Gediegen geht es zu im Restaurant Das Palais im Kempinski Taschenbergpalais. Formvollendeter Service gehört dazu, auch wenn der manchmal ein wenig altbacken-steif wirkt: die Bedienung könnte einen ja schlicht mit „Sie“ anreden und dabei ansehen, oder gar (wie weiland im Adlon, auch ein Kempinski) mit Namen ansprechen – haben doch alle reserviert, wäre also kein Hexenwerk. Aber statt dessen bevorzugt man „Der Herr! Die Dame!“ und fragt, nicht mehr ganz so distanziert und schon etwas vereinnahmend: „Wollen wir den Wein jetzt probieren?“ Um Himmels Willen nein, nicht wir! Ich will den allein probieren! War ja auch nicht so gemeint mit dem „wir“ – aber wer weiß, vielleicht antworte ich beim nächsten Mal einfach: „Gerne, setz Dich doch zu mir!“
Damit war die Vernunft auch ausgelastet und zog sich zurück, als es um die Frage der Weinbegleitung ging: natürlich gerne, natürlich volles Programm! Das lohnt sich eigens zu erwähnen, weil es bei drei von den fünf Weinen sächsische Winzer waren, die das Team ausgesucht hatte. Das ist bemerkenswert und auch schön, wenn man bedenkt, dass das Wissen um hiesigen Wein ja bundesweit eher gen Null tendiert – und selbst wer weiß, dass es hier Wein gibt, glaubt ja oft nicht, dass man den trinken kann oder gar sollte. Über die Auswahl der Winzer und Weine könnte man immer noch lange reden, aber das geht dann schon ins nerdische Kleinklein. Also erst mal alles gut.
Weine aus Sachsen – sogar ein roter ist dabei
Zur Vorspeise gab es einen Regent vom Weingut Matyas aus dem Jahrgang 2022 – also nicht mehr ganz so jung. Für die Touristen am Nebentisch eine doppelt bis dreifache Überraschung, denn erstens war auch ihnen sächsischer Wein nicht so arg präsent, zweitens kam die Verwunderung über „ach Rotwein gibt’s hier auch!“ hinzu und drittens hatten sie offenbar noch nie bewusst Regent im Glas gehabt. Man bestellt sich ja lieber ziel- und stilsicher einen Taittinger als einen Regent! Dass ein Fünftel aller Reben in Sachsen Rotweinsorten sind, glauben ja selbst Winzer und Sommeliers manchmal nicht, und dass in den vergangenen Jahren von den (wenigen) Neupflanzungen etwa die Hälfte rote Sorten waren, weiß auch keiner (also jetzt ja schon…). Zur Ente, die den Hauptbestandteil des von Nori-Algen kunstvoll zusammengehaltenen Mosaiks (außer Ente: Schwarzwurzel) war das ein perfect match! Der Teller war übrigens mit allerlei von der Erdnuss, Tamarinde, Orange und einem luftigen Ingwer-Schaum zu einem herrlichen Bild arrangiert worden, fast zu schön zum Essen…