Eine Straße, die mitdenkt. Ein Immunsystem, das sich irrt. Zwei Themen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch haben sie etwas gemeinsam: Die Technische Universität Dresden (TUD) forscht an beiden Fragen, und bekommt dafür jetzt Millionen.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – Deutschlands wichtigste Einrichtung zur Finanzierung von Grundlagenforschung – hat jetzt die weitere Förderung zweier sogenannter Sonderforschungsbereiche mit Dresdner Beteiligung beschlossen. Das sind große, langfristig angelegte Verbundprojekte, an denen mehrere Universitäten gemeinsam arbeiten.
Wenn der Körper sich selbst für den Feind hält
Das zweite geförderte Projekt befasst sich mit einer der grundlegendsten Fragen der Medizin: Warum greift das Immunsystem manchmal den eigenen Körper an? Normalerweise erkennen spezialisierte Rezeptoren, das sind Erkennungsproteine der Immunzellen, ob Erbgut, also DNA oder RNA, aus dem eigenen Körper stammt oder von einem Erreger eingeschleppt wurde. Stimmt etwas nicht, schlägt das System Alarm.
Doch dieser Mechanismus kann versagen. Wird körpereigenes Erbgut fälschlicherweise als fremd erkannt, entstehen chronische Entzündungen, Autoimmunerkrankungen oder Tumore. Genau das untersucht der Forschungsverbund "Nucleic Acid Immunity" – auf Deutsch: Immunantwort auf Nukleinsäuren. Beteiligt sind neben der Medizinischen Fakultät der TUD auch die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Universität Bonn. Die DFG fördert das Projekt in seiner dritten Phase mit rund 14,6 Millionen Euro, davon fließen etwa 4,1 Millionen nach Dresden. Geleitet wird der Dresdner Anteil von Professorin Min Ae Lee-Kirsch von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der TUD. Die Forschenden wollen neue Wege in der Diagnose und Behandlung von Infektions-, Entzündungs- und Tumorerkrankungen zu finden.