Logo Die Sachsen News

Crystal Meth im Osten: Was Tomatolix in Chemnitz herausfindet

Tomatolix INSIDE: Wilder Osten
Tomatolix recherchiert in Chemnitz zu Crystal Meth und seinen Folgen. Bild: https://www.youtube.com/tomatolix
Crystal Meth gilt als eine der gefährlichsten Drogen Deutschlands. Doch wer konsumiert sie und warum ist sie gerade im Osten so verbreitet? Für seine Serie „INSIDE: WILDER OSTEN“ reist Tomatolix nach Chemnitz und trifft Menschen, deren Leben von der Droge geprägt wurde. Ihre Geschichten zeigen, wie nah Rausch, Leistungsdruck und Abhängigkeit beieinanderliegen können.

Sachsen. Crystal Meth, lange Nächte und Menschen, deren Leben von einer der gefährlichsten Drogen geprägt wird: Mit seiner YouTube-Reihe „INSIDE: WILDER OSTEN“ reist Tomatolix nach Chemnitz, um herauszufinden, warum Crystal Meth besonders in Ostdeutschland verbreitet ist. Dabei trifft er auf einen Suchtforscher, ehemalige und aktive Konsumenten sowie einen Musikproduzenten, für den die Droge zum Alltag gehört.

Crystal Meth in Chemnitz: Wie gefährlich ist die Droge wirklich?

Crystal Meth gilt als eine besonders starke und lang wirkende synthetische Droge. Bilder von stark gezeichneten Konsumenten und Darstellungen in Serien wie „Breaking Bad“ haben das öffentliche Bild der Substanz geprägt. Doch wie sieht die Realität tatsächlich aus? Und warum spielt Crystal Meth gerade in Sachsen eine so große Rolle?

Diesen Fragen geht Tomatolix in der neuen Folge von „INSIDE: WILDER OSTEN“ nach. Seine Reise führt ihn nach Chemnitz, das er als Ausgangspunkt seiner Recherche wählt. Dort möchte er nicht nur die Wirkung der Droge verstehen, sondern auch herausfinden, welche Menschen sie konsumieren und welche Gründe hinter ihrem Konsum stehen.

Zu Beginn des Videos erklärt er, dass er sich mit der Frage beschäftigt, wie wirkt Crystal, wieso ist es gerade im Osten von Deutschland so beliebt und wie gefährlich ist es wirklich?

Zunächst fällt ihm allerdings auf, dass die Situation rund um den Chemnitzer Hauptbahnhof ganz anders wirkt als erwartet. Er beschreibt den Bahnhof als ungewöhnlich ruhig und sauber. Für einen Hauptbahnhof ist hier extrem wenig los und es ist sehr sauber.

Auf der Straße sind kaum Menschen zu sehen, die dem Bild entsprechen, das viele mit einer Drogenszene verbinden. Schon zu Beginn wird damit deutlich, dass sich problematischer Konsum nicht unbedingt im öffentlichen Raum abspielen muss.

Um mehr über die Substanz zu erfahren, trifft Tomatolix anschließend Professor Dr. Mühlig, einen Suchtforscher, der unter anderem Menschen mit Crystal-Abhängigkeit behandelt.

Dieser erklärt, dass Crystal Meth ein besonders starkes Aufputschmittel ist. Methamphetamin ist halt noch mal besonders potent. Ja, es wirkt besonders stark und eben auch sehr langhaltend.

Die Substanz ist keineswegs neu. Ihre Geschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Auch in Deutschland wurde Methamphetamin früher unter dem Namen Pervitin verkauft und war zeitweise als Medikament erhältlich. Heute ist Crystal Meth vor allem als illegale Droge bekannt, deren Konsum erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringt.

Für Tomatolix stellt sich damit die Frage, weshalb Menschen eine Substanz konsumieren, deren mögliche Folgen so schwerwiegend sein können. Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus. Manche Menschen suchen den Rausch, andere wollen leistungsfähiger sein oder versuchen, mit persönlichen Problemen zurechtzukommen.

Ein ehemaliger Crystal-Konsument erzählt von seiner Vergangenheit

Um die Wirkung und die Folgen des Konsums besser zu verstehen, trifft Tomatolix Sebastian. Dieser hat mehr als zehn Jahre lang Crystal konsumiert und beschäftigt sich inzwischen beruflich mit der Aufklärung über die Droge.

