Goldbraun, schneeweiß, tiefschwarz oder gescheckt: Wer durch einen Hühnerhof läuft, staunt über die Vielfalt der Gefiederfarben. Doch warum sehen Hühner so unterschiedlich aus? Eine neue internationale Studie, an der die Universität Leipzig maßgeblich beteiligt war, liefert die Antwort: Ein einziges Gen spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Im Mittelpunkt der Studie steht ein Molekül namens MC1R. Es wirkt in den Hautzellen wie ein Schalter, der die Bildung von Farbpigmenten steuert. Je nachdem, wie aktiv dieser Schalter arbeitet, entstehen mehr dunkle oder mehr helle Farbpigmente.
Das Gen, das die Bauanleitung für MC1R enthält, hat sich beim Haushuhn seit seiner Zähmung durch den Menschen vor Jahrtausenden stark verändert. Ausgangspunkt der Studie war eine Genomanalyse der Universität Uppsala in Schweden, bei der das Erbgut von mehr als 10.000 Hühnern untersucht wurde. Dabei fiel MC1R als besonders variabler Abschnitt im Erbgut auf.
Vom Hühnerstall in die Evolutionsforschung
Offenbar hat die Zucht durch den Menschen dazu beigetragen, dass sich beim Haushuhn besonders viele Varianten dieses Gens angesammelt haben. Das zeigt, wie schnell sich neue Merkmale entwickeln können, wenn Menschen Tiere über viele Generationen züchten. Die Forschenden liefern damit ein anschauliches Beispiel für ein Grundprinzip der Evolution.
Für die Praxis könnte das bedeuten, Farbmerkmale in der Tierzucht künftig besser vorherzusagen. Die Wissenschaftler planen außerdem zu untersuchen, ob ähnliche Muster auch bei anderen Wirbeltieren auftreten, um damit vielleicht noch mehr Farbrätsel der Natur zu lösen.
Originalpublikation:
C. Ma, A. Liebing, G. Kleinau, A. Kamprad, L. Calabrese, M. Szczepek, Z. Li, M. Larsson, P. Scheerer, C. Stäubert, & L. Andersson, Ultrarapid MC1R protein and associated plumage color evolution in the domestic chicken, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 123 (24) e2605288123