Eine Billionstel Sekunde ist für uns kaum vorstellbar. In modernen Materialien kann in dieser kurzen Zeit jedoch Entscheidendes passieren: Elektrische Ladungen bewegen sich und verteilen sich neu. Forschende der TU Bergakademie Freiberg (TUBAF) haben eine Messanlage mitentwickelt, mit der sich solche extrem schnellen Vorgänge bald genauer untersuchen lassen. Nach rund vier Jahren Entwicklungsarbeit ist sie nun an der Forschungsanlage BESSY II in Berlin fertig aufgebaut worden.
BESSY II erzeugt besonders intensives Röntgenlicht, mit dem die Wissenschaft Materialien und die Vorgänge in ihrem Inneren untersuchen kann. Teams aus aller Welt führen dort Experimente durch. Die ersten Versuche mit der neuen Anlage aus Freiberg sind für Februar 2027 geplant.
Neue Möglichkeiten für internationale Forschung
Das Interesse ist bereits groß. Forschungsgruppen aus Schweden, Großbritannien, Frankreich und den USA wollen künftig mit der neuen Anlage experimentieren. Am Aufbau waren neben der TU Bergakademie Freiberg auch das Helmholtz-Zentrum, das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, das Deutsche Elektronen Synchrotron DESY und das European XFEL beteiligt. "Moderne experimentelle Forschung funktioniert zunehmend in Netzwerken", sagt Roth. Keine einzelne Universität und keine einzelne Großforschungseinrichtung könne die dafür nötige Expertise allein abdecken.
Künftig werden Forschungsgruppen ihre eigenen Materialien zu BESSY II bringen und mit der neuen Anlage untersuchen. Das ermöglicht Wissen, das unter anderem für die Entwicklung von Halbleitern und neuen Energiematerialien wichtig ist.