Wie organisieren sich Zellen zu Gewebe? Warum entstehen in Organismen komplexe Strukturen – und weshalb geraten manche Prozesse außer Kontrolle, etwa bei Tumoren? Solche Fragen beschäftigen Forschende an der Technische Universität Dresden. Um sie besser beantworten zu können, soll die Universität nun ein eigenes Forschungszentrum bekommen.
Der Wissenschaftsrat, das wichtigste Beratungsgremium für Wissenschaftspolitik in Deutschland, hat am 24. April 2026 empfohlen, den Bau des "Center for the Organization of Living Matter", kurz COLM, zu fördern. Bis zu 77,2 Millionen Euro stehen dafür bereit, je zur Hälfte vom Bund und vom Freistaat Sachsen. Gebaut werden soll ab 2027, fertig sein soll der Komplex 2031.
Laser, KI und die Frage, was Leben ist
Im neuen Zentrum sollen auch Großgeräte angeschafft werden. Darunter ein sogenanntes 2-Photonen-Laserscanning-Mikroskop. Es erzeugt mithilfe von Laserlicht extrem detaillierte Bilder von lebenden Zellen und kann deren Verhalten gezielt beeinflussen. So lässt sich beobachten, wie Zellen Organe bilden oder warum manche von ihnen zu Tumoren werden.
Zusätzlich baut das Exzellenzcluster PoL, zu dem neben der TU Dresden unter anderem auch das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik, das Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden oder das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf gehören, seinen Einsatz von Künstlicher Intelligenz aus. KI soll helfen, große Datenmengen aus der Grundlagenforschung auszuwerten. Viele Fragen der modernen Biologie lassen sich heute kaum noch innerhalb einzelner Fachrichtungen beantworten. Wie sich Zellen organisieren, Gewebe formen oder Krankheiten entstehen, wird zunehmend als Zusammenspiel physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse verstanden. Gleichzeitig wachsen die Datenmengen aus Mikroskopie, Simulationen und Genanalysen rasant. Forschungszentren wie das geplante COLM sollen deshalb Fachwissen, Hochtechnologie und computergestützte Analysen an einem Ort zusammenbringen.
"Der Forschungsbau COLM steht für gleich mehrere Innovationen: Er schafft einen Ort für Spitzenforschung zur Organisation lebender Materie und setzt mit einem neu entwickelten Raumkonzept für Laborgebäude neue Maßstäbe in Flächeneffizienz und Wirtschaftlichkeit im Betrieb“, sagt TUD-Kanzler Jan Gerken. Noch muss die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern der Förderung abschließend zustimmen. Doch die Weichen für das neue Forschungszentrum sind gestellt.