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Wenn KI traurig ist: Forschende simulieren Gefühle

Traurigkeit, Angst, Stress: Gefühle, die jeder kennt – und die Dresdner Forschende nun in KI-Modellen simulieren und untersuchen.
Millionen Menschen leiden weltweit an Depressionen. KI könnte helfen, diese Krankheit besser zu verstehen. © pixabay/Daniel Reche
Von: Wissensland
KI-Programme wie ChatGPT können Angst, Traurigkeit und Stress simulieren und auf Atemübungen reagieren. Forschende der TU Dresden zeigen, wie große Sprachmodelle der Psychologie als neues Werkzeug dienen könnten.

Millionen Menschen weltweit leiden an Depressionen oder Angststörungen. Doch wie genau diese Krankheiten im Kopf entstehen, ist für die Forschung nur schwer greifbar. Ein Team aus Medizinern, Psychologen und Informatikern an der Technischen Universität Dresden hat nun untersucht, ob KI-Sprachmodelle typische Muster menschlicher Gefühle und Denkprozesse nachbilden können.

Wie Forschende einem Computer das Fürchten lehren

Am Else Kröner Fresenius Zentrum für Digitale Gesundheit der TU Dresden arbeiten Forschende mit sogenannten großen Sprachmodellen. Das sind KI-Programme wie ChatGPT, die menschliche Sprache verstehen und produzieren. Das Team untersuchte sechs solcher Modelle und löste gezielt sieben Gefühlszustände aus: Angst, Furcht, Wut, Ekel, Traurigkeit, Sorge und Stress.

Dafür nutzten sie standardisierte Texteingaben und maßen die Reaktionen mit denselben Bewertungsmaßstäben, die auch in der psychologischen Forschung eingesetzt werden. Die Modelle zeigten daraufhin Muster, die menschlichen emotionalen Reaktionen ähneln.

Noch überraschender war ein anderer Befund. Wenn die Forschenden zuvor Traurigkeit auslösten, neigten die Programme dazu, Sätze negativ zu vervollständigen. Dieses Muster aus der Depressionsforschung nennt man kognitive Verzerrung. Sie kennt man von Menschen. Die Sprachmodelle zeigten ähnliche Muster.

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Von der Atemübung bis zur Therapieforschung

Die Forschenden machten noch eine weitere Beobachtung. Wenn sie den Sprachmodellen anschließend Texte mit beruhigenden Atem- und Entspannungsübungen vorgaben, fielen die zuvor ausgelösten Reaktionen schwächer aus. Die Modelle verhielten sich dann wieder weniger ängstlich, gestresst oder traurig.

Für die Forschenden ist das ein Hinweis darauf, dass die Programme ähnliche Muster zeigen können wie Menschen bei der Verarbeitung von Gefühlen. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die psychologische Forschung.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass große Sprachmodelle Muster menschlicher Gefühls- und Denkprozesse unter kontrollierten Bedingungen reproduzieren können", sagt Dr. Magdalena Wekenborg, Leiterin der Forschungsgruppe PsychoDigital Research am EKFZ für Digitale Gesundheit. Sie sieht darin die Chance, psychologische Fragestellungen künftig gezielter und unter kontrollierten Bedingungen zu untersuchen, bevor sie in aufwendigen Studien mit Menschen geprüft werden.

Die Forschenden betonen allerdings auch die Grenzen ihres Ansatzes. Große Sprachmodelle besitzen keine eigenen Gefühle. Ihre Reaktionen beruhen auf Mustern, die sie während des Trainings gelernt haben. Die KI-Modelle sollen deshalb kein menschliches Verhalten oder Studien mit Menschen ersetzen, sondern als ergänzendes Werkzeug dienen. Das könnte helfen, Hypothesen zu überprüfen und neue Therapieansätze bereits in frühen Forschungsphasen zu testen.


Originalpublikation:
Magdalena K. Wekenborg, Elizabeth A.M. Michels, Georg Kurze, Matti L. Kropp, Fabian Wolf, Josi Harzbecker, Isabella C. Wiest, Jakob N. Kather: Large language models as models of human psychopathology: a modelling study. The Lancet Digital Health, 2026. 

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