Logo Die Sachsen News

Tschechien reformiert Gehälter im öffentlichen Dienst

Gebäude der Straka-Akademie in Prag, dem Sitz der tschechischen Regierung, mit historischer Fassade und Kuppel.
Die tschechische Regierung will die Gehaltstabellen im öffentlichen Dienst ab Januar 2027 neu ordnen. Die Straka-Akademie in Prag ist Sitz der Regierung. Foto: BRFBlake / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
In Tschechien sollen ab Januar 2027 neue Gehaltstabellen für den öffentlichen Dienst gelten. Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgeber haben sich auf eine Reform verständigt. Während für viele Beschäftigte höhere Grundgehälter vorgesehen sind, bleibt offen, wie stark die tatsächlichen Bezüge steigen.

Prag. In Tschechien sollen sich die Gehälter im öffentlichen Dienst ab Januar 2027 nach neuen Tabellen richten. Vertreter der Regierung, der Gewerkschaften und der Arbeitgeber haben sich am 19. Oktober auf die geplante Umstellung verständigt, wie die Nachrichtenagentur ČTK berichtet. Die tariflichen Grundbeträge sollen für die meisten Beschäftigten steigen und für niemanden sinken. Allerdings bedeutet ein höherer Tarif nicht automatisch, dass auch das gesamte Gehalt entsprechend wächst. 

Die Reform betrifft die Bezahlung von Beschäftigten in staatlichen Einrichtungen und öffentlichen Dienstleistungen. Dazu gehören unter anderem Verwaltungsmitarbeiter, Beschäftigte im Gesundheitswesen, in sozialen Einrichtungen und in der Kultur. Nach Angaben des tschechischen Arbeitsministeriums arbeiten rund 858.000 Menschen in öffentlichen und staatlichen Diensten.

Ein wesentlicher Grund für die Neuregelung ist die bisherige Struktur der Gehaltstabellen. Zahlreiche tarifliche Grundbeträge liegen unter dem gesetzlichen Mindestlohn oder den vorgeschriebenen Gehaltsuntergrenzen. Arbeitgeber müssen diese Differenz bislang durch zusätzliche Zahlungen ausgleichen.

Ab Januar soll der niedrigste Tarif bei 24.900 Kronen liegen. Das entspricht dem für 2027 vorgesehenen tschechischen Mindestlohn. Dieser beträgt derzeit 22.400 Kronen. Die Reform soll dafür sorgen, dass die tarifliche Einstufung künftig besser mit den gesetzlichen Gehaltsuntergrenzen übereinstimmt.

Außerdem ist vorgesehen, die Zahl der Erfahrungsstufen von zwölf auf acht zu reduzieren. Beschäftigte sollen künftig nach jeweils fünf Jahren Berufserfahrung in eine höhere Stufe wechseln. Zwischen den Gehaltsklassen soll ein Abstand von mindestens vier Prozent bestehen. Die besonderen Vergütungsregeln für Lehrer sind von dieser Umstellung nicht betroffen. 

Nach Angaben von Jiří Horecký, Präsident des tschechischen Arbeitgeberverbandes für öffentliche Dienstleistungen, könnten die tariflichen Veränderungen je nach Tätigkeit und Einstufung zwischen null und etwa 9.000 Kronen betragen. Die tatsächliche Entwicklung der Gehälter hängt jedoch auch davon ab, wie bisherige Zulagen und andere Gehaltsbestandteile künftig berücksichtigt werden.

Die Gewerkschaften hatten deshalb gefordert, dass nicht nur die Grundbeträge steigen, sondern auch die gesamten Bezüge der Beschäftigten. Sie befürchten, dass höhere Tarife teilweise durch eine Verringerung anderer Gehaltsbestandteile ausgeglichen werden könnten. Die Regierung hatte bereits eingeräumt, dass einzelne Beschäftigte durch die Umstellung keine tatsächliche Gehaltserhöhung erhalten könnten.

Finanzministerin Alena Schillerová und Arbeitsminister Aleš Juchelka von der Regierungspartei ANO stellten nach den Verhandlungen die Einigung auf die neuen Gehaltstabellen vor. Die Umstellung soll die bisherigen Unterschiede im Vergütungssystem verringern und die Bezahlung transparenter gestalten.

Die geplante Reform muss noch im vorgesehenen Gesetzgebungsverfahren umgesetzt werden. Eine entsprechende Änderung des Arbeitsgesetzbuches wird im tschechischen Abgeordnetenhaus beraten.