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Brasserie Bateau (Dresden): Genuss im Fluss

Theaterkahn
Poulpe gegrillt, Chimichurri, Harissa in der Brasserie Bateau (Bild: Ulrich van Stipriaan)
Von: Ulrich van Stipriaan
Französische Brasserie auf dem Theaterkahn in Dresden: maritimes Flair, klare Menüs und sorgfältige Weinbegleitung von Crémant bis Sancerre.

Einen im Kahn haben gehört zu den weniger distinguierten Sprüchen über den eigenen oder (lieber noch, mit Fingerzeig auf eine andere Person) den bemitleidenswerten Zustand einer anderen Person. In Dresden ist das anders, da ist die Verbindung zwischen „im Kahn“ und „Genuss“ durchaus positiv konnotiert. Denn auf dem Theaterkahn auf der Elbe an der Augustusbrücke treffen Kultur und Kulinarik zusammen – mit dem Dresdner Brettl auf der einen und der Brasserie Bateau auf der anderen Seite. Wir waren in der Brasserie.

Eine Brasserie in Frankreich ist meist ein wenig formeller als ein Bistro, aber weniger steif als ein Restaurant. Im Prinzip also ein Ort, an dem man für zwangloses Essen und Trinken gut aufgehoben ist. Clemens Lutz, der aus dem eher dunklen Vorgänger Kahnaletto mit italienischer Küche ein heiteres helles Innere mit mediterranem Blau-Weiß gemacht hat, ist (zusammen mit seiner Frau Marlene Buder-Lutz) ja der Erfinder der Kochsternstunden – natürlich nimmt er da jetzt auch dran teil und stellt (nicht wirklich überrascht) fest: das Ziel, der Gastronomie in tristen Zeiten Umsatz zu bescheren, klappt. Ohne jetzt hier konkrete Zahlen zu verraten: sie stimmen den Betreiber glücklich – und nicht nur ihn, wir reden ja bei unseren Besuchen oft mit den Verantwortlichen über sowas..

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Seit April 2025 gibt es die Brasserie Bateau, mittlerweile gibt es ein eingespieltes Team. Die Küche ist natürlich französisch geprägt, auf der normalen Karte (mit Klassikern wie Bouillabaisse à la Brasserie Bateau, Moules-frites oder Coq au Vin de Bourgogne) noch mehr als bei den fünf Gängen im Kochsternstunden-Menü: die trugen zwar (Marke, Baby, Marke!) französische Bezeichnungen, würden aber auch mit deutschen Begriffen unter dem allgemeinen Label „lecker-mediterran“ durchgehen. Nur dass das wegen des unbeliebten Wortes „lecker“ nie jemand so schreiben würde… Wir tun das ja auch nicht und nehmen stattdessen sehr gerne das uns vom Gastrosophen Carl Friedrich von Rumohr geschenkte Wort leckerhaft.

Es gibt einen doppelten Start in den Abend. Der erste kam erfreulich schnell mit allem, was man braucht, um gut anzukommen: es gibt Wasser aus einer glucksenden Karaffe, es gibt ein Glas Crémant aus dem Limoux, es gibt Brot und Butter (genauer: Café de Paris). Dabei kann man es sich gut gehen lassen und schauen, ob man seetüchtig (oder heißt das auf einem Fluss: flusstüchtig?) ist. Denn das vorbeirauschende Wasser der Elbe hat schon den ein oder anderen Gast verwirrt. Vorteil des Abendbesuchs: irgendwann ist’s dunkel, dann ist das egal. Aber ehe es dunkel wurde, servierte uns (den ganzen Abend über heiter-gelassen und fachkundig) Katherina Robitzki eine gratinierte Auster: unter einer abgeflämmten Café-de-Paris-Schicht war die Auster noch fast roh, ein schönes Geschmackserlebnis.

