Vom Biologieraum in den Katastrophenschutz
Ein Sturz auf dem Schulhof, eine verletzte Mitschülerin oder Kreislaufprobleme während des Unterrichts – für viele Jugendliche bleiben solche Situationen Ausnahmen. Für Marvin Schäfer waren sie der Beginn einer außergewöhnlichen Entwicklung. Als Schulsanitäter lernte er früh, Verantwortung zu übernehmen, Menschen in Notsituationen zu helfen und auch unter Stress einen kühlen Kopf zu bewahren.
Die ersten Grundlagen erwarb er während der wöchentlichen Treffen des Schulsanitätsdienstes. Jeden Montag traf sich die Gruppe in der siebten und achten Unterrichtsstunde im Biologieraum, wo eine ehrenamtliche Ausbilderin des DRK praxisnah verschiedene Erste-Hilfe-Szenarien mit ihnen trainierte. Diese Zeit legte für Marvin Schäfer den Grundstein: Er eignete sich nicht nur medizinisches Wissen an, sondern gewann auch zunehmend an Selbstvertrauen.
Doch der Schulsanitätsdienst war für ihn nicht das Ziel – sondern der Anfang eines Weges, der ihn schließlich in den Katastrophenschutz des DRK Görlitz führte.
Aus jugendlicher Leidenschaft wird Berufung
Nach seiner Zeit als Schulsanitäter engagierte sich Marvin Schäfer ehrenamtlich im Katastrophenschutz des DRK Görlitz. Dort absolvierte er zahlreiche Aus- und Weiterbildungen, unterstützte Sanitätsdienste auf Veranstaltungen und sammelte wertvolle Erfahrungen in realen Einsatzlagen. Ob Stadtfest, Sportveranstaltung oder Unterstützung bei besonderen Schadenslagen – mit jeder Aufgabe wuchsen seine Kenntnisse und seine Verantwortung.
An seinen ersten Sanitätsdienst erinnert er sich noch heute genau: Die neue Uniform, die neugierigen Blicke der Besucher auf dem Stadtfest und das Gefühl, nun selbst Teil des Einsatzteams zu sein, erfüllten ihn mit Stolz. Gleichzeitig sei er damals durchaus nervös gewesen – ein Gefühl, das viele Ehrenamtliche bei ihrem ersten Einsatz kennen.
Heute ist Marvin Schäfer Führungskraft im Katastrophenschutz. Er koordiniert Einsatzkräfte, trifft Entscheidungen und übernimmt Verantwortung für Menschenleben. Sein Werdegang zeigt eindrucksvoll, dass ein Ehrenamt weit mehr sein kann als eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung: Es eröffnet Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung, vermittelt fachliche Qualifikationen und bietet die Chance, aktiv Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.
Lernen fürs Leben
Der Weg vom Schulsanitäter zur Führungskraft verlief nicht über Nacht. Regelmäßige Ausbildungen, Übungen und die Bereitschaft, ständig dazuzulernen, prägten seinen Werdegang. Gleichzeitig profitierte Marvin Schäfer von einer starken Gemeinschaft im DRK, die ihn förderte, motivierte und ihm immer wieder neue Aufgaben zutraute.
Für die Qualifikation zum Gruppenführer besuchte er mehrere Lehrgänge in Dresden. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm dabei, wie spannend die Einblicke in die Strukturen und Abläufe des Katastrophenschutzes waren. Die Schulungen empfand er nie als Belastung – im Gegenteil: Die neuen Inhalte und Zusammenhänge weckten seine Neugier und machten Lust, sich noch intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Im Ehrenamt des DRK gilt: Niemand muss bereits alles können. Wer Interesse und Motivation mitbringt, wird Schritt für Schritt ausgebildet und von erfahrenen Ehrenamtlichen begleitet. Neben Fachwissen in Erster Hilfe, Sanitätsdienst oder Katastrophenschutz erwerben die Mitglieder Kompetenzen, die weit über das Ehrenamt hinaus von Bedeutung sind – etwa Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke, Führungsverantwortung und sicheres Handeln unter Druck.
Leben retten und mitmachen
Das DRK Görlitz sucht kontinuierlich Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und Teil der DRK-Familie werden möchten. Besonders Jugendliche ab 14 Jahren profitieren vom Wissen und den Erfahrungen, die sie im Schulsanitätsdienst sammeln können.
Der Einstieg ist jedoch auch ohne Vorkenntnisse jederzeit möglich. Wer Freude daran hat, anderen Menschen zu helfen, findet HIER eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung mit echtem Mehrwert. Dabei geht es längst nicht nur um Einsätze. Gemeinschaftsabende, gemeinsame Ausbildungen und Übungen schaffen Zusammenhalt, Freundschaften und ein starkes Miteinander.
Marvin Schäfer ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Aus einem Schüler, der im Schulsanitätsdienst seine ersten Erfahrungen sammelte, wurde eine Führungskraft im Katastrophenschutz. Seine Geschichte zeigt, wie aus Neugier Engagement, aus Engagement Verantwortung und aus Verantwortung eine echte Berufung werden kann.
Vielleicht beginnt auch die nächste Erfolgsgeschichte mit einem ersten Dienstabend. Das DRK Görlitz lädt alle Interessierten herzlich ein, unverbindlich vorbeizuschauen und Teil einer starken Gemeinschaft zu werden, die hilft, wenn Hilfe gebraucht wird.