Kunst statt Kohle: Jahrzehntelang war das Heizkraftwerk Nord in Chemnitz die größte CO2-Schleuder der Region. Hier wurde Braunkohle für Fernwärme und Strom verfeuert. Seit Anfang 2024 ist damit Schluss. Im Kulturhauptstadtjahr ist die Anlage nun imposante Kulisse für ein Kunstfestival, das alljährlich verwaiste Orte mit Gegenwartskunst neu belebt. Mit ihrer aktuellen Schau im stillgelegten Kraftwerk treffen die Festivalmacher offensichtlich einen Nerv: Rund 8.500 Besucher kamen in der ersten Woche.
Dort, wo einst Unmengen klimaschädliches CO2 in die Luft geblasen wurde, setzen sich internationale Künstler mit Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur auseinander. Dazu hat Hito Steyerl in einem der ehemaligen Wassertanks eine LED-Wand aus Bierkästen samt Flaschen und lebenden Pflanzen aufgebaut. Aus bioelektrischen Signalen der Pflanzen werden Bild- und Toninhalte generiert. Katharina Sauermann hat den Schadstoff Feinstaub auf ihre Bilder gebannt und schafft so atmosphärische Landschaften, die Umweltverschmutzung dokumentieren und sinnlich erfahrbar machen.