Wenigstens einer im Dynamo-Lager konnte dem 1:1-Unentschieden beim VfL Osnabrück etwas Gutes abgewinnen. Ja, er war sogar zufrieden. Und er trug nicht das gelbe Leibchen, sondern Orange. Dresdens Torhüter Lennart Grill feierte an der Bremer Brücke eine Art Wiederauferstehung. 314 Tage nach seiner schweren Knieverletzung stand Grill wieder in einem Pflichtspiel zwischen den Pfosten. Völlig unerwartet für ihn und das Dynamo-Umfeld. «Ich habe es am Freitagabend erfahren. Ich war extrem überrascht, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber es ist schön, dass sich die ganze Arbeit ausgezahlt hat», sagte der Keeper, der am 30. November vergangenen Jahres gegen Fortuna Düsseldorf kurz vor Abpfiff einen Patellasehnenriss erlitten hatte. Grill war da, wenn er gebraucht wurde, beim Gegentor von Robin Fabinski (87.) war er machtlos, weil die Zuordnung bei einer Flanke nach einem Eckball mal wieder in dieser Saison nicht stimmte. «Es war so ein typisches Spiel, wenn man über 300 Tage raus war. Ich musste erst mal wieder das Gefühl bekommen. Für das erste Spiel war es okay, auch wenn es ein ärgerliches Tor war. Für mich überwiegt heute die Freude. Den einen Punkt nehmen wir mit», sagte der 27-Jährige. Seine Rotation ins Tor sollte den bislang unter dem Tabellenradar fliegenden Dresdnern einen neuen Schub geben, das bislang schwache Abwehrverhalten festigen. «Es geht darum, Stabilität reinzubekommen. Ich glaube, wir haben einen Schnitt von zwei Gegentoren in den ersten sechs Spielen. Manchmal sind Impulse entweder mit einer Umstellung, was die Taktik, also die Grundformation, anbelangt, oder eben personell immer mal wieder hilfreich, um ein Stück weit Stabilität zu finden. Und die habe ich heute gesehen, was nicht heißt, dass die Entscheidung richtig war», sagte Dynamo-Trainer Thomas Stamm. Was immer das heißen mag - auch für den auf die Reservebank verbannten Tim Scheiber. Prinzipiell hatte er ein gutes Spiel seiner Mannschaft gesehen, nur dass man die Führung durch Niklas Hauptmann (38.) weder ausbauen noch über die Ziellinie bringen konnte. Zehn Punkte haben die Sachsen in dieser Saison bereits auf diese Weise verloren. Der Mannschaft fehle die Überzeugung und der Mut. Sie habe das Gefühl, etwas verlieren zu können. «Da geht es um die Konsequenz, wie wir Fußball spielen wollen, wie wir unseren Spielvortrag am Ende des Tages dann auch sehen. Und da waren wir in der Schlussphase einfach nicht so gut mit Ball. Es gibt nach einer gewissen Menge an Spielen immer wieder Statistiken. Das ist so», sagte Stamm und wirkte etwas ratlos. Eine Sache, die man 1:1 auf die vergangene Saison übertragen kann. Auch da hatte Dynamo nach sieben Partien nur fünf Punkte, auch da klappte es weder hinten noch vorn so richtig. Und Stamm hatte bereits da dieselben Begründungen wie jetzt. Sich wieder darauf zu verlassen, dass es mit einer genialen Rückrunde nochmals was werden kann mit dem Klassenverbleib, ist gefährlich. Am Sonntag kommt der vor Selbstbewusstsein strotzende 1. FC Magdeburg zum Elb-Classico nach Dresden. Ein schon jetzt richtungweisendes Spiel. Osnabrück-Trainer Timo Schultz jedenfalls verabschiedete Stamm mit den Worten: «Ich denke, wir sehen uns beim Rückspiel.» Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenDebüt ohne viel Schatten - aber auch nicht spektakulär
Dynamo fehlt nach der Pause wie so oft der Mut