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Thomas de Maizière: «Deutsche Einheit bleibt ein Wunder»

Thomas de Maizière: «Deutsche Einheit bleibt ein Wunder»
«Die deutsche Einheit bleibt für mich ein Glücksfall der Geschichte», sagt der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière / Foto: Katharina Kausche/dpa
Warum der Tag der Deutschen Einheit für den früheren sächsischen Minister und Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière ein echtes Wunder ist – und was er über innere Einheit und Ostdeutsche sagt.

Mit Gedenkveranstaltungen, Konzerten und Gottesdiensten ist in Sachsen der Tag der Deutschen Einheit gefeiert worden. Die deutsche Einheit bleibe für ihn ein Glücksfall der Geschichte, sagte der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei der traditionellen Feierstunde im sächsischen Landtag in Dresden. 

«Die deutsche Einheit aus eigenem politischem Willen, im Einvernehmen mit allen unseren Nachbarn und mit der Sowjetunion und mit tatkräftiger Unterstützung der USA friedlich herbeigeführt zu haben, das ist nicht nur eine große staatspolitische und historische Leistung aller daran Beteiligten, sondern für mich wirklich ein Wunder.»

Es habe aber auch einige Fehler im insgesamt erfolgreichen Einigungsprozess gegeben, erläuterte de Maizière (CDU), der auch in Sachsen mehrere Ministerposten innehatte. Zwar sei die staatliche Einheit vollendet, aber nicht die innere Einheit. «Das kann auch gar nicht anders sein. Innere Einheit kann man nicht vollenden.» Viele Westdeutsche erwarteten, dass die Ostdeutschen irgendwie so werden wie sie. «Wer Augenhöhe fordert, befindet sich schon nicht auf Augenhöhe.»

Neue Generation fordert nicht Augenhöhe ein, sondern lebe sie

Es brauche mehr Zusammenhalt, betonte de Maizière. Es gebe nun eine neue Generation, die als Kinder oder Jugendliche in der DDR sozialisiert wurde, aber im vereinten Deutschland ausgebildet und das Erwachsenwerden erlebt habe. «Das ist eine zunehmend selbstbewusste Generation. Sie besetzt nach und nach Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie ist stolz darauf, sich als ostdeutsch zu bezeichnen, aber das ist nicht spalterisch oder abgrenzend gemeint.» Sie forderten nicht Augenhöhe ein, sondern lebten sie.

Die Menschen erwarten keine Anerkennung der Lebensleistung durch die Westdeutschen, sondern zeigen, dass sie in vielem besser, stärker und auch ein Stück härter seien. «Sie sind ostdeutsche Deutsche. Ich freue mich auf diese Generation. Das ist Zusammenhalt trotz Unterschiedlichkeiten.»

Starke Rolle in der EU, Nato und in der Welt gefordert

Der Festredner betonte, dass der Tag der Deutschen Einheit nicht allein den Deutschen gehöre. «Deutschland ist auf die Welt verwiesen; historisch, geografisch, politisch, kulturell, ökonomisch. Wir können alleine wenig ausrichten. Und auch nicht alleine unseren Wohlstand erhalten und die sozialen Sicherungssysteme finanzieren.»

Es liege im nationalen Interesse, auf die Welt zu schauen und eine starke Rolle in der EU, in der Nato und in der Welt wahrzunehmen. «Das ist für mich eine patriotische Haltung. Schwarz-rot-gold ist die Farbe der Freiheit und der Verantwortung.»

Zuvor hatte Landtagspräsident Alexander Dierks (CDU) zum Zusammenhalt aufgerufen. Der 3. Oktober erinnere daran, «welch großer Wert in Freiheit und Demokratie steckt». Die zentrale deutsche Einheitsfeier fand in diesem Jahr in Bremen statt.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) betonte, dass der Tag der Deutschen Einheit verbinde. «Wir sind heute von Freunden umgeben», die Europäische Union habe Sicherheit und Wohlstand gegeben. Nun müsse das Positive, das Verbindende herausgestellt werden. «Wir müssen die Weichen auf Wachstum stellen.»

Was wird am Tag der Deutschen Einheit gefeiert?

Am 3. Oktober 1990 trat der Einigungsvertrag zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Mit ihm war die staatliche Einheit Deutschlands nach mehr als 40 Jahren der Teilung wiederhergestellt. Berlin wurde zur Hauptstadt des vereinigten Deutschlands, der 3. Oktober als deutscher Nationalfeiertag festgelegt. 

Was bedeutet das?

Der 3. Oktober ist der einzige bundesrechtlich festgelegte Feiertag, alle anderen sind Sache der Bundesländer. Zuvor war in Westdeutschland der 17. Juni als «Tag der Deutschen Einheit» begangen worden - zur Erinnerung an den Aufstand in der DDR am 17. Juni 1953. 

Warum feiern wir nicht am 9. November - dem Tag des Mauerfalls?

Der Tag des Falls der Berliner Mauer wäre ein naheliegendes Datum für den Tag der Deutschen Einheit gewesen. Doch an diesem Tag wird auch an die Novemberpogrome rund um den 9. November 1938 gedacht, bei denen die Nationalsozialisten Jüdinnen und Juden verfolgten, ihre Synagogen, Geschäfte und Wohnhäuser zerstörten und verwüsteten. Damit wurde die systematische Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung intensiver. Ein nationaler Feiertag mit festlichem Charakter hätte diesen dunklen Jahrestag überlagern können.

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