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Fraunhofer macht Klebstoff in Papierverpackungen überflüssig

So sieht die Verpackung der Zukunft aus: Eine Mitarbeiterin des Fraunhofer IVV begutachtet eine Papiertüte, die per Laser und Heißsiegelverfahren verschlossen wurde.
Kein Klebstoff, kein Plastik: Eine Mitarbeiterin des Fraunhofer IVV hält das Ergebnis des PAPURE-Projekts in den Händen – eine gesiegelte Papiertüte. © Fraunhofer IVV
Von: Wissensland
Papierverpackungen gelten als die bessere Wahl. Sie sind nachhaltiger, recycelbarer und umweltfreundlicher als Plastik. Doch ein Problem haben sie bis heute: Zum Verschließen brauchen sie Klebstoffe oder Kunststoffschichten, die das Recycling erschweren. Dresdner Forscher wollen das ändern – mit einem Laser, der im Papier seinen eigenen Klebstoff erzeugt.

Jede Cornflakes-Schachtel, jede Papiertüte, jeder Pappbecher hat ein verstecktes Problem. Um sie zu verschließen, brauchen Hersteller Klebstoffe oder Kunststoffschichten. Die verunreinigen jedoch das Papier und erschweren das Recycling der benutzten Verpackungen. Vier Fraunhofer-Institute wollen das ändern – mit einem Laser.

Das Projekt heißt PAPURE. Beteiligt sind die Dresdner Fraunhofer-Institute für Werkstoff- und Strahltechnik IWS, für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU und für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV sowie das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam. Gemeinsam entwickeln sie ein Verfahren, das Papierverpackungen ohne Fremdstoffe verschließt.

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Der Laser erzeugt seinen eigenen Klebstoff

Papier besteht aus pflanzlichen Fasern, vor allem aus Cellulose, Hemicellulose und Lignin. Auch die genaue Zusammensetzung des Papiers spielt eine Rolle für die spätere Haftfestigkeit. Das machen sich die Forschenden zunutze. Ein Kohlenstoffmonoxid-Laser, kurz CO-Laser, erhitzt die Papieroberfläche blitzschnell. Dabei entstehen zuckerartige, klebrige Verbindungen.

"Durch die Bestrahlung des Papiers mit einem CO-Laser erzeugen wir wieder aufschmelzbare, zuckerartige Reaktionsprodukte, die wir anstelle der sonst benötigten Kunst- oder Klebstoffe zum Fügen des Papiers mit dem Heißsiegelverfahren nutzen", erklärt Volker Franke, Gruppenleiter Laser-Mikrobearbeitung am Fraunhofer IWS in Dresden. "Wir erzeugen also quasi unseren eigenen Klebstoff in Form der Spaltprodukte." Anschließend werden zwei Papierlagen mit Wärme und Druck zusammengepresst – das sogenannte Heißsiegelverfahren. Das Ergebnis ist eine feste Verbindung ohne jeden Fremdstoff.

20 Kilogramm an einer winzigen Naht

Wie fest hält das? "Die Nahtfestigkeit bestimmt, wie schwierig es ist, eine Verpackung aufzureißen bzw. zu öffnen", erklärt Fabian Kayatz, Projektkoordinator am Fraunhofer IVV. In ersten Tests hielt eine Naht von nur zwei Zentimetern Länge und drei Millimetern Breite ganze 20 Kilogramm aus. Die angestrebte Nahtfestigkeit solle die Reißfestigkeit des Papiers selbst übertreffen – die Naht also stabiler sein als das Papier drumherum, ergänzt Projektleiter Prof. Marek Hauptmann.

Am Fraunhofer IWU in Dresden entsteht derzeit eine Laboranlage, die den gesamten Prozess abbildet, vom Laserstrahl bis zur fertigen Verpackungsbeutel-Geometrie. Ziel der Wissenschaftler ist es, zum Projektende im September 2026 auf der Laboranlage zehn Verpackungen pro Minute zu produzieren. Das Verfahren lässt sich künftig in bestehende Produktionslinien einbauen. Das Papierrecycling könnte damit deutlich einfacher werden, weil keine zusätzlichen Kleb- oder Kunststoffschichten mehr im Material verbleiben.

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