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Opera bar&dining: Apfel zur Vorspeise, Rotkohl zum Dessert

Restaurant Innen
Saibling | Meerrettich | Apfel | Dill: Vorspeise im Opera (Bild: Ulrich van Stipriaan)
Von: Ulrich van Stipriaan
Kochsternstunden 2026: Viergängiges Menü im Opera am Theaterplatz in Dresden mit überzeugenden Gerichten, herzlichem, flottem Service und präziser Weinbegleitung

Das Opera am Theaterplatz ist – nein, nicht der digitale Zwilling, sondern der kulinarische Zwilling der Herz Bar im Barockviertel. Anspruch der Macher und Atmosphäre durch die Teams und durch die Gäste sind gleich – und zwar in puncto Herzlichkeit (sorry, dummes Namens-Wortspiel), durch Qualität, durch Stimmung. So ein fröhliches mehrsprachiges Geschnatter ohne zu laut zu sein wie bei unserem Besuch für den Kochsternstunden-Test erlebt man selten in Dresden – zu selten. Dass dafür hinter den Kulissen ordentlich gerackert wird, merkt man vordergründig nicht, aber anders geht das ja nicht: trotz vollem Haus und wenig Personal (die Konstante in der Gastro!) erlebten wir einen zügigen Service mit ordentlichen Ansagen – und jener Freundlichkeit, die mit "natürlich" oder "nicht aufgesetzt" zwar korrekt, aber immer noch unzureichend beschrieben ist.  So, wie Maria (bei uns am Tisch) und ihr Kollege (für uns namenlos, weil weiter weg hinter der Theke und immer mal mit Getränken zwischen Cocktail und Kaffee unterwegs) bedienten, wünscht man sich den Service überall: freundlich, flott und auf Augenhöhe!

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Das Menü kommt in vier Gängen und ohne irgendwelche Zusätze. Also kein Brot vorab, kein Sorbet zwischendurch, kein Pre-Dessert oder sonstiger Schnickschnack. Und, hat was gefehlt? Nein. Denn irgendwie passt es zum Stil des Hauses, der sehr geradlinig ist. Ein Blick auf die Karte mit den klaren Preisansagen (alles glatte Zahlen, nix Irgendwas Komma fuffzich oder gar -neunzig) genügt da… Die Frage ist, ob sich das beim Essen fortsetzt.

In der Genießer-Variante mit Weinbegleitung reicht der Service zum Ankommen erst einmal ein Glas des Hauschampagners von Mangin et Fils. Nichts Großartiges, aber ein freundlicher Start in einen Abend. Da wir uns an diesem Abend einmütig (oder besser: zweimütig?) für die nicht-vegatarische und nicht-alkoholfreie Variante des Menüs entschieden hatten, ging's mit einem Saibling los. Vier Tranchen lagen dekorativ im kräutrigen grünen Sud, eine Meerrettich-Schaum-Nocke krönte die Optik, Dill und Apfel rundeten den Geschmack ab. Ein sehr erfrischender Start in den Abend war das, zu dem es eine Weißwein-Cuvée vom Kaiserstuhl gab, die aus vier Rebsorten besteht (wobei die eine, die uns überraschte, nur mit einem Hauch vertreten ist): Grauburgunder, Weißburgunder, Chardonnay – und Scheurebe. Dieser trockene Kabinett zeigte Eleganz und Charakter, wobei das mit dem Charakter nicht nur für die Weinbeschreibung gilt: wie auch der zum Hauptgang servierte Rotwein und der Süße zum Dessert ist er Teil der Kollektion von Taste Five, wo Genießen mit sozialem Engagement verbunden wird. Als Genussbotschafter ist Opera-Co-Gesellschafter Benjamin Biedlingmaier mit dabei – und die Weine fügen sich bestens ins Menü ein (vor allem bei der Ansage "Primitivo zum Hauptgang" kamen uns da ja erst mal Zweifel…).

Bevor die zerstreut werden konnten, gab es einen weinbegleitungsfreien Gang. "Zu viel eigene Geschmacksnuance in der Suppe!", erklärte uns Maria, womit sie zweifelsohne Recht hatte – und Wein ist bei mir im Zusammenhang mit Suppe ja eh meist so ein Trennkost-Ding. Und wo wir schon bei Befindlichkeiten der persönlichen Art sind: eigentlich mag ich Topinambur ja nicht. Aber uneigentlich kommt es wahrscheinlich drauf an, was man draus macht. Bei unserem Besuch sah man durchs offene Fenster am Pass Sven Vogel in der Küche – langjähriger Weggefährte von Benjamin Biedlingmaier und zuletzt Chef im Caroussel Nouvelle im Bülow Palais. Seine Version der Topinambur-Suppe vermochte mich zu überzeugen, und das lag nicht nur (aber auch, *Zwinkersmiley*) an den Beilagen Eigelb (also Ei wachsweich sowie getrocknet und geraspelt), Trüffel (sind wir dekadent? I wo!) und Lauch.

Zum Hauptgang kam der angekündigte apulische Primitivo ins Glas – und  überraschte: nicht so sanftsüß wie sonst gerne serviert, sondern kraftvoll und zugleich ausgewogen am Gaumen. Die Tannine sind weich und gut eingebunden, der Alkohol (immerhin 14%) wirkt erstaunlich harmonisch. Der Abgang ist lang, warm und von dunkler Frucht sowie feiner Würze getragen. Dazu würde man doch gerne was Geschmortes genießen, oder? So ein Zufall: Rinderbäckchen stehen auf dem Zettel und kommen. Eine ordentliche Portion, zwei Saucen, Pastinake aufrecht stehend serviert (ein bissl Spielerei muss sein!). Sensationell saftig und geschmeidig die Backe: streng genommen musste man sie nur anschauen, damit sie zerfiel. Wir nahmen dennoch Messer und Gabel, weil die eh da lagen und die köstliche Backe ja auch zum Mund geführt werden musste.

Wer meint, dass Rotkohl zum Rinderbäckchen passt, irrt durchaus nicht. Aber da gab's ja schon Pastinake. Was also blieb dem Rotkohl anderes übrig, als zum Dessert zu gehen? Klingt komisch, war aber so. Vielleicht hätte mich das auch nicht überraschen sollen, denn das Trio Biedlingmaier–Bellmann–Vogel hatte schon 2016 auf dem Plan – damals gab's Karotte, was wir vor zehn Jahren schon arg verwegen fanden.  Nun also Rotkohl, natürlich in verschiedenen Konsistenzen und erstaunlich desserttauglich. In den kurzen Momenten, wo es mir nach mehr Süße war, nahm ich dann einfach einen Schluck vom Wein. Der kam aus Mallorca, schleppt einen Korb voller Aromen von tropischen Früchten wie Mango, Litschi sowie weißen Steinfrüchten und von Quitten mit und bringt, trotz der Süße, genug Säure mit, um nicht päpsch am Gaumen zu kleben. Dass es ein Orange-Wein aus der autochthonen Prensal Blanc ist, verwunderte dann doch – sehr oft sind solche Weißweine, die eine lange Mazerationszeit auf der Schale genossen haben, ja fragwürdig. Dieser nicht! Klar, sauber, schöne Farbe (wenn's kein Orange wäre, würde man glatt goldgelb sagen 😉 )…

Menü

  • See Saibling | Meerrettich | Apfel | Dill
    ODER
    Rote Bete | Meerrettich | Apfel | Dill
  • Topinambur Suppe
    Trüffel | Eigelb | Lauch
  • Geschmorte Rinderbäckchen
    Pastinake | Miso | Yuzu
    ODER
    Austernpilz | Pastinake | Miso | Yuzu
  • Weiße Schokolade | Rotkohl | Roggen | schwäbischer Honig

Weinbegleitung

  • Champagner
  • 2024 Quattuor in unum, Weißwein Cuvée, Kabinett trocken, Arndt Köbelin, Baden
  • 2021 Primitivo, Apulien
  • Angel Moni Dolç

Info

  • 4-Gang-Menü 65 € | inkl. Glas Champagner zur Begrüßung, Weinbegleitung plus 1 Espresso 109 €

Opera bar&dining
Theaterplatz
01069 Dresden

Tel. +49 351 42417878
opera-dining.bar

[Besucht am 4. März 2026]

Ulrich van Stipriaan
Artikel von

Ulrich van Stipriaan

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