Blaudruck in Hoyerswerda: Altes Handwerk, lebendiges Kulturerbe der Lausitz
Wenn aus Stoff ein Stück Geschichte wird
Er ist tiefblau, trägt filigrane Muster und erzählt von einer Handwerkstradition, die über Generationen in der Lausitz weitergegeben wurde: der Blaudruck. Was heute wieder modern und nachhaltig wirkt, hat eine lange Geschichte. Das traditionelle Druckverfahren wird mit sogenannten Modeln auf Naturstoffe wie Leinen oder Baumwolle aufgebracht. Anschließend entsteht, nach einem Indigo-Färbebad, das charakteristische weiße Muster auf blauem Grund. Der Blaudruck wurde 2018 in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Blaudruck hat in Hoyerswerda seinen festen Platz
Mitten in der Altstadt von Hoyerswerda befindet sich das Trachtenhaus Jatzwauk. Der Verein zur Pflege der Regionalkultur Mittlere Lausitz e. V. betreibt dort die ständige Ausstellung „Blaudruckkabinett“ und widmet sich der Bewahrung historischer Trachten und regionaler Handwerkstraditionen.

Besonders spannend: Das Wissen rund um traditionelle Stoffe und Trachten bleibt hier nicht hinter Museumsvitrinen verschlossen. Die Blaudrucktradition kann praktisch erlebt werden. Im Rahmen des ehrenamtlichen Engagements sind beispielsweise das Bedrucken von Stoffen, das Glätten der Textilien oder die kreative Verarbeitung von Blaudruck zu Accessoires und Souvenirs möglich. Auch Führungen, Kurse mit Kindern, Vorträge sowie Einsätze bei Märkten und Festivals gehören zum Angebot.
"Auf diese Weise können viele Schritte bei der Herstellung nachvollzogen werden, wie z.B. vom Anbau des Leinens auf dem Feld über die Herstellung der Druckstöcke, den Färbeprozess, bis zum fertigen Kleidungsstück!", so Kirsten Böhme, Vereinsvorsitzende und Urenkelin des Namensgebers sowie Gründers des Blaudruckkabinetts Johann Jatzwauks.
Innovation und Kooperation schafft ein tradionelles Handwerk mit Zukunft
Blaudruck ist mehr als eine historische Technik. Mit der Weitergabe des Wissens bleiben auch Geschichten, Muster, Fertigkeiten und regionale Identität erhalten. Heute gibt es nur noch zwei Werkstätten in Sachsen, in denen diese traditionelle Handwerkskunst noch beherrscht und ausgeübt wird. Dabei hat der Blaudruck gerade hier eine große regionale Bedeutung, da er traditionell in der sorbischen Tracht verwendet wird.
"Hier zeigt sich ein großer Reichtum, da nicht nur einfache blau-weiß Muster verwendet werden, sondern Blau mit Farbabstufungen. Außerdem wurden die Schürzen noch bis in die 1950er Jahre auf beiden Seiten bedruckt, und dies auch noch mit unterschiedlichen Mustern. Die Wiederentdeckung dieses sogenannten Passermodeldruckes durch den Verein war ein wichtiger Schritt, damit dieses alte Wissen nicht verloren geht!", berichtet die eifrige Heimatforscherin.

Der Verein schwelgt allerdings nicht nur in der Vergangenheit. Durch zielgerichtete Kooperationen und der Nutzung innovativer Verfahren werden gemeinsam die Weichen für die Zukunft gestellt: "Wir haben das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA) als Partner gewinnen können. Die Idee besteht darin, die alte Technik mit neuer Technik zu verbinden. Deswegen werden im Kursraum neben dem Drucktisch jetzt auch 3D-Drucker zum Einsatz kommen. Interessierte, vor allem auch Kinder und Jugendliche, können selbst Stempel herstellen und diese für einen Blaudruck verwenden", sagt Kirsten Böhme.
Gerade deshalb kommt Orten, wie dem Blaudruckkabinett in Hoyerswerda, eine überregionale Bedeutung zu: Sie schaffen einen Raum, in dem traditionelles Handwerk nicht nur angeschaut, sondern kennengelernt, ausprobiert und zukunftsfähig weiterentwickelt werden kann.

Blaudruck in der Oberlausitz: Tradition erleben und selbst mitmachen
Wer sich für Blaudruck, Trachten, regionale Geschichte, traditionelles Handwerk oder dessen moderne Entwicklung in der Oberlausitz interessiert, muss nicht bei der Theorie bleiben. Der Verein sucht Menschen, die sich für den Erhalt des historischen Handwerks engagieren möchten.
Das Engagement kann dabei ganz unterschiedlich gestaltet sein: Es reicht von der Unterstützung bei der Organisation von Kursen und Workshops über das eigene Ausprobieren beim Bedrucken von Stoffbahnen bis hin zur kreativen Entwicklung eigener Nähprojekte – und bietet darüber hinaus noch viele weitere Möglichkeiten.
Wer also wissen möchte, wie aus einem einfachen Stück Stoff ein unverwechselbares blaues Muster entsteht, oder selbst dazu beitragen möchte, dass dieses Wissen in der mittleren Oberlausitz lebendig bleibt, ist herzlich eingeladen: Blaudruck ist altes Handwerk – aber seine Zukunft kann schon heute gemeinsam gestaltet werden.