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Neue App erkennt fast 10.000 Tierstimmen – auch ohne Internet

Martina Buchna, Rangerin im Nationalpark Bayerischer Wald, zeigt Dr. Stefan Kahl von der TU Chemnitz einen Audiologger zur Tonaufnahme im Wald.
Rangerin Martina Buchna und Entwickler Dr. Stefan Kahl von der TU Chemnitz mit der Smartphone-App und einem Audiologger, der Trainingsdaten für "BirdNET Live" lieferte. © Gregor Wolf/Nationalpark Bayerischer Wald
Von: Wissensland
Forschende aus Chemnitz arbeiteten mit an der neuen App. Die erkennt tausende Tierarten an ihrer Stimme. Komplett offline und in Echtzeit.

Ein Spaziergang im Wald, Vogelgezwitscher von allen Seiten, und keine Ahnung, wer da gerade singt. Genau dieses Problem löst eine neue App, an der Forschende der TU Chemnitz mitgewirkt haben. "BirdNET Live" erkennt Tierstimmen in Echtzeit – direkt auf dem Smartphone und sogar dort, wo es keinen Mobilfunkempfang gibt. Die Künstliche Intelligenz läuft vollständig auf dem Gerät.

Bisherige Apps zur Bestimmung von Tierstimmen brauchten fast immer eine Internetverbindung. Im dichten Wald oder im Hochgebirge war das oft unmöglich. Ein Team der TU Chemnitz hat dieses Problem gelöst.

Die App erkennt nun fast 10.000 Tierarten akustisch, so viele wie keine andere App, sagt Entwickler Dr. Stefan Kahl von der TU Chemnitz. Die zweitbeste Offline-App erkennt nach Angaben der Forschenden nur rund 2.300 Arten. "BirdNET Live" identifiziert 8.927 Vogelarten sowie Hunderte Säugetiere, Insekten und Amphibien.

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Werkzeug für Fachleute und Laien

"BirdNET Live" richtet sich vor allem an Fachkräfte im Naturschutz, an Forschende und Studierende. Auch Bürgerwissenschaftlerinnen und Hobby-Vogelbeobachter können sie nutzen. Sie speichert jede Aufnahme mit Ort und Zeit direkt auf dem Smartphone. Anschließend lassen sich die Aufnahmen erneut anhören, überprüfen oder mit anderen Fachleuten teilen. So eignet sich die App auch als Lernhilfe, um Tierstimmen besser unterscheiden zu können.

Die App ist Teil des Projekts "RangerSound", gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Daran arbeiteten Naturschutzbiologen der Universität Würzburg, das Ranger-Team des Nationalparks Bayerischer Wald, die Firma Oekofor aus Freiburg und KI-Fachleute der TU Chemnitz zusammen. In Verbindung mit einem externen Mikrofon kann das Smartphone sogar geschützt im Rucksack bleiben, während die App im Hintergrund weiter Tierstimmen aufzeichnet.

Ein technologischer Fortschritt

Nach Angaben der Forschenden steckt hinter der scheinbar einfachen Offline-Funktion eine aufwendig optimierte Künstliche Intelligenz, die erstmals direkt auf dem Smartphone arbeitet. Erst die enge Zusammenarbeit von Naturschutz, Praxis und KI-Entwicklung machte diese Lösung möglich.

Auch die Lehre profitiert. Die App soll künftig nicht nur in Lehrveranstaltungen eingesetzt werden, sondern auch Forschungsarbeiten im artenreichen Regenwald Ecuadors erleichtern, wo es oft keinen Mobilfunkempfang gibt.

Für Ranger-Teams in Schutzgebieten ist die App besonders praktisch. Sie können die Anwendung während ihrer Kontrollgänge einfach mitlaufen lassen und erhalten direkt vor Ort einen Überblick darüber, welche Tierarten in einem Gebiet vorkommen – ganz ohne Internet Erblindung. 

Homepage des Projekts: birdnet.tu-chemnitz.de/live-app

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