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Café Toscana: Genuss bei Kunst und Kuchen

Caféinnenraum
Clemens Eisold und Prof. Ulrich Eißner (Bild: Ulrich van Stipriaan)
Café Toscana erweitert das Frühstück am Blauen Wunder um kreative Varianten. Geplant sind 12 Angebote, darunter Croissant-Bistro und Eggs Benedict.

An den Wänden hängt jetzt Klassik, auf den Tischen wird’s zunehmend klassische Moderne, vor allem an den Rändern des Tages (die kulinarische Café-Mitte bleibt: Torten und andere konditorische Köstlichkeiten). Über die Tapas am Abend hatten wir ja schon mal berichtet, jetzt kommt mehr Schwung durch kreative Abwandlung ins Frühstück im Café Toscana am Blauen Wunder. Die Kombination von (pardon für die billige Alliteration) Kunst und Kuchen drängt sich nicht auf, passt aber ganz gut zum Ort: das erste Haus hinterm Blauen Wunder (stadteinwärts) kann auf über 125 Jahre Café-Tradition zurückblicken, und künstlerisch-musisch ging’s schon damals zu…

Die Kunst an der langen Wand des Wintergartens bringt eine Dresdner Spezialität ans Tageslicht, die sonst meistens in den Katakomben der ehemaligen Königlichen Kunstgewerbeschule auf der Güntzstrasse schlummert: dort ist das Archiv für Arbeiten der Studierenden der Theaterplastik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Ein Studiengang, der in dieser Form an Europas Kunstakademien einmalig ist. Den Lehrstuhl leitet Prof. Ulrich Eißner – der vor einigen Jahrzehnten genau hier auch studierte. Und so kam es, dass Clemens Eisold, Gastgeber des Café Toscana, nach dem Erstkontakt mit dem Professor (Dresden ist ja ein Dorf: irgendjemand kennt immer irgendjemand und kann Passendes verknüpfen) bei der Suche nach fünf Motiven fürs Café im Archiv der Theaterplastiker unter den Studienarbeiten auch eine fand, die vom Chef selber stammt: 1988 modellierte er als Student die „Madonna mit dem Kinde“, nach einem Marmor-Relief von Antonio Rossellino um 1465/70 als Pappmaschee- /Gips-Abformung vom Tonoriginal. Seine Vorlage: ein Foto. Das Original im Kunsthistorischen Museum in Wien hat. Ulrich Eißner, der 2005 die Professur am Lehrstuhl für Theaterplastik an der HfBK Dresden übernahm. erst viel später bei seiner ersten Reise nach Wien gesehen.


Bekanntes Detail der Sixtinischen Madonna... (Bild: Ulrich van Stipriaan)

Beim Gespräch mit Prof. Eißner hatte ich einen Vorteil: Informationen über die Meister des „So tun als ob“ (gewaltige Kulissen im Theater sollen ja letztendlich doch so leicht wie möglich sein…) zu bekommen und gleichzeitig so zu tun, als ob die Vielfalt des vom Chef des Hauses präsentierten Frühstücks mit der Leichtigkeit des „nur ein kleines Häppchen noch“ zu schaffen sei. Merke: Man kann zwar alles fotografieren und dabei immer mehr Hunger bekommen, aber man kann letztendlich doch nicht alles schaffen! Also plauderten wir kurz nur über allgemeine Frühstückstrends. Man kann mühelos unterschiedliche Traditionen vereinen und durchaus auch mal locker variieren, wie zum Beispiel den französischen Bistro-Klassiker Croque Madame statt auf getoastetem Brot auf einem aufgeschnittenen Croissant zu servieren.

Derzeit stehen im Café Toscana zwölf Frühstücksvariationen zur Auswahl, vom schnellen „Bonjour“ mit Croissants und hausgemachter Konfitüre bis hin zum Frühstück „Kornprinzessin Luise“ für zwei Personen. In den kommenden Wochen soll das Angebot erweitert werden, so dass die Croque Madame auch als Variante mit Frischkäse und Serrano-Schinken oder als vegetarische Kombination von Grillgemüse und Granatapfel auf der Karte steht. Auch für Gerichte mit pochiertem Ei (wie den Eggs Benedict) sind neue Variationen geplant – zum Beispiel mit Spinat oder Avocado. Das macht die Auswahlqual nicht einfacher – leichter könnte es sein, die passenden Freunde zu finden, um zu zweit oder zu viert einfach mehr bestellen und dann teilen zu können…