Erst ließ Kulturstaatsminister Wolfram Weimer drei linke Buchläden wegen «verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse» von der Liste streichen - jetzt hat er die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises auf der Leipziger Buchmesse überraschend komplett abgesagt. Die Veranstaltung war für den 19. März geplant. Es ist die Eskalation eines Streits, bei dem es um weit mehr geht als um einen bislang eher unscheinbaren Branchenpreis.
Mit seiner Entscheidung gegen die drei Buchläden in Berlin, Bremen und Göttingen hatte der parteilose Weimer schon vergangene Woche scharfe Kritik auf sich gezogen. Jetzt wurde Sven Lehmann, der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, grundsätzlich. «Kein Jahr ist Wolfram Weimer im Amt und schon hat er tonnenweise Porzellan zerschlagen», sagte der Grünen-Politiker. «Offenbar ist er dieser wichtigen Aufgabe nicht gewachsen.» Der Linken-Politiker David Schliesing stimmte ein: «Dieser Kulturstaatsminister ist eine absolute Fehlbesetzung und Gefahr für die Kunst- und Kulturfreiheit hierzulande.»