Deutsche Behörden ermitteln gegen den langjährigen Chef der libanesischen Zentralbank. Die Staatsanwaltschaft München I führt ein Verfahren gegen den Mann, dem in seiner Heimat vorgeworfen wird, Gelder in Höhe von 330 Millionen US-Dollar veruntreut zu haben. Der Vorwurf, dem die deutschen Ermittler nachgehen, lautet auf Geldwäsche, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Mehrfach seien Delegationen in den Libanon gereist, um den Beschuldigten, dessen ebenfalls verdächtigen Bruder und Zeugen zu vernehmen. Unter den Zeugen war nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch der amtierende Finanzminister des Libanon.
Der Skandal um den Mann, der bis zum Sommer 2023 rund 30 Jahre lang an der Spitze der libanesischen Zentralbank stand, ist derzeit eines der großen innenpolitischen Themen in dem Land im Mittleren Osten. Die Ermittlungsbehörden dort hätten ein Rechtshilfeersuchen gestellt, weil der Verdacht besteht, dass Millionen über eine Briefkastenfirma auf den British Virgin Islands ins Ausland abgezweigt wurden, sagte Staatsanwältin Ambika Zeeb, die selbst auch zu Ermittlungen nach Beirut gereist war. Neben deutschen Behörden führt auch die Justiz in Frankreich und Luxemburg Ermittlungsverfahren. Die polizeilichen Ermittlungen in Deutschland führt das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden.