe und sind südöstlich ausgerichtet. Ihre Böden bestehen aus kalkreichem Moränenschutt mit großen Porphyrblöcken – Hinterlassenschaften der eiszeitlichen Landschaftsbildung. Ein feiner Begleiter zum Zanderfilet auf Kürbiskraut – bei dem das Kürbiskraut einen Extra-Applaus bekam: so kann (und sollte!) Kürbis schmecken!
Ein 2025 Ritterhof Gewürztraminer bildete den Abschluss der vier Weine. Die Sorte zeigt ein intensives Duftbild, das an Rosenblüten, Nelken und Geranien erinnert. Hinzu kommen häufig Litschi und andere exotische Früchte. Am Gaumen wirkt Gewürztraminer aromatisch und würzig, mit reifer Frucht und einer für Südtirol typischen Verbindung aus Fülle und Frische. Am Ritterhof mit Blick auf den Kalterer See genossen, schmeckt der sicher auch solo – aber zum Apfel-Crumble mit Vanille-Eis war das auch was zum Nachschenken…
Unser Probeessen mit Pressekonferenz fand Anfang September statt – da gab es natürlich andere Gerichte auf der Karte als Ende Oktober/Anfang November.Deswegen sieht das aktuelle Setting für Südtirol by the Glass im Bülow Palais etwas anders aus:
- Alois Lageder Chardonnay DOC 2025 Gebeizter Lachs, Kokos, Limette, Gurke & Minze
- Gewürztraminer Alto Adige DOC 2024 | WG Peter Zemmer Süßkartoffelschaumsuppe, Sesam & Dattel
- Rubeno Lagrein Alto Adige DOC 2025 | Cantina Andrian Kalbsbacke, Balsamicolinsen & Pastinake
- Süßwein-Cuvée „Sias“ 2025 | Kellerei Meran Burggräfler Apfel-Crumble mit Vanille
Infos
- High Wine im Bülow Palais, täglich ab 15 Uhr, 45 Euro p. P.,
- Alle Stationen der Südtirol by the Glass Tour vom 23. Oktober bis 8. November 2026
Bülow Palais/Caroussel Nouvelle
Königstraße 14
01097 Dresden
Tel. +49 351 / 80030
buelow-palais.de