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Stadt stoppt Stolpersteine – Künstler: War zu erwarten

Stadt stoppt Stolpersteine – Künstler: War zu erwarten
Heidenau lässt keine neuen Stolpersteine im Straßenraum zu. Der Künstler Gunter Demnig will «jetzt erst recht» weiter Stolpersteine verlegen. (Archivbild) / Foto: Jens Büttner/dpa
Der Stadtrat von Heidenau bei Dresden lässt keine neuen Stolpersteine im Straßenraum zu. Der Initiator der Gedenksteine, Gunter Demnig, warnt vor Unsichtbarkeit der NS-Opfer und will weitermachen.

Der Künstler Gunter Demnig hat mit deutlicher Kritik auf die Entscheidung des Stadtrats von Heidenau bei Dresden reagiert, keine neuen Stolpersteine im öffentlichen Straßenraum mehr zuzulassen. Er habe mit einem solchen Schritt gerechnet, sagte der Initiator des Stolperstein-Projekts.

«Nach den Wahlerfolgen der AfD war es ja durchaus zu erwarten, dass so etwas passieren wird», erklärte der 78-Jährige aus dem mittelhessischen Alsfeld. Der CDU warf er vor, sich von christlichen Werten entfernt zu haben. Die Partei «sollte ihr C vielleicht streichen. Denn das Christliche haben sie ja wohl hinter sich gelassen.»

Antrag von AfD und CDU mehrheitlich beschlossen

Der Stadtrat der sächsischen Stadt hatte am Donnerstagabend einen entsprechenden Antrag von AfD und CDU mehrheitlich gebilligt. Viele Bürger, Angehörige und Initiativen empfänden diese Form der Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus als nicht angemessen, hieß es darin zur Begründung. Statt weiterer Stolpersteine soll das Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus nach dem Willen der Antragsteller vorzugsweise auf dem Nordfriedhof stattfinden.

Demnig wies diese Alternative zurück. Die Erinnerung müsse dort sichtbar bleiben, wo die Menschen gelebt hätten, sagte er. Stolpersteine brächten die Namen der Opfer und die Vergangenheit in die Gegenwart zurück und machten Geschichte gerade für junge Menschen vor Ort greifbar. Ein Mensch sei erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist. Besonders Angehörige wünschten sich die Steine. Er hoffe, das Verbot in Heidenau bleibe eine Ausnahme, sagte der Künstler. Er werde «jetzt erst recht weitermachen.»

Steine gegen das Vergessen

Auch in München etwa werden keine Stolpersteine auf städtischem Grund verlegt. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hatte die Stolpersteine vehement abgelehnt und sich für aus ihrer Sicht würdigere Alternativen ausgesprochen.

Die Erinnerungsform der Stolpersteine gibt es bereits seit den 1990er Jahren und in vielen europäischen Ländern. Die in der Regel spendenfinanzierten kleinen Steine werden am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort von Opfern des Nationalsozialismus verlegt – deren Namen und Lebensdaten stehen auf einer Messingplatte auf der Oberseite der Steine.

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