Salat. Klingt unspektakulär, auch wenn noch Mango, Bete, Ziegenkäse und Walnüsse dazukommen. Also nehme man eine Küche, in der die Ringelbete gepickelt wird, in der die Walnüsse karamellisiert werden, in der ein fein-fruchtiges Dressing die Komponenten miteinander verbindet. Der Ziegenkäse war auf den Punkt gereift (und bei allen Vorbehalten eines alten „bitte-nur-von-der-Kuh-Käskopps“ schmackhaft – wie gut, wenn man lokale Lieferanten hat, die da was von verstehen!). Welcher Wein vermag dem Käse zu schmeicheln? Der Petit Chablis von Jean Durup! Kesse These: dieser charmante kleine Burgunder schafft fast alles…

Was man mit einem Pulpo alles falsch machen kann, ist erstaunlich. Aber es geht ja auch anders! Boots-Smutje – pardon: Küchenchef – Philipp Onyskow hat den Bogen raus und schickt einen durch und durch zarten, aber auch durch wenige pointierte Kniffe und Tricks sehr würzigen gegrillten Krakenarm. Nicht nur (aber auch!) farblich ergänzten sich dabei Chimichuri auf und Harissa neben dem Oktopus. Das und vier Chips sind in Einfachheit und Reduktion aufs Wesentliche kaum zu toppen – aber spitze. Dazu könnte man einen Rosé aus der Provence trinken oder aber mit viel mehr Freude (weil die wegen ihrer gehypten Namen meist überteuert sind) eine Alternative mit der weniger aufregend klingenden Herkunft IGP Méditerranée. Der Le Ciel de Saintzur ist so ein Rosé, vornehm blass (fast wie ein dunkler Grauburgunder!) und schön trocken, aber dennoch trinkfreudig.

Seezunge zum Hauptgang! Gibt’s leider fernab der Küsten nicht so oft, und wenn, dann oft in einer dem Plattfisch unwürdiger Rollenform. Die klassische Zubereitungsart – ob filetiert oder mit (dann bitte knuspriger) Haut und Gräten – ist friesisch-schlicht: Fisch, Salz, Butter. Im Prinzip roch man genau das auch schon, als die Teller zum Tisch kamen, was dem ollen Friesen in mir den Speichelfluss so was von anregte! Der französischen Lebensart an Bord der Marion (so hieß der Kahn vor dem Umbau zu Theater und Restaurant) geschuldet, kam die Müllerin uns als Meuniére im Mittelmeer-Look: mit getrockneten Tomaten, Artischocken und frittierten Kapern für etwas Crunch, dazu einige Drillinge zur Abrundung. Fisch will schwimmen! Und eine gegrillte Seezunge freut sich immer, wenn sie das a) in Butter und b) im Sancerre tut. Ein kultiger Sauvignon Blanc von der Loire sorgt mit Frucht und frischer Säure für guten Trinkfluss – da freut sich nicht nur die Zunge über den Sancerre im Glas.

Das Zitronentörtchen kommentierte dann auf seine Weise den ganzen Abend. Zusammen mit einer Riesling Auslese von der famosen Lage Morstein lag da nämlich obenauf: Popcorn!

Menü

  • Auster gratiniert
  • Salat
    Bete | Mango | Ziegenkäse vom Savoir Vivre – mein Frankreichladen aus Dresden
  • Poulpe gegrillt
    Chimichurri | Harissa
  • Sole Meunière
    Artischocken | getrocknete Tomaten | Kapern | Drillinge mediterran
  • Tarte au citron meringuée

Getränkebegleitung

  • Crémant Blanc Grand Cuvée 1531 Réserve
  • 2024 Petit Chablis, Jean Durup, AOP
  • 2024 Le Ciel de Saintzur Rosé, Provence
  • 2024 Sancerre, Domaine Blanc Reverdy, Loire
  • 2022 Riesling Auslese, Weingut Hischhof

Info

  • 4 Gänge 56 € | inkl. Getränkebegleitung, Wasser & Espresso 85,50 €
  • 5-Gänge 74 € | inkl. Getränkebegleitung, Wasser & Espresso 110 €

Brasserie Bateau
im Theaterkahn
Terrassenufer an der Augustusbrücke
01067 Dresden

Tel. +49 351 495 30 37
brasseriebateau.de

[Besucht am 11. März 2026]

Ulrich van Stipriaan
Artikel von

Ulrich van Stipriaan

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