Das Smartphone weiß, wann wir schlafen. Eine Brille erkennt, wohin wir schauen. Und bald könnte ein Gerät sehen, ob der Apfel schon reif für die Ernte ist oder nicht. All das braucht Künstliche Intelligenz. Doch die frisst Energie. Ein neues Forschungsprojekt will das ändern. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Projekt AI-DISCO mit rund 15 Millionen Euro. Der vollständige Name lautet „Edge Cloud AI for Distributed Sensing & Computing". Hinter dem etwas sperrigen Titel steckt eine einfache Idee: KI soll dort rechnen, wo Daten entstehen und nicht erst in einem weit entfernten Rechenzentrum.
Heute werden riesige Datenmengen ständig hin- und hergeschickt: vom Gerät in die Cloud, von der Cloud zurück. Das kostet Energie und Zeit. AI-DISCO entwickelt sogenannte Edge-Knoten, also kleine, intelligente Recheneinheiten, die Daten lokal und sofort verarbeiten. Nur das Wichtigste geht dann weiter in die Cloud. Das spart Energie, schützt sensible Daten und macht Systeme schneller.
Gehirn als Vorbild
Hinter den Entwicklungen steckt ein faszinierender Ansatz: neuromorphe KI. Das bedeutet, die Technik ahmt nach, wie das menschliche Gehirn Informationen verarbeitet – in Impulsen, parallel, ohne zentrale Steuerung. So braucht sie weniger Strom als herkömmliche Systeme.
Das Fraunhofer IPMS entwickelt dafür spezielle Prozessoren, bei denen Rechnen und Speichern am gleichen Ort stattfinden. Das nennt sich "In-Memory-Computing". Zudem setzt das Projekt auf "Federated Learning". Dabei lernt eine KI aus Daten auf vielen Geräten, ohne dass diese Daten an einen zentralen Ort übertragen werden müssen. Das schützt die Privatsphäre der Nutzer.
AI-DISCO ist das erste Modul einer bundesweit neuen Forschungsstruktur, der R+I Factory für KI und Mikroelektronik. Sie soll Forschung und Industrie enger zusammenbringen und die Entwicklung neuer KI- und Chiptechnologien beschleunigen.