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Wacken-Studie: Schmerzen länger aushalten dank Heavy Metal

Konzertstimmung beim Wacken Open Air, wo Leipziger Forschende die Schmerztoleranz von Fans des Heavy Metal untersuchten.
Rund 80.000 Metal-Fans feiern jährlich beim Wacken Open Air. Im Jahr 2023 unterstützten einige von ihnen die Forschung. © MPI CBS
Von: Wissensland
Wie beeinflusst Heavy Metal unser Schmerzempfinden? Leipziger Forschende machten das Wacken Open Air zum Freiluftlabor. Bei 122 Metal-Fans haben sie direkt auf dem Festival gemessen, wie Heavy Metal das Schmerzempfinden verändert.

Drei Tage Party, drei Tage Enge, drei Tage laute Musik. Beim Wacken Open Air feiern jedes Jahr rund 80.000 Metal-Fans auf dem Acker eines kleinen Orts in Schleswig-Holstein. Für Leipziger Forschende wurde das Festival 2023 zum Freiluftlabor. Sie beschäftigte die Frage, ob das intensive Festivalerlebnis und Heavy Metal beeinflussen, wie lange Menschen Schmerzen aushalten können.

Lydia Schneider und Tom Fritz vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI-CBS) untersuchten deshalb vor Ort, ob das Festivalerlebnis die Schmerztoleranz der Fans irgendwie beeinflusst. Bislang zeigt die Forschung, dass unterdrückter Ärger das Schmerzerleben bei Menschen mit chronischen Schmerzen verstärken kann. "Deshalb wollten wir untersuchen, ob sich das Schmerzerleben verändert – gerade bei einer Musikform wie Heavy Metal, bei der ziemlich viele unangenehme Gefühle ausgedrückt werden, insbesondere auch Ärger", erklärt Lydia Schneider, Erstautorin der Studie.

2023 reiste sie mit ihrem Team zum Festivalgelände. 122 Metal-Fans hielten Hand und Unterarm für die Wissenschaft möglichst lange in eiskaltes Wasser. Vorher hatten die Forschenden per EKG ihre Herzfrequenz und deren Schwankung gemessen. "Der Andrang, an dem Experiment teilzunehmen, war groß und wir haben gemerkt, dass Wissenschaft einen hohen Stellenwert in der Szene einnimmt", erinnert sich Schneider. Da Alkohol die Schmerztoleranz unvorhersehbar beeinflussen kann, betrachteten die Wissenschaftler zusätzlich diejenigen Teilnehmenden, die am Testtag keinen, wenig oder mäßig Alkohol getrunken hatten. Bei ihnen waren die untersuchten Zusammenhänge am deutlichsten zu erkennen.

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Metal-Fans hielten den Schmerz länger aus

Das Leipziger Forschungsteam verglich die Festivalbesucher mit Metal-Fans derselben Gruppe, die bereits vor Beginn der Live-Konzerte auf dem Gelände waren. Nach mehreren Tagen intensiven Musikerlebens konnten die Teilnehmenden den Kälteschmerz länger aushalten als die Vergleichsgruppe.

Der Schmerz selbst fühlte sich dabei nicht weniger unangenehm an. Die untersuchten Festivalbesucher hielten ihn lediglich länger aus. Die Forschenden vermuten deshalb, dass sie unangenehme Empfindungen eher akzeptierten und sich stärker auf das konzentrierten, was sie selbst beeinflussen konnten. Etwa darauf, wann sie die Hand aus dem Wasser zogen.

Was das für Schmerzpatienten bedeuten könnte

Tom Fritz leitet am Institut die Gruppe "Musikevozierte Hirnplastizität" und ordnet die Ergebnisse ein. Musik in der Schmerztherapie setzt meist auf Entspannung, doch beim Umgang mit Ärger könnten auch andere Arten von Musik interessant sein. "Akzeptanz unangenehmer emotionaler Zustände oder schwieriger Situationen spielt eine zentrale Rolle für die Resilienz und die Schmerztoleranz, und wütende Musik hören kann daher vorteilhaft sein anstatt unangenehme Emotionen mit positiven Emotionen zu überdecken", sagt Fritz.

Ob Heavy Metal tatsächlich Menschen mit chronischen Schmerzen helfen oder sogar der Entstehung chronischer Schmerzen vorbeugen kann, hat die Studie allerdings nicht untersucht. Fritz sieht in Musik, die Ärger ausdrückt, einen möglichen Ansatz für weitere Forschung.


Originalpublikation:
Schneider, L., Fritz, T.H. Increased pain resilience among heavy metal music festival attendees. Sci Rep 16, 26203 (2026).

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