Millionen Menschen weltweit leiden an Depressionen oder Angststörungen. Doch wie genau diese Krankheiten im Kopf entstehen, ist für die Forschung nur schwer greifbar. Ein Team aus Medizinern, Psychologen und Informatikern an der Technischen Universität Dresden hat nun untersucht, ob KI-Sprachmodelle typische Muster menschlicher Gefühle und Denkprozesse nachbilden können.
Wie Forschende einem Computer das Fürchten lehren
Am Else Kröner Fresenius Zentrum für Digitale Gesundheit der TU Dresden arbeiten Forschende mit sogenannten großen Sprachmodellen. Das sind KI-Programme wie ChatGPT, die menschliche Sprache verstehen und produzieren. Das Team untersuchte sechs solcher Modelle und löste gezielt sieben Gefühlszustände aus: Angst, Furcht, Wut, Ekel, Traurigkeit, Sorge und Stress.
Dafür nutzten sie standardisierte Texteingaben und maßen die Reaktionen mit denselben Bewertungsmaßstäben, die auch in der psychologischen Forschung eingesetzt werden. Die Modelle zeigten daraufhin Muster, die menschlichen emotionalen Reaktionen ähneln.
Noch überraschender war ein anderer Befund. Wenn die Forschenden zuvor Traurigkeit auslösten, neigten die Programme dazu, Sätze negativ zu vervollständigen. Dieses Muster aus der Depressionsforschung nennt man kognitive Verzerrung. Sie kennt man von Menschen. Die Sprachmodelle zeigten ähnliche Muster.