Bereits 2014 veröffentlichte er seinen Debütroman „Zone C“, in dem er seine Erfahrungen verarbeitet. Außerdem besucht er Schulen, um über seine Vergangenheit und die Gefahren von Crystal Meth zu sprechen.

Sebastian schildert zunächst, warum die Droge für ihn früher so attraktiv war. Sie habe ihm das Gefühl gegeben, besonders leistungsfähig zu sein und stundenlang aktiv bleiben zu können.

Wenn ich auf Crystal war, war meine Wohnung picobello sauber. Ich habe früh um 4 Uhr mit der Zahnbürste jede Fuge, jede Fliese meines Badezimmers geschrubbt.

Auch alltägliche Aufgaben hätten sich unter dem Einfluss der Droge anders angefühlt. Selbst monotone Tätigkeiten seien für ihn plötzlich interessant und befriedigend gewesen. Rückblickend beschreibt Sebastian, wie stark die Substanz sein Verhalten beeinflusst hat.

Sein eigener Konsum begann 1997. Damals habe er zunächst andere Substanzen genommen und sei schließlich bei Crystal gelandet. Zu diesem Zeitpunkt sei ihm nicht bewusst gewesen, mit welcher Droge er es tatsächlich zu tun hatte.

Wir dachten, es ist halt ein bisschen potenteres Amphetamin, aber es hat dermaßen geballert.

Sebastian erklärt, dass Crystal bei ihm einen besonders starken Eindruck hinterlassen habe. Die Erfahrung habe sich tief in sein Gedächtnis eingeprägt und den weiteren Konsum begünstigt.

Im Gespräch wird deutlich, dass die Droge nicht nur kurzfristige Auswirkungen hatte. Sie beeinflusste seine Freizeit, seine Arbeit und seine Beziehungen. Sebastian berichtet von Phasen, in denen er über mehrere Tage hinweg konsumierte und kaum Schlaf bekam.

Rückblickend bewertet er dieses Verhalten kritisch. Als er alte Fotos aus dieser Zeit betrachtet, wird ihm deutlich, wie sehr ihn der Konsum verändert hatte. Eigentlich war das völlig dumm, das zu nehmen.

Seine Geschichte zeigt, wie aus anfänglicher Neugier und vermeintlichen Vorteilen eine Abhängigkeit entstehen kann, die zunehmend das gesamte Leben bestimmt.

Warum ist Crystal Meth besonders im Osten verbreitet?

Eine zentrale Frage der Reportage ist, weshalb Crystal Meth gerade in Sachsen und den angrenzenden Regionen so präsent ist.

Sebastian sieht mögliche Ursachen auch in den gesellschaftlichen Veränderungen nach der Wiedervereinigung. Er beschreibt, wie viele Menschen nach dem Ende der DDR ihre Arbeitsplätze und bisherigen Lebensperspektiven verloren hätten.

Für Hunderttausende von Menschen sind Lebenskarrieren von heute auf morgen verschwunden.

Der Umbruch habe bei manchen Menschen Unsicherheit und Enttäuschung ausgelöst. Sebastian vermutet, dass solche Erfahrungen dazu beigetragen haben könnten, dass einige Menschen nach einem Ausweg aus ihrer Situation suchten.

Er betont jedoch auch, dass es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren handelt. Die Geschichte Ostdeutschlands allein könne den Konsum nicht erklären.

Professor Dr. Mühlig nennt einen weiteren wichtigen Grund: die geografische Nähe zu Tschechien. Dort sei die Herstellung von Crystal Meth aufgrund der Verfügbarkeit bestimmter Ausgangsstoffe lange Zeit vergleichsweise einfach gewesen.

Das ist eine gute Frage. Es gibt eigentlich nur eine plausible Erklärung. Das ist die Nähe zur tschechischen Grenze.

Besonders betroffen seien neben Chemnitz auch ländliche Gebiete wie das Vogtland und das Erzgebirge. Der Suchtforscher erklärt, dass dort die Zahl der Menschen, die entsprechende Hilfsangebote in Anspruch nehmen, gemessen an der Einwohnerzahl teilweise noch höher sei als in den größeren Städten.

Damit widerspricht die Situation einem verbreiteten Bild, nach dem harte Drogen vor allem ein Problem großer Städte seien. In Sachsen sei Crystal Meth auch außerhalb urbaner Zentren ein ernst zu nehmendes Thema.

Mühlig nennt verschiedene mögliche Gründe für die Verbreitung auf dem Land. Dazu könnten fehlende Freizeitangebote gehören. Außerdem gebe es Berichte von Menschen aus der Landwirtschaft, die die Droge nutzten, um früh am Morgen leistungsfähig zu sein.

Die Ursachen sind damit vielfältig. Neben der regionalen Verfügbarkeit können auch persönliche Lebensumstände, beruflicher Druck und gesellschaftliche Veränderungen eine Rolle spielen.

Zwischen Rausch und Kontrollverlust: Die Auswirkungen auf Beziehungen

Im Gespräch mit Sebastian geht es auch um die Auswirkungen von Crystal Meth auf Sexualität und zwischenmenschliche Beziehungen.

Der ehemalige Konsument berichtet, dass die Droge sein sexuelles Verlangen stark verstärkt habe. Gleichzeitig habe sie sein Verhalten gegenüber anderen Menschen verändert. Rückblickend beschreibt er Situationen, in denen seine eigenen Bedürfnisse im Mittelpunkt standen und er die Gefühle anderer kaum noch berücksichtigt habe.

Ich habe diese Frauen eigentlich objektiviert.

Heute blickt Sebastian mit Bedauern auf diese Zeit zurück. Er beschreibt sich selbst als einen Menschen, dessen Verhalten unter dem Einfluss der Droge stark verändert gewesen sei.

Auch der Suchtforscher erklärt, dass Crystal Meth das sexuelle Empfinden und die Enthemmung beeinflussen kann. Gleichzeitig werde das Schmerzempfinden reduziert. Dadurch könnten Verletzungen entstehen, die während des Konsums zunächst nicht ausreichend wahrgenommen würden.

Darüber hinaus könne die intensive Wirkung der Substanz dazu führen, dass gewöhnliche Formen von Nähe und Zärtlichkeit weniger befriedigend erscheinen. Sebastian berichtet, dass er nach seinem Ausstieg erst wieder lernen musste, Gefühle auf natürliche Weise zuzulassen.

Nach meinem Ausstieg musste ich ja wirklich ein, zwei Jahre erstmal wieder lernen, authentisch Gefühle zu entwickeln.

Für ihn gehört dieser Prozess zu den Folgen, die weit über den eigentlichen Rausch hinausgehen. Die Droge habe nicht nur seinen Alltag bestimmt, sondern auch beeinflusst, wie er Beziehungen erlebt und gestaltet.

Der Suchtforscher warnt zudem davor, die Wirkung zu unterschätzen. Gerade die intensive Aktivierung des Belohnungssystems könne dazu beitragen, dass Menschen die Erfahrung nicht vergessen und den Wunsch entwickeln, sie erneut zu erleben.

Crystal Meth im Alltag: Wenn die Droge beim Arbeiten helfen soll

Dass Crystal-Konsumenten nicht immer dem verbreiteten Klischee entsprechen, zeigt die nächste Begegnung. Tomatolix trifft die 23-jährige Klara, die anonym bleiben möchte, weil sie berufliche und private Konsequenzen fürchtet, sollte ihr Umfeld von ihrem Konsum erfahren.

Bis kurz vor dem Gespräch habe kaum jemand aus ihrem persönlichen Umfeld davon gewusst. Sie berichtet, dass sie Crystal Meth unter anderem einnimmt, um ihren Arbeitsalltag zu bewältigen.

Mir hilft das im Arbeitsalltag, vor allen Dingen, wenn ich Spätschicht habe.

Klara arbeitet im IT-Bereich und beschreibt, dass ihr die Droge dabei helfe, sich auf Aufgaben zu konzentrieren und Müdigkeit zu überwinden. Auch bei alltäglichen Tätigkeiten, die ihr schwerfallen, verspricht sie sich davon Unterstützung.

Ihr erster Kontakt mit Crystal Meth sei allerdings nicht freiwillig gewesen. Sie erzählt, dass ihr damaliger Freund sie im Alter von 17 Jahren zum Konsum gedrängt habe.

Das war mein Exfreund, der mich gezwungen hatte, das zu nehmen, damit ich mehr aushalte.

