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Straße der Zukunft, Körper im Irrtum: TU Dresden holt Millionen für zwei Forschungsprojekte

Sensoren, Daten, digitales Abbild: Was hier wie normaler Verkehr aussieht, soll künftig vollständig virtuell erfasst und gesteuert werden können.
Alltag auf der Straße – und bald auch im Computer: Dresdner Forscher arbeiten daran, den gesamten Straßenverkehr digital abzubilden. © pixabay
Von: Wissensland
Eine Straße, die mitdenkt, und ein Immunsystem, das sich irrt – die TU Dresden forscht an beiden Themen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert gleich zwei große Verbundprojekte mit Dresdner Beteiligung weiter. Was dahinter steckt.

Eine Straße, die mitdenkt. Ein Immunsystem, das sich irrt. Zwei Themen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch haben sie etwas gemeinsam: Die Technische Universität Dresden (TUD) forscht an beiden Fragen, und bekommt dafür jetzt Millionen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – Deutschlands wichtigste Einrichtung zur Finanzierung von Grundlagenforschung – hat jetzt die weitere Förderung zweier sogenannter Sonderforschungsbereiche mit Dresdner Beteiligung beschlossen. Das sind große, langfristig angelegte Verbundprojekte, an denen mehrere Universitäten gemeinsam arbeiten.

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Wenn die Straße ein digitales Doppel bekommt

Das erste Projekt hat ein Ziel, das viele Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger direkt betrifft: eine intelligentere, sicherere und nachhaltigere Straßeninfrastruktur. Forschende der TUD und der RWTH Aachen University arbeiten gemeinsam daran, jeder Straße ein virtuelles Abbild zu geben, einen sogenannten „Digitalen Zwilling". Sensoren, Fahrzeugdaten und Computerprogramme sollen das gesamte System erfassen: Fahrzeug, Reifen, Fahrbahn, Verkehrsraum.

In der ersten Förderphase entstanden erste Teilmodelle. Jetzt, in der zweiten Phase, sollen diese zu einem vollständigen digitalen Abbild zusammenwachsen. Langfristig soll das System automatisiertes Fahren unterstützen, Unfälle vorhersagen und Verkehr intelligent steuern. Prof. Michael Kaliske, Sprecher des Projekts an der TU Dresden, betont die Einzigartigkeit des Vorhabens: "Mit diesem SFB/Transregio bearbeiten wir in seinem umfassenden, komplexen Ansatz ein weltweit einzigartiges Projekt, getragen von der herausragenden Kompetenz des Teams."

Wenn der Körper sich selbst für den Feind hält

Das zweite geförderte Projekt befasst sich mit einer der grundlegendsten Fragen der Medizin: Warum greift das Immunsystem manchmal den eigenen Körper an? Normalerweise erkennen spezialisierte Rezeptoren, das sind Erkennungsproteine der Immunzellen, ob Erbgut, also DNA oder RNA, aus dem eigenen Körper stammt oder von einem Erreger eingeschleppt wurde. Stimmt etwas nicht, schlägt das System Alarm.

Doch dieser Mechanismus kann versagen. Wird körpereigenes Erbgut fälschlicherweise als fremd erkannt, entstehen chronische Entzündungen, Autoimmunerkrankungen oder Tumore. Genau das untersucht der Forschungsverbund "Nucleic Acid Immunity" – auf Deutsch: Immunantwort auf Nukleinsäuren. Beteiligt sind neben der Medizinischen Fakultät der TUD auch die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Universität Bonn. Die DFG fördert das Projekt in seiner dritten Phase mit rund 14,6 Millionen Euro, davon fließen etwa 4,1 Millionen nach Dresden. Geleitet wird der Dresdner Anteil von Professorin Min Ae Lee-Kirsch von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der TUD. Die Forschenden wollen neue Wege in der Diagnose und Behandlung von Infektions-, Entzündungs- und Tumorerkrankungen zu finden.

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