Zwischenzeitlich habe sie versucht, mit dem Konsum aufzuhören. Während der Arbeit an ihrer Bachelorarbeit habe sie jedoch wieder angefangen. Inzwischen beschreibt sie ihren Konsum als regelmäßig und berichtet, dass sie die Droge zuletzt täglich genommen habe.

Besonders auffällig ist, dass Klara trotz ihrer Erfahrungen die möglichen langfristigen Folgen teilweise verdrängt. Sie spricht über gesundheitliche Probleme in ihrer Familie und äußert Zweifel daran, besonders alt zu werden.

Vielleicht, weil ich auch gar nicht so Lust habe, so richtig alt zu werden.

Ihre Aussagen machen deutlich, dass hinter dem Konsum mehr stecken kann als der Wunsch nach einem Rausch. Auch Überforderung, psychische Belastungen und ein schwieriges Verhältnis zur eigenen Zukunft können eine Rolle spielen.

Gleichzeitig wird sichtbar, wie leicht die Droge in den Alltag integriert werden kann, wenn sie zunächst als Hilfsmittel für Arbeit und Haushalt wahrgenommen wird. Die vermeintliche Unterstützung kann dabei zunehmend zur Abhängigkeit führen.

Zwischen Kreativität und Abhängigkeit: Ein Musikproduzent berichtet

Die nächste Begegnung führt Tomatolix zu Leon, einem Musikproduzenten, der vor allem Harttech produziert. In seinem Homestudio arbeitet er an elektronischer Musik und berichtet, dass Crystal Meth auch in seinem persönlichen Umfeld eine Rolle spielt.

Leon erklärt, dass er die Droge regelmäßig konsumiert und sie als eine Art Selbstmedikation versteht. Er habe von Natur aus mit Antriebslosigkeit zu kämpfen und empfinde Crystal als Möglichkeit, damit umzugehen.

Ich habe so eine Antriebslosigkeit von Natur aus, die bekämpfe ich halt damit.

Auch seine Kreativität werde dadurch aus seiner Sicht beeinflusst. Er habe das Gefühl, unter dem Einfluss der Substanz Ideen umzusetzen, die ihm sonst möglicherweise nicht gekommen wären.

Doch Leon berichtet auch von negativen Auswirkungen. Durch den Konsum verliere er häufig das Hungergefühl und nehme körperliche Warnsignale nicht mehr ausreichend wahr. Wenn er nicht bewusst auf seine Ernährung und Flüssigkeitszufuhr achte, könne das erhebliche Folgen haben.

Trotz dieser Erfahrungen fällt es ihm schwer, den Konsum aufzugeben. Auf die Frage, warum er weiterhin Crystal nehme, obwohl er bereits negative Auswirkungen bemerke, antwortet er:

Das ist mein Tool, um zu funktionieren in der Gesellschaft.

Die Aussage verdeutlicht, wie stark sich die Wahrnehmung der Droge verändern kann. Was zunächst als Unterstützung erscheint, wird für Leon zu einem vermeintlich notwendigen Bestandteil seines Alltags.

Gleichzeitig denkt er über seine Zukunft nach. Seit er Vater geworden ist, möchte er seinen Konsum zumindest einschränken. Wenn sein Kind bei ihm sei, verzichte er nach eigenen Angaben auf die Droge.

Das heißt, dein Kind motiviert dich auch ein bisschen, deinen Konsum einzuschränken, fragt Tomatolix. Leon bestätigt das ausdrücklich.

Seine Geschichte zeigt, dass Menschen durchaus erkennen können, dass ihr Konsum problematisch ist, ohne sofort damit aufhören zu können. Zwischen dem Wissen um die Risiken und einer tatsächlichen Veränderung liegt häufig ein schwieriger Weg.

Wie gefährlich ist Crystal Meth wirklich?

Nach den Begegnungen mit den Konsumenten beschäftigt sich Tomatolix erneut mit den gesundheitlichen Risiken. Professor Dr. Mühlig erklärt, dass Crystal Meth sowohl kurzfristig als auch langfristig gefährlich sein kann.

Besonders problematisch sei das hohe Suchtpotenzial. Die intensive Wirkung auf das Belohnungssystem könne dazu führen, dass die erste Erfahrung lange im Gedächtnis bleibt.

Das allererste Mal ist das absolut überwältigendste Erlebnis und das wird nicht vergessen.

Der Suchtforscher beschreibt, dass Patienten auch Jahre später noch sehr eindrücklich von ihrem ersten Konsum berichten. Gerade diese Erinnerung könne dazu beitragen, dass Betroffene immer wieder den Wunsch verspüren, die Wirkung erneut zu erleben.

Neben dem Abhängigkeitspotenzial bestehen Risiken für das Herz-Kreislauf-System und weitere Organe. Besonders gefährlich sei, dass Menschen möglicherweise nicht wissen, ob sie bereits an einer Vorerkrankung leiden. Auch ein einmaliger Konsum könne deshalb zu einer ernsthaften gesundheitlichen Situation führen.

Sebastian berichtet ebenfalls von körperlichen Problemen während seiner Konsumzeit. Er beschreibt starke Herzrhythmusstörungen und die Angst vor möglichen lebensbedrohlichen Folgen.

Trotz dieser Angst habe er weiter konsumiert. Für ihn verdeutlicht diese Erfahrung, wie sehr die Abhängigkeit das eigene Verhalten beeinflussen kann.

Du ziehst dir die nächste Line rein mit dem Wissen, es könnte deine letzte sein. Das ist Sucht.

Auch der Ausstieg sei schwierig gewesen. Sebastian erzählt, dass ihn die Droge selbst viele Jahre nach seinem letzten Konsum noch in Träumen beschäftige. Die Erinnerungen seien tief verankert.

Professor Dr. Mühlig erklärt, dass der Weg aus einer Suchterkrankung häufig professionelle Unterstützung erfordert. Dazu können Suchtberatungsstellen, medizinisch begleitete Entzugsbehandlungen und längerfristige Therapien gehören.

Allerdings seien Rückfälle keine Seltenheit. Viele Betroffene benötigten mehrere Anläufe, um dauerhaft abstinent zu bleiben. Das zeige, dass eine Abhängigkeit nicht einfach durch einen einmaligen Entschluss beendet werden könne.

Warum Tomatolix Crystal Meth nicht selbst ausprobiert

Im Laufe der Recherche stellt sich für Tomatolix immer wieder die Frage, ob er Crystal Meth im Rahmen eines Selbstexperiments selbst ausprobieren sollte. Er hat sich bereits in früheren Videos mit verschiedenen Substanzen beschäftigt, um deren Wirkung besser zu verstehen.

Die Gespräche mit den Konsumenten und dem Suchtforscher verändern jedoch seinen Blick auf das Thema. Zwar versteht er, warum die zunächst beschriebenen Effekte für manche Menschen reizvoll erscheinen können. Gleichzeitig wird ihm deutlich, wie schwer die Risiken einzuschätzen sind.

Besonders das hohe Abhängigkeitspotenzial beschäftigt ihn. Leon warnt ihn davor, dass aus einer vermeintlich einmaligen Erfahrung ein dauerhaftes Problem entstehen könnte.

Das größte Risiko würde ich eigentlich sehen, dass du Gefallen dran findest und diese Macht hat die Droge.

Tomatolix fragt nach, was passieren könnte, wenn ihm die Wirkung tatsächlich zu gut gefallen würde. Leon erklärt, dass Menschen dann möglicherweise anfangen könnten, heimlich zu konsumieren und nach außen weiterhin den Eindruck eines normalen Alltags aufrechtzuerhalten.

Diese Möglichkeit ist für den YouTuber ein wichtiger Punkt. Denn die Begegnungen haben gezeigt, dass problematischer Konsum nicht zwangsläufig von außen sichtbar ist. Menschen können arbeiten, Beziehungen führen und ihren Alltag organisieren, während sie gleichzeitig mit einer Abhängigkeit kämpfen.

Am Ende entscheidet sich Tomatolix gegen das Selbstexperiment.

Am Ende habe ich mich deshalb dagegen entschieden, Crystal zu nehmen.

Ausschlaggebend seien nicht nur die Warnungen seiner Gesprächspartner, sondern vor allem die gesundheitlichen Risiken, die er nicht zuverlässig einschätzen könne. Niemand könne im Voraus wissen, wie der eigene Körper und die eigene Psyche auf eine solche Substanz reagieren.

Die Entscheidung markiert den Abschluss seiner Recherche. Statt die Wirkung selbst zu erleben, verlässt er sich auf die Erfahrungen der Menschen, die er getroffen hat, und auf die wissenschaftliche Einordnung des Suchtforschers.

Was sagt Crystal Meth über den Osten aus?

Die Folge von „INSIDE: WILDER OSTEN“ zeigt unterschiedliche Lebensrealitäten im Umgang mit Crystal Meth. Ein ehemaliger Konsument, eine junge Berufstätige und ein Musikproduzent berichten von ihren Erfahrungen und Motiven. Ihre Geschichten unterscheiden sich deutlich, haben aber einen gemeinsamen Punkt: Die Droge wird von ihnen nicht ausschließlich als Rauschmittel wahrgenommen, sondern teilweise auch als vermeintliche Hilfe im Alltag.

Die Reportage macht deutlich, dass sich hinter dem Thema keine einfache Erklärung verbirgt. Die geografische Nähe zu Tschechien, gesellschaftliche Veränderungen nach der Wiedervereinigung, beruflicher Leistungsdruck und persönliche Belastungen können unterschiedliche Rollen spielen.

Dabei widersprechen die Begegnungen auch einem verbreiteten Klischee. Nicht jeder Mensch mit einer Abhängigkeit ist auf den ersten Blick als Konsument zu erkennen. Manche gehen einer Arbeit nach, andere haben Familien oder verfolgen kreative Projekte. Die individuellen Lebensgeschichten zeigen, wie unterschiedlich die Hintergründe einer Suchterkrankung sein können.

Gleichzeitig wird deutlich, wie schwer es sein kann, aus einer Abhängigkeit herauszukommen. Die kurzfristig als positiv empfundenen Wirkungen stehen langfristigen gesundheitlichen, psychischen und sozialen Risiken gegenüber. Besonders das starke Verlangen nach einem erneuten Rausch kann dazu führen, dass Menschen trotz negativer Erfahrungen weiter konsumieren.

Tomatolix zieht am Ende der Folge ein klares Fazit. Er habe nicht nur die gesundheitlichen Risiken besser verstanden, sondern auch erkannt, dass Menschen, die Crystal konsumieren oder abhängig werden, nicht automatisch den gängigen Vorstellungen entsprechen.

Eine Abhängigkeit ist keine bewusste Entscheidung, sondern kann jeden treffen.

Was bleibt von der ersten Folge über Crystal Meth?

Die Dokumentation zeigt, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen, statt Menschen vorschnell zu beurteilen. Die persönlichen Geschichten vermitteln einen Eindruck davon, wie unterschiedlich die Wege in eine Abhängigkeit sein können und wie schwierig es ist, wieder aus ihr herauszufinden.

Dies war allerdings erst die zweite Folge der Serie „INSIDE: WILDER OSTEN“. In den nächsten Folgen werden wir weitere Einblicke in die Lebensrealität Ostdeutschlands bekommen. Am Ende wollen wir dann beurteilen, wie gut Tomatolix den Osten mit seiner Dokumentation tatsächlich getroffen hat und ob seine Darstellung die Lebensrealität der Menschen dort widerspiegelt.

An dieser Stelle können wir dir noch nichts zeigen
Um mit Inhalten von Drittanbietern wie z. B. Facebook, Youtube und anderen zu interagieren oder diese darzustellen, benötigen wir noch Deine Zustimmung.


Hilfe und Beratung bei Suchtproblemen

Wenn du selbst von einer Sucht betroffen bist oder dir Sorgen um einen anderen Menschen machst, musst du damit nicht allein bleiben. Es gibt kostenlose und vertrauliche Beratungsangebote, die dir helfen können, die passende Unterstützung zu finden.

  • Sucht & Drogen Hotline: Telefonische Beratung für Betroffene und Angehörige unter 01806 313031. Kosten: 0,20 Euro pro Anruf aus dem deutschen Festnetz und Mobilfunknetz. Weitere Informationen
  • DigiSucht: Kostenlose und anonyme Online-Beratung zu Sucht, Drogen und anderen Abhängigkeiten. Zur digitalen Suchtberatung
  • Suchtberatungsstellen vor Ort: Über das Suchthilfeverzeichnis lassen sich Beratungsstellen in der eigenen Region finden. Beratungsstelle finden
  • Für Kinder und Jugendliche: Die Nummer gegen Kummer bietet unter 116 111 Unterstützung bei persönlichen Problemen und belastenden Situationen. Weitere Informationen

Sich Hilfe zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche. Ein erstes Gespräch kann ein wichtiger Schritt